Munch-Museum in Oslo

Ein neues Haus für Edvard Munch

07:27 Minuten
Das Opernhaus von Oslo und rechts das neue Munch-Museum
Gigantisch groß und mit Knick: Das neue Munch-Museum mit abgewinkelten Dachetagen befindet sich im Osloer Hafenareal. © picture alliance / dpa / Steffen Trump
Nikolaus Bernau im Gespräch mit Marietta Schwarz · 20.10.2021
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Oslo hat Edvard Munch ein neues Museum am Hafen gebaut. Dort werden seine Werke zusammen mit denen anderer Künstler gezeigt. Das markante Gebäude mit dem Knick sei auch eine ökologische Sensation, sagt Architekturkritiker Nikolaus Bernau.
Norwegens Nationalmaler ist umgezogen: Die Stadt Oslo hat Edvard Munch ein neues Museum gebaut. Von nun an werden seine Werke in einem gewaltigen Bau im Hafenviertel von Oslo gezeigt.
Viel zu eng sei das alte Munch-Museum gewesen, sagt Architekturkritiker Nikolaus Bernau. Doch jetzt habe das neueröffnete Museum nicht nur Platz für die Werke von Edvard Munch, sondern auch für Werke anderer Künstler. So könne Munch viel besser im Kontext der nationalen und internationalen Kunstgeschichte gezeigt werden.
Außenansicht des neuen Munch-Museums in Oslo, das im Herbst 2021 eröffnet werden soll. Wegen seiner besonderen Form wird das Gebäude auch Lambda genannt.
Die Blechfassade des neuen Munch-Museums besteht aus recyceltem Material.© dpa
Ein richtiges Kulturzentrum sei entstanden, denn in Norwegen habe eine Kulturinstitution wie das Munch-Museum eine immense nationale Bedeutung, sagt Bernau:
"Es gibt eine ganz hervorragende Bibliothek und einen Kinderspielplatz zum Austoben. Es sind überhaupt die ganzen öffentlichen Bereiche im Planungsprozess viel größer geworden, als sie noch in einem Wettbewerb von vor über zehn Jahren waren."

Form mit Signalwirkung

Mit der äußeren abgewinkelten Form des Baus hätten die Architekten versucht, eine Signalwirkung innerhalb dieses von Hochhäusern geprägten Hafenviertels von Oslo zu erzielen.
Glasüberdachte Ausstellungsfläche im neuen Munch-Museum in Oslo 
Glasüberdachte Ausstellungsetage im neuen Munch-Museum in Oslo © Munch-Museet / Einar Aslaksen
Das Museum sei auch ökologisch eine Sensation, so Bernau. Viele Teile bestünden aus recyceltem Material, etwa die gelochte Blechfassade:
"Da wird mit modernen Baukonstruktionen gearbeitet, die ganz leicht sind, und versucht, maximal viel Materialien aus der Region einzusetzen – Aspekte, die erst in den letzten zwei, drei Jahren überhaupt in der Kulturbau-Debatte hochkommen und die in Oslo eben jetzt schon umgesetzt werden."

Berühmtes neu gezeigt

Das Museum mit seinem "immensen Schatz an Material" zeige Munchs Werke in einer großen Ebene: "Da werden die großen Themen von Munch durchdekliniert: Liebe, Sex, Tod, Verlassenheit.
Auch die Präsentation von Munchs berühmtesten Motiv "Der Schrei" sei phänomenal, sagt Bernau. In einer Art dunkler Kapelle würden drei Fassungen gezeigt, aber durch Schiebetüren könne man immer nur eine Variante sehen: "Sonst waren die einfach nebeneinander in dem alten Museum – und dann ist man da so daran vorbeipromeniert und hat sich ein bisschen gefragt, wieso das so berühmt war."

Museum für alle

Dass der Museumsbau im neoliberalen Hafenviertel untergebracht wurde, sei lange umstritten gewesen. Denn Wohnungen und "die besten Büros von Oslo" seien dort für normale Norweger unerschwinglich. Doch Norwegen habe eine typische Reaktion auf Eliteinstitutionen:
"Man hat ihnen direkt davor eine Institution gesetzt, in die wirklich jeder hinein kann. So wie man auf das Dach der Oper eben einfach drauflaufen kann, kann man in dem neuen Munch-Museum oben auf eine Dachterrasse fahren, kostenlos und sich die ganze Stadt ansehen."
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