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Echtzeit | Beitrag vom 23.11.2019

Museum MAGR in RomKunst zwischen verfallenen Mauern und Müll

Lisa Weiß im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Ein Werk des französischen Street-Art-Künstlers Seth an einer Wand hinter Haufen von Müll auf dem Gelände einer besetzten früheren Seifenfabrik, dem Museo Abusivo Gestito dai Rom (MAGR) in Rom, zu sehen, aufgenommen im Juni 2019.  (picture alliance/Alvise Armellini/dpa)
Der italienische Kurator Stefano Antonelli zeigt Kunst nicht an weißen Wänden, sondern auf einem zugemüllten Gelände, auf dem Menschen eher hausen als wohnen. (picture alliance/Alvise Armellini/dpa)

Rom gilt als die Stadt der Schönheit. Umso bemerkenswerter ist das Museum MAGR. Auf dem von Roma bewohnten Gelände einer halb verfallenen Seifenfabrik voller Müll zeigt Kurator Stefano Antonelli, was er "Kunst an einem scheußlichen Ort" nennt.

Ein Loch im Zaun hinter Müllcontainern ist der Eingang zu einem ganz besonderen Kunstort: das Museo abusivo gestito dai Rom (MAGR) in Rom. Auf dem Gelände einer früheren, nun halb verfallenen Seifenfabrik zeigt der italienische Soziologe und Kurator Stefano Antonelli, was er "Kunst an einem scheußlichen Ort" nennt.

"Diese alte, halb eingestürzte Seifenfabrik wird offenbar auch als illegale Mülldeponie genutzt und entsprechend sieht’s da auch aus: Überall Müll, kaputte Möbel, man muss aufpassen, dass man nicht in menschliche Exkremente tritt – also, es gibt wirklich keine Toiletten da – und entsprechend riecht’s da auch." So beschreibt Reporterin Lisa Weiß die Szenerie bei ihrem Besuch.

Direktor des Museums ist Tito, ein Rom aus Rumänien, der mit rund 20 weiteren Roma illegal auf dem Gelände lebt und – gegen Spende – Führungen durch die Ausstellung macht. Ein Kunstwerk zeigt eng zusammengekauerte Menschen in zugemauerte Fenster gesprayt. "Es heißt Lampedusa, es ist eine Erinnerung an die, die übers Meer gekommen sind. 500, 600 Menschen waren so eingequetscht in einem Boot für 200 Leute", erklärt Tito.

Die Polizei war schon öfter da

Auf einer Fabrikwand sieht man das Bild eines kleinen Jungen, der sich die Hände vor die Augen hält. Tito interpretiert das Kunstwerk so: "Dieses Kind verhält sich so, weil es sich für diesen Ort schämt. Die Stadt Rom hat nichts getan, 50, 60 Jahre lang." Es ist ein Werk von Seth, einem französischen Streetart-Künstler, der aus der Pariser Graffiti-Szene kommt. "Er malt ganz oft Kinder, die die Außenwelt betrachten und mit ihrer Haltung auch kommentieren – also, man merkt, die Kinder sind unschuldig, die Außenwelt ist feindlich", sagt Lisa Weiß.

Die Polizei sei schon öfter da gewesen, erzählt Tito noch, und habe das Camp der Roma geräumt. Letztlich sei aber nichts passiert, sie seien einfach wieder zurückgekommen. Auch der Museumsgründer Antonelli habe mal eine Anzeige bekommen, gleichzeitig hätten auch Politiker das Gelände besucht.

Der Ort ist eine Art Grauzone. Oder wie es auf der Homepage des Museums heißt: "Die Fabrik ist ein schizophrener Ort, wie die Welt in der wir leben, wie die Zukunft, die uns erwartet."

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