"Musik ist nicht antisemitisch"

27.07.2005
Der israelische Journalist Daniel Dagan berichtet für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Israel von den Wagner-Festspielen in Bayreuth. Bislang habe er Bayreuth immer gemieden und sei mit gemischten Gefühlen dorthin gefahren, sagte er im Deutschlandradio Kultur.
Letztlich habe aber die Neugier und die Liebe zur Musik überwogen. Er habe in Bayreuth vor allem Musikliebhaber getroffen und sei bei der Aufführung des "Lohengrin" von der "wunderbaren Atmosphäre" überrascht worden.

Kritik übte Dagan am Wagner-Museum in Bayreuth. Er habe bei einem Besuch dort ein Hitler-Bild "mit der Lupe suchen" müssen, dies sei nicht richtig, denn die Vereinnahmung Wagners durch die Nazis sei Teil der Geschichte und müsse auch dargestellt werden. Ausstellungsleiter Sven Friedrich habe ihm zwar versprochen, dass dies geschehe, aber auch viel Zeit in Anspruch nähme. Dagan aber dringt auf eine sofortige Änderung.

"Der Antisemitismus Wagners muss thematisiert werden", forderte Dagan.

"Das wäre auch eine Chance, die Kritiker in Israel zu überzeugen, dass der Wagner-Boykott in Israel aufhört."

Zugleich übte er Kritik am Dirigenten Daniel Barenboim, der trotz gegenteiliger Abmachungen bei einem Konzert in Israel Wagner spielte. Dagan glaubt, dass man Rücksicht nehmen müsse auf die Gefühle mancher Menschen in Israel, die sich durch Wagner verletzt fühlen. Aber er glaubt, dass ein Besuch in Bayreuth auch von der Musik überzeugen kann:

"Musik ist ja nicht per se antisemitisch. Ich bin hergekommen und ich bin überzeugt."
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