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Fazit | Beitrag vom 22.01.2019

Museum der schwarzen ZivilisationenAfrikas Botschaft an die Welt

Von Martina Zimmermann

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Zu sehen ist ein imposantes Gebäude, weiß und rund, das Museum für schwarze Zivilisation in Senegals Hauptstadt Dakar.  (imago stock&people)
Das Museum für schwarze Zivilisation in Senegals Hauptstadt Dakar (imago stock&people)

Die Idee stammt aus den 1950er Jahren, als Intellektuelle eine panafrikanische Einheit schaffen wollten. Ein Ex-Präsident des Senegal legte die Idee neu auf. Jetzt ist es fertig und wurde kürzlich eingeweiht: das Museum der schwarzen Zivilisationen.

Ein Museum wie es weltweit noch keines gibt: Das soll das Anfang Januar eingeweihte "Museum der schwarzen Zivilisationen" in Senegals Hauptstadt Dakar sein. Der ehemalige senegalesische Präsident Abdoulaye Wade hat die Idee aus den 1950er Jahren neu aufgelegt, der jetzige Staatschef Macky Sall hat das Museum am 7. Januar in Dakar eingeweiht.

Es ist ein modernes rundes Glasgebäude: Das Museum der schwarzen Zivilisationen sei eine umgekehrte afrikanische Hütte, erklärt Direktor Hamady Bocoum. Es wurde vom Pekinger Architekturinstitut entworfen und von den Chinesen für über 30 Millionen Euro gebaut: "Aber sie fragten uns, 'Was wollt ihr?'", erzählt Direktor Bocoum.

"Wir sagten, 'Wir wollen eine Architektur, die von unserem Kontinent inspiriert ist'. Am meisten verbreitet in Afrika ist die kleine runde Hütte. Sie sagten 'Das ist kompliziert', aber wir bestanden darauf. Damit wir genug Licht haben, haben wir die Hütte umgedreht und nun kommt das Tageslicht durch das Dach, und wir können sogar Regenwasser auffangen."

Kultur statt Business

Im Innern empfängt den Besucher ein zehn Meter hoher Baobab, ein Affenbrotbaum aus geschnittenem Eisen, über sieben Tonnen schwer. Der "Baum der Menschlichkeit" ist das Werk des in Miami lebenden Haitianers Edouard Duval Carrié. Auch alle anderen Objekte des Museums – insgesamt 18.000 – sind Gaben der Künstler. 

"Wissen Sie, wie Siriki Ky oder Abdoulaye Konate ihre Werke hergebracht haben?", fragt Direktor Bocoum. Siriki Ky habe seine Skulpturen in Ouagadougou in einen Lastwagen gepackt und durch den Busch nach Dakar gefahren. Ohne Versicherung, ohne alles. Konate packte seine Stoffskulpturen in einen Koffer und kam damit im Flugzeug aus Mali. "Wir wollen aus dem westlichen Kapitalmodell heraus, das ein Business ist", sagt der Direktor: "Wir wollen Kultur statt Business."

Im Erdgeschoss wird die Evolutionsgeschichte gezeigt und Afrikas Beitrag zur Kulturgeschichte, zum Beispiel durch die Erfindung des Eisens und der Schmiedekunst. Fotos und Tafeln belegen Medizin und Mumifizierung der Ägypter, aber auch Afrikas Beitrag zu den Religionen: im Senegal durch Bruderschaften, die einen Sufi-Islam predigen; in Äthiopien durch in Stein gehauene Kirchen.

Sehr sehenswert sind die zeitgenössischen Werke: Gemälde, Videoinstallationen, Skulpturen, Stoffe, Masken – auch aus anderen Teilen der Welt. Bis auf den Baobab bleibe keines der Werke für immer in der Ausstellung, erklärt Direktor Bocoum. Die schwarzen Zivilisationen in einer einzigen Ausstellung zu präsentieren, sei unmöglich.

Objekte als "Symptome eines untergebenen Afrikas"

"Es soll auch kein ethnografisches Museum sein", das sei eine westliche Konzeption von der Studie des Anderen. "Das ist ein Museum von Afrika, der Diaspora und der Welt", so Hamady Bocoum: "Am Ende der Evolutionsgeschichte stehen Sie vor einem Spiegel, in dem Sie sich sehen können. Darauf steht die Botschaft Afrikas an die Welt: Auch Sie sind ein Mensch, ein Homo sapiens."

Im Redesaal des Museums finden Kolloquien und Begegnungen statt, zum Beispiel mit Felwine Sarr und Doktoranden aus mehreren afrikanischen Ländern zum Thema afrikanische Philosophie. Den in Europa umstrittenen Bericht von Sarr und Bénédicte Savoy über die Rückgabe von Kulturgütern französischer Museen an afrikanische Länder bezeichnet Hamady Bocoum als eine "exzellente Arbeit von Universitätsprofessoren" und ergänzt:

"Hätte man mich gefragt, ich hätte gesagt: 'Behaltet alles!'". Denn diese Objekte seien Symptome eines untergebenen Afrikas, eines eroberten, erniedrigten, kolonisierten Kontinents, dem alles gestohlen worden sei.

Diese Objekte gehörten im Wesentlichen zum Kult und zu Riten oder es waren Zeichen der Macht. Man habe die Afrikaner besiegt und bestohlen und beschlossen, das sei afrikanische Kunst. "In Afrika war das nie Kunst." Die Rückgabe sei wichtig, meint Direktor Bocoum, aber sie dürfe nicht zu wichtig genommen werden, denn sie betreffe nur einen Abschnitt der afrikanischen Geschichte.

Der senegalesische Künstler Ousmane Sow zwischen zwei seiner Skulpturen. (AFP / Eric Cabanis)Der senegalesische Künstler Ousmane Sow im Jahr 1999 zwischen zwei seiner Skulpturen. (AFP / Eric Cabanis)

Lieber im Museum als in irgendeinem Keller

Ein anderes, ganz neues Museum in Dakar ist das Haus von Ousmane Sow. Ausgestellt sind persönliche Objekte und 40 Monumentalskupturen des weltberühmten Künstlers, der 2016 verstorben ist. Seine Werke seien legal in die ganze Welt verkauft worden, betont seine Tochter Marina Sow. 

"Es ist normal, dass die Werke den Ländern zurückgegeben werden, denen sie gehören", findet auch Sow. "Aber wenn sie dann in einem Keller verschimmeln, sollten sie lieber in französischen Museen bleiben und von einem internationalen Publikum gesehen werden. In Senegal haben wir das Museum der Zivilisationen", so Sow. Sie hofft, dass die anderen Länder Orte für ihre Werke schaffen.

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