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Zeitfragen | Beitrag vom 24.09.2019

Monokulturen und UmweltverschmutzungDie Schattenseiten der Palmölindustrie in Kolumbien

Von Sophia Boddenberg

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Früchte der Ölpalme (picture alliance / dpa / Sijori Images / ZUMA Wire)
Steckt in etwa jedem zweiten Supermarktprodukt: Das Öl aus den Früchten der Ölpalme. (picture alliance / dpa / Sijori Images / ZUMA Wire)

Ob in Zahnpaste, dem Lippenstift oder Schokoriegeln - Palmöl ist allgegenwärtig. Die Produktion zerstört den Regenwald, dennoch setzt Kolumbien auf den Rohstoff.

José Rivera fährt mit seinem roten Motorrad durch die Gemeinde María La Baja an der kolumbianischen Karibikküste. Auf beiden Seiten der Straße: Palmöl-Plantagen, so weit das Auge reicht. Dazwischen erscheinen hin und wieder ein paar kleine Häuser. Eine Gemeinde eingekreist von Ölpalmen. Selbst wenn der Ort es möchte, könnte er sich nicht vergrößern. "Die Bewohner müssen kilometerweit laufen, um ein Stück Land zu finden, wo keine Palmen sind, um etwas für die eigene Versorgung anzubauen", sagt Rivera.

Sauberes Trinkwasser ist Mangelware

Der 45-Jährige ist einer der wenigen in María La Baja, die ihr Land nicht an Palmöl-Unternehmer verkauft oder verpachtet haben. Rivera macht einen kurzen Zwischenstopp am Staudamm Matuya. Eine Frau füllt Wasser in Kanister, mit denen sie anschließend mehrere Kilometer zurück in ihre Gemeinde laufen muss. Viele Orte haben keine Kanalisation und kein sauberes Trinkwasser.

(Deutschlandradio / Sophia Boddenberg)Trinkwasser ist Mangelware: Eine Frau füllt Wasser in Kanister am Stausee Matuya in Maria La Baja. (Deutschlandradio / Sophia Boddenberg)

Der Staudamm ist Teil eines Bewässerungssystems, das in den 60er-Jahren für die Landwirtschaft der Kleinbauern gebaut wurde. Das System bewässert etwa 20.000 Hektar Land, von denen mittlerweile über 80 Prozent mit Ölpalmen bepflanzt sind. Die Bevölkerung hingegen hat nicht genug Wasser, um sich zu waschen, zu kochen und um Nahrungsmittel anzupflanzen.

Palmölindustrie als Arbeitgeber mit niedrigen Löhnen

Das Wasser in María La Baja sei nicht nur knapp, sondern auch giftig, sagt Rivera. Er wirft den Palmöl-Produzenten vor, dass sie die Abwässer der Plantagen und Fabriken in die Kanäle leiten. Ihnen gehe es nur um Profit. Sieben Kinder seien aufgrund von Darmkrankheiten gestorben. "Die Verschmutzung des Wassers wirkt sich auch auf die Fische aus und das nimmt den Menschen ihre Lebensgrundlage", so der 45-Jährige. Da sich die vergifteten Fische nicht verkaufen lassen, werde den Gemeinden die Möglichkeit genommen, eigenes Einkommen zu generieren. Ein Teufelskreis entstehe: Die Menschen in der Region könnten weder vom Fischfang leben noch eigene Lebensmittel anbauen, weil sie kein Land haben. "Es bleibt nur, als billige Arbeitskraft für die Palmölindustrie zu arbeiten."

