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Tonart | Beitrag vom 09.07.2015

Musik aus PeruClubsounds zwischen Meer und Metropole

Von Martin Risel

Peru (imago stock&people)
"Berauschende Beats und beschauliches Meeresrauschen an Perus Pazifikküste." (imago stock&people)

Tropical Bass nennt sich ein noch junges Genre, das jetzt mit der aktuellen Compilation "Peru Boom" aus Südamerika kommt. In der Party-Metropole Lima ist aus verwandten Stilen wie Baile Funk und Kuduro sowie heimischen Folk-Einflüssen ein eigener Sound entstanden.

Berauschende Beats und beschauliches Meeresrauschen an Perus Pazifikküste – das Pirana Sound System mischt Strand-Ambiente mit Einflüssen aus ländlicher Andenmusik und modernen Metropolen-Sounds aus der 8-Millionenstadt Lima. Zu finden neben vielen anderen Interpreten auf einer neuen Compilation, die Tropical Bass in den Vordergrund stellt – dieses nicht nur in Peru noch frische Genre zwischen Welt- und Clubmusik. Veröffentlicht von Tiger’s milk records, Duncan Ballantyne ist einer der beiden Labelchefs:

"Tropical Bass und elektronische Musik vor allem aus Lima von jungen Produzenten unter 30, die dort in der Clubszene gerade für Aufsehen sorgen. Lima ist eine Party-Metropole in Südamerika, das ist sonst kaum bekannt. Und diese Compilation drückt aus, was da passiert."

Manche Musik-Magazine sprechen von Lima als dem "Juwel in der Krone" von Südamerikas Party- und Rave-Szene. Das liegt vor allem an DJs und Beatproduzenten von dort. Ein paar international angesagte wie Dengue Dengue Dengue sind vertreten auf dem Album "Peru Boom – bass, bleeps & bumps from Peru’s electronic underground". Der Fokus liegt aber auf jungen oder unbekannten Musikern. Am besten gefällt mir dieser hier:

"Alvaro Ernesto ist sein wirklicher, Tribilin Sound sein Produzenten-Name und er ist gleich vier Mal auf der Compilation vertreten. In seinen Tracks gibt es vor allem afro-peruanische Einflüsse: Die Cajon-Trommel und andere Klänge, die aus dieser Tradition kommen."

Kein Café del Mar-Kitsch

Bei solchen Klängen sieht man die Sonne im Meer versinken. Aber im Gegensatz zum Café del Mar-Kitsch sind sie hier keine Fototapete, sie haben einen tieferen kulturellen Hintergrund, erzählt Duncan Ballantyne.

"Ein wichtiger Teil von peruanischer Tropical Bass, der innere Kern dieses Sounds ist Folkmusik, also Cumbia und Chicha, solche traditionelle Musik aus Peru. Und das respektieren diese jungen Produzenten und bauen drum herum ihre Rhythmus- und Soundsequenzen."

Nun kommt die Cumbia natürlich aus Kolumbien, hat aber in Peru eine starke eigene Tradition und Ausformung. Genau wie jetzt die seit ein paar Jahren durch tropische Regionen schwappende Tropical Bass. Das Meta-Genre vereint jüngste elektronische Stile wie Grime und Dubstep jeweils mit regionalen Rhythmen. Und so kann an Perus Küste auch mal ein Einfluss aus dem gar nicht so fernen Jamaika stranden – wie hier dieses Zitat aus Bob Marleys Song "Waiting in vain":

"Man spürt so eine Verbindung zur Tropical Bass-Musik in anderen Regionen der Welt: Tropisch bedeutet immer heiß, es geht um elektronische und bass-lastige Musik wie Baile Funk aus Brasilien und Kuduro zuletzt aus Südafrika. Und in den letzten fünf Jahren konnte man in Lima beobachten, wie die elektronische Tanzmusik dort Einflüsse von diesen anderen Szenen aufgenommen hat. Und so ist in der peruanischen Szene eine neue Form von Tropical Bass entstanden."

So hat es ein Kollege vom Label Tiger’s Milk Records erlebt, der dieses Album nach in Limas Clubs durchtanzten Nacht zusammengestellt hat, um die Energie dieser Nacht einzufangen. Was ziemlich gut gelungen ist. Vor allem viel authentische Atmosphäre wird da mit transportiert.

Und die kleine Plattenfirma aus London mit Musik ausschließlich aus Peru leistet auch auf dieser dritten Compilation mal wieder großartige Pionierarbeit: Nach peruanischem 70er-Jahre Funk und Soul sowie Rockmusik nun ultra frische Clubsounds zwischen Meer und Metropole, Anden und Dschungel.

"Peru Boom: Bass, Bleeps & Bumps From Peru's Electronic Underground"
Tiger's Milk Records
Juni 2015

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