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Im Gespräch / Archiv | Beitrag vom 03.11.2017

Museumsdirektorin Nina Zimmer über GurlittWie man eine skandalumwobene Sammlung ausstellt

Nina Zimmer im Gespräch mit Susanne Führer

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Nina Zimmer (Foto: Monika Flückiger/Kunstmuseum Bern)
Museumsdirektorin Nina Zimmer (Foto: Monika Flückiger/Kunstmuseum Bern)

Als Direktorin des Kunstmuseums Bern steht Nina Zimmer derzeit besonders im Blickpunkt, denn ihr Haus ist Alleinerbe der Sammlung Gurlitt. Die Tochter eines deutschen Malers und Bildhauers bekam die Welt der Kunst quasi in die Wiege gelegt.

Nina Zimmer wird öfter als "Superdirektorin" bezeichnet – ein Titel, den sie gar nicht mag, denn "super" erinnert sie eher an Waschmittelwerbung. Aber mit Mitte 40 als erste Frau zwei der bekanntesten Schweizer Museen zu führen (das Kunstmuseum Bern und das dortige Zentrum Paul Klee), das ist schon bemerkenswert.

Zumal ihr Haus in jüngster Zeit weltweit Beachtung findet: Das Kunstmuseum ist Alleinerbe der skandalumwobenen Sammlung Gurlitt, jener rund 1500 Werke aus dem Nachlass Cornelius Gurlitts, Sohn des Kunsthändlers Hildebrandt Gurlitt, der für die Nationalsozialisten auch Bilder aus dem Besitz verfolgter Juden kaufte. Mit dieser Schenkung umzugehen, ist für Nina Zimmer und ihr Team eine Herausforderung:

"Wir wollen genau hinschauen, wir wollen da ansetzen, wo es auch weh tut in dieser Biografie von Hildebrandt Gurlitt, der vom progressiven Museumsmann zu einem Verwerter im Dienste des Propagandaministeriums und dann direkt im besetzten Paris zum Einkäufer von Hitlers Linzer Museum wurde. Das ist ein Kollaborateur, ein Profiteur auch, aber er hat viel mehr Grautöne in dieser gesamten Biografie, als dass man ihn so einfach mit nur ‚Nazi‘ zusammenfassen könnte."

Bislang sechs Raubkunstwerke gefunden

Derzeit präsentiert das Kunstmuseum Bern gemeinsam mit der Bonner Kunsthalle eine Doppelschau der Werke aus dieser Sammlung. Zu sehen sind nur Werke, von denen feststeht, dass es sich nicht um NS-Raubkunst handelt. Um der Herkunft der Bilder auf den Grund zu gehen, hat das Berner Kunstmuseum weder Kosten noch Mühe gescheut:

"Immerhin hat man bislang sechs Raubkunstwerke gefunden, das heißt, dass es sich gelohnt hat, nach diesen sechs Werken zu suchen, die Forschung zu machen. Und die Restitutionen, die jetzt möglich sind, anzustreben – ich glaube, da sind wir uns einig. Es gibt weitere Werke, die in einem Prozess sind, wo sie soweit erforscht sind, dass klare Hinweise auf Raubkunst bestehen, man aber noch keinen wirklichen Fall so definiert hat, dass man jetzt auch zur Restitution schreiten könnte. Da sind weitere Abklärungen nötig. Und dann gibt es eine ganze Gruppe von Werken, wo man geforscht hat und einfach in einer Sackgasse endet, wo man nicht weiterkommt mit der Aufklärung, und dann gibt es Werke, die sich als unbelastet herausgestellt haben."

Mit Kunstgeschichte die Welt der Eltern einsortieren

Die Welt der Kunst wurde Nina Zimmer quasi in die Wiege gelegt: Sie ist die Tochter des Künstlers HP Zimmer. Zur Kunstgeschichte sei sie allerdings nur auf Umwegen gekommen:

"Das war ein langer Weg. Das Studium der Kunstgeschichte habe ich erst durch das Hintertürchen angefangen. Da habe ich vieles andere probiert und habe da mal so im zweiten Nebenfach mit Kunstgeschichte angefangen. Ich fand das unglaublich verstaubt und unattraktiv, aber irgendwie hat es mich auch provoziert und habe dann, nachdem ich das jahrelang als zweites Nebenfach mit habe laufen lassen, hat es mich dann auch herausgefordert, dem eine andere Sprache entgegenzusetzen. Und habe dann gemerkt, dass es für mich auch ein wunderbares Instrument ist, um auch diese Welt meiner Eltern einsortieren zu können."

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