(Deutschlandradio / Sophia Boddenberg)Palmöl Fabrik des Unternehmens Oleoflores in María La Baja (Deutschlandradio / Sophia Boddenberg)

José Rivera ist nicht nur Kleinbauer, sondern auch "Líder Social". Er und sein Freund Jorge Moreno, 37 Jahre, gehören einer Organisation an, die sich für die Rechte der vertriebenen Landbevölkerung einsetzt. In María La Baja haben Paramilitärs in den 90er- und 2000er-Jahren Tausende Bauern von ihren Ländereien vertrieben. Rivera und Moreno heißen eigentlich anders, aber sie müssen ihre Identität schützen. Sie meinen, dass die die Palmölproduzenten für die Vertreibungen verantwortlich sind.

Die Plantagen gefährdeten nicht nur die Gesundheit der Bevölkerung, sondern auch die Biodiversität, so Moreno. Er lehnt die großen Plantagen mit Monokulturen ab: "Wir setzen uns für den Anbau von nicht nur einem Produkt, sondern von vielen Produkten ein, für diversifizierte und ökologische Landwirtschaft."

Tropischer Regenwald verschwindet

Statt Ölpalmen sollten Bauern weiter traditionelle Produkte anbauen, wie zum Beispiel Yuka, Bananen, Mais und Kartoffeln. Dem Humboldt-Institut zufolge ist Kolumbien das Land mit der weltweit zweitgrößten biologischen Vielfalt. Aber diese verringere sich jährlich im Durchschnitt um fast ein Fünftel. Grund dafür: die industrielle Land- und Viehwirtschaft. Ein besonders artenreiches Ökosystem ist der tropische Trockenwald in der kolumbianischen Karibik. Doch die Fülle an Pflanzen und Tieren ist bedroht: Vom ursprünglichen Wald sind nur noch acht Prozent übriggeblieben.

(Deutschlandradio / Sophia Boddenberg)Monokulturen statt traditionelle Landwirtschaft: Früchte der Ölpalme. (Deutschlandradio / Sophia Boddenberg)

Deshalb hat die Biologin Gina Rodriguez eine Organisation gegründet, die sich für den Schutz der Ökosysteme einsetzt. Die größte Gefahr für den Wald sei die Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzflächen. "Die Böden hier sind sehr fruchtbar, deshalb wird viel Wald abgeholzt." Das passiere nicht nur für die Ölpalmen, sondern auch für andere, kommerziell wichtige Pflanzen. "Aber die die Ölpalme hat hier in der Karibik eine wichtige Rolle gespielt als Gefahr für den Trockenwald", so die Biologin.

Kolumbien setzt auf Palmöl

Im Gegensatz zu anderen landwirtschaftlichen Sektoren wird die Palmölindustrie von der kolumbianischen Regierung subventioniert. Denn die weltweite Nachfrage nach Palmöl boomt. Das Öl wir nicht nur in Nahrungsmitteln und Kosmetikprodukten eingesetzt, sondern auch als Biokraftstoff. Kolumbien ist der wichtigste Palmölproduzent Lateinamerikas und der viertgrößte der Welt.

In einem Glashochhaus der Hauptstadt Bogotá arbeitet Felipe García. Er ist beim Palmöl-Unternehmerverband Fedplama für den Bereich "Nachhaltige Entwicklung" zuständig. Sein Job: Das schlechte Image seines Industriezweigs aufzubessern. García beteuert, dass in Kolumbien keine Wälder für die Ölpalm-Plantagen abgeholzt werden, so wie in Malaysia und Indonesien. Die Geschichte in Kolumbien sei eine andere. "Die Palmen werden in Regionen angepflanzt, die bereits vorher für Landwirtschaft oder Viehzucht genutzt wurden. Dort, wo es den Bauern nicht gut ging, weil ihre Produktion nicht rentabel war", sagt García. Die Bauern seien zur Palme gewechselt, die ihnen ein "würdevolles Leben" ermögliche.

Fedepalma versucht, das kolumbianische Palmöl als "nachhaltiges Palmöl" zu vermarkten. Damit das Wort "Nachhaltigkeit" zu mehr als einem Werbe-Slogan wird, ist in Kolumbien aber noch viel zu tun.

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