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Konzert / Archiv | Beitrag vom 25.12.2016

Musik zum Ersten Weihnachtstag Bach als Alternative zu Bach

Aufzeichnungen aus Utrecht und Berlin

Der niederländische Dirigent Ton Koopman zu Gast im Leipziger Gewandhausorchester. (picture alliance / dpa / Wolfgang Kluge)
Der Dirigent und Organist Ton Koopman (picture alliance / dpa / Wolfgang Kluge)

In der Musik Johann Sebastian Bachs gibt es noch immer etwas Neues zu entdecken: Aus vier Kantaten hat Ton Koopman ein eigenes intimes Weihnachtsoratorium gebaut, und die „Goldberg-Variationen“ erklingen hier in einer neuen Septettfassung.

Es muss nicht immer das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach sein – das hat sich der niederländische Dirigent und Bach-Experte Ton Koopman bei der Konzeption seines vorweihnachtlichen Konzerts mit dem Amsterdam Baroque Chorus und dem Amsterdam Baroque Orchestra in Utrecht gedacht und aus den vielen anderen Bachschen Weihnachts- und Adventskantaten ein ganz eigenes Weihnachtsoratorium zusammengestellt. Die vier Kantaten, die Koopman für sein alternatives Weihnachtsprogramm ausgewählt hat, erstrecken sich thematisch von der Ankündigung der Geburt Jesu bis zur Erscheinung des Herrn am Dreikönigsfest. Damit erklingen zwar weniger bekannte, aber ebenso freudige Weihnachtskantaten, einschließlich der Adventskantate "Nun komm, der Heiden Heiland", die eine der ältesten Weihnachtsmelodien aus der Kirchengeschichte enthält. Im Gegensatz zu seinem opulent besetzten Weihnachtsoratorium hat Bach bei der Begleitung in diesen Kantaten auf die uns so vertrauten Trompeten und Pauken verzichtet und mit Blockflöten, Oboen da caccia und Hörnern einen sehr viel intimeren, fast schon pastoralen Rahmen geschaffen.

Im zweiten Teil unseres Konzerts am Ersten Weihnachtstag stehen Bachs "Goldberg-Variationen” im Mittelpunkt, jener monumentale Zyklus, der vom Meister selbst noch schnöde als "Clavier-Übung” betitelt wurde, mittlerweile aber längst zu den Höhepunkten der barocken Variationskunst zählt. Während die Geschmäcker vielerorts noch darüber streiten, ob die einleitende Aria mit ihren nachfolgenden 30 Variationen lieber auf dem Cembalo oder dem modernen Konzertflügel gespielt werden sollen, hat der Dirigent und Gründer der Berliner Bach Akademie, Heribert Breuer, einen ganz anderen Weg eingeschlagen und die Goldberg-Variationen für Streichtrio, Holzbläsertrio und Harfe arrangiert. Durch die unterschiedlichen Klangfarben des extra für dieses Projekt zusammengestellten "Goldberg-Septetts" lassen sich die Stimmverläufe der durchaus komplexen Variationen besonders gut verfolgen. Manche Stücke werden hingegen nur von einem einzelnen Instrument gespielt. Um dem Hörer den Weg durch die dreißig Variationen etwas zu erleichtern, hat Breuer aus den Essays von Michel de Montaigne Abschnitte zu unterschiedlichen Themen ausgewählt, die der Schauspieler Ulrich Noethen zwischen den Variationen liest. Damit erscheinen die so anregenden und zugleich sinnlichen "Goldberg-Variationen" abermals in einem neuen Licht.  

TivoliVredenburg, Utrecht
Aufzeichnung vom 16. Dezember 2016

Johann Sebastian Bach
"Himmelskönig sei willkommen", Kantate BWV 182
"Nun komm, der Heiden Heiland", Kantate BWV 62
"Dazu ist erschienen der Sohn Gottes", Kantate BWV 40
"Sie werden aus Saba alle kommen", Kantate BWV 65

Maarten Engeltjes, Countertenor
Tilman Lichdi, Tenor
Klaus Mertens, Bass
Amsterdam Baroque Chorus
Amsterdam Baroque Orchestra
Leitung: Ton Koopman

Jesus-Christus-Kirche Berlin
Aufzeichnung vom 23. Oktober 2016

Johann Sebastian Bach/Heribert Breuer
"Goldberg-Variationen" für Streichtrio, Holzbläsertrio und Harfe

Goldberg-Septett

Ulrich Noethen liest Essays von Michel de Montaigne

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