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Studio 9 | Beitrag vom 11.01.2018

Murphys Gesetz"Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen"

Von Tobias Nagorny

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(imago / Steinach)
Liegt es an Murphys Gesetz, dass das Marmeladenbrot immer auf die Marmeladenseite fällt? (imago / Steinach)

Schon wieder in der Warteschlange gelandet, in der es besonders lange dauert? Das ist kein Zufall, sondern Murphys Gesetz: Demzufolge geht alles schief, was schiefgehen kann. Sein Erfinder Edward Murphy wurde vor genau 100 Jahren geboren.

Ja, Sie kennen das auch! Auf jeden Fall! Diese leidigen Szenen an der Supermarktkasse...

Die eigene Erfahrung lehrt uns immer wieder: Wenn wir uns zwischen zwei oder drei Warteschlangen entscheiden müssen, wählen wir treffsicher genau die, wo es am längsten dauert. Wo das Wechselgeld ausgeht, Artikel nicht vom Kassensystem erkannt werden oder höchst komplizierte Umtausch- oder Reklamationsaktionen das Vorankommen quälend verzögern. Mit anderen Worten:

"Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen."

Oder eben im englischen Original:

"Anything that can go wrong will go wrong"

Murphy selbst war gar kein Pessimist

Mit diesem Satz und eigentlich nur damit wurde der US-amerikanische Ingenieur Edward A. Murphy weltberühmt. Diese Alltagsweisheit, die eine kategorische Aussage über menschliches Versagen und Fehlerquellen in komplexen Systemen macht, ist als Murphy's Law bekannt.

Dabei war der ehemalige Militärpilot gar kein Pessimist. Als Ingenieur war er 1949 an einem Experiment mit so genannten Raketenschlitten beteiligt. Auf einer kalifornischen Air Force Basis wurden also Fahrzeuge mit Raketenantrieb, und auf Schienen, mit einer beachtlichen Beschleunigung durch die Gegend geschossen.

Ein sehr kostspieliges Experiment, bei dem herausgefunden werden sollte, wie der menschliche Körper auf diese extremen Geschwindigkeiten reagiert. Dabei mussten 16 Mess-Sensoren am Körper einer Testperson angebracht werden. Das war der Job von Murphys Assistent – es gab nur zwei Möglichkeiten, diese am Körper des Probanden anzubringen. Und er wählte natürlich die falsche.

Edward Murphy erklärte das Scheitern des Experiments so:

"Wenn es mehrere Möglichkeiten gibt, eine Aufgabe zu erledigen, und eine davon in einer Katastrophe endet oder sonstwie unerwünschte Konsequenzen nach sich zieht, dann wird es jemand genauso machen."

Warum landet das Brot auf der Marmeladenseite?

Einige Tage später wurde diese Aussage auf einer Pressekonferenz zitiert. Und damit war Murphys Gesetz geboren. Das Universalprinzip jedes menschlichen und technischen Versagens sozusagen.

Aber: Wenn Ihr Frühstücksbrot beim nächsten Sturz wieder auf der Marmeladenseite landet, dann ist das eben nicht auf Mr. Murphys Gesetz zurückzuführen, sondern liegt an der Höhe Ihres Tisches. Frank Simon, Physiker am Max Planck Institut in München:

"Das Brot fällt etwa immer von derselben Höhe, wenn das passiert, weil unsere Tische immer dieselbe Höhe haben. Das Brot rutscht über den Teller raus und kippt dann zur Seite ab. Und weil es so schräge abkippt, fängt es an sich zu drehen - und es schafft eben genau eine halbe Drehung."

Wäre der Tisch doppelt so hoch, würde es also sehr wahrscheinlich auf die nichtbeschmierte Seite fallen.

Natürlich ist Murphy's Law kein bewiesenes Gesetz, sondern eher eine skeptische Lebensweisheit, die durch unsere verzerrte Wahrnehmung zustande kommt. Widerlegen Sie es mal! Beim nächsten Warten an der Supermarktkasse denken Sie vielleicht an diesen Edward Murphy. Geboren wurde er heute vor 100 Jahren. 

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