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Fazit / Archiv | Beitrag vom 27.10.2016

Museum der Moderne BerlinEine Wellblechhütte, die innen glänzt

Von Carsten Probst

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Es ist entschieden: Das Museum der Moderne in Berlin wird vom Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron gebaut (picture alliance / dpa / Sophia Kembowski)
Es ist entschieden: Das Museum der Moderne in Berlin wird vom Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron gebaut (picture alliance / dpa / Sophia Kembowski)

Ein Pferdestall mit der Anmutung einer überdimensionierten Wellblechhütte - so beschreibt unser Kritiker den Siegerentwurf der Architekten Herzog & de Meuron für das Museum der Moderne in Berlin. Warum es ihn dennoch beeindruckt, erklärt Carsten Probst in seinem Kommentar.

Und das soll jetzt also das Museum der Moderne sein? Dieser langgezogene Pferdestall mit der Anmutung einer überdimensionierten Wellblechhütte? Und das mitten auf dem Kulturforum in Berlin, direkt in der Nachbarschaft von Mies van der Rohes Neuer Nationalgalerie, Hans Scharouns Berliner Philharmonie und und und?

Die Verfechter einer neuen Prächtigkeit in der Hauptstadtarchitektur, die in den letzten Jahren mit der Wiedererrichtung des Berliner Stadtschlosses und der Renovierung der Museumsinsel manch unverhofften Erfolg erzielt haben – sie werden sich mit Grausen abwenden von diesem Entwurf, mit dem das Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron den 1. Preis gewonnen hat.

Nicht die große architektonische Geste

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, auch die Kulturstaatsministerin Monika Grütters hatten allerdings in bester Berliner Manier Erwartungen geschürt. Von einem gordischen Knoten für die Berliner Stadtplanung war die Rede; die ganze Welt schaue gerade wieder einmal angeblich auf die Stadt. Dass ein Global Player unter den Architektenbüros das Rennen gemacht hat, war angesichts dieser rhetorischen Aufrüstung im Vorfeld fast schon vorauszusehen – zur Enttäuschung sicherlich all jener, die gefordert hatten, dass endlich auch junge, weniger bekannte Namen bei Großaufgaben zum Zug kommen müssten.

Bei der Entscheidung für Herzog & de Meuron haben Jury und Bundesregierung dennoch Mut bewiesen. Denn sie erkennen an, dass in der Stadt des 21. Jahrhunderts nicht unbedingt mehr nur die große architektonische Geste zählt, nicht mehr die Überbietung mit sensationellen Fassaden oder gebauten Großskulpturen wie von Frank Gehry mit seinem Guggenheim Museum in Bilbao. Solche Versuche gab es natürlich auch in diesem Wettbewerb. Dagegen setzen Herzog & de Meuron auf eine äußerlich fast brüske Bescheidenheit: auf eine auf elementare Grundformen reduzierte Backsteinarchitektur.

Großen Hallen der Tate Modern als Vorbild

Ihre Qualitäten hat sie vor allem in ihrem Inneren. Als Vorbild sind unschwer die großen Hallen mit den Wegekreuzungen in der Londoner Tate Modern auszumachen, die ja von denselben Architekten ausgebaut und ergänzt wurde. Dieses Innere besticht dadurch, dass es einen sehr weiten, überdachten öffentlich Platz bietet, den man auch dann nutzen kann, wenn man nicht ins Museum will, der gleichwohl auch von den Museen bespielt werden kann.

Zudem bietet er eine unterirdische Verbindung zu allen Seiten des Kulturforums, moderiert sozusagen zwischen deren architektonischen Gegensätzen, ohne sich hervorzutun. Die Museumsräume selbst finden sich als vier gewaltige Kuben in die Ecken des Baus eingelassen. Das ist dienende Architektur, die nach Innen beeindruckt und nach außen eine eigene, zutreffende Beobachtung von gegenwärtiger Stadt formuliert. Einer Stadt der schnellen Wandlungen und temporären Nutzung von Gebäuden. Diese Vielschichtigkeit in einem einzigen mutigen Entwurf konnte durchaus nicht jeder Konkurrent in diesem Wettbewerb bieten.

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