Freitag, 20.09.2019
 

Tonart | Beitrag vom 21.08.2019

Molchat Doma auf dem Pop-Kultur FestivalDer Klang der Plattenbauten

Egor Shkutko im Gespräch mit Dirk Schneider

Beitrag hören
Die drei Musiker von Molchat Doma stehen nebeneinander, hinter ihnen befindet sich ein Berliner Altbau.  (Detriti Records)
Die Band Molchat Doma veröffentlicht bei einem Berliner Label, ihr letztes Berlin-Konzert war ausverkauft – und auch dieses Bandfoto wurde in Berlin aufgenommen. (Detriti Records)

Auf dem Festival Pop-Kultur in Berlin stellen sich junge Bands vor, darunter Molchat Doma aus Weißrussland. Das New-Wave-Trio kennt die Sowjetunion nur aus Büchern. Die Vergangenheit sei aber immer noch präsent, sagt Sänger Egor Shkutko.

Musikalisch hört man eher selten etwas aus Weißrussland. Im Rahmen des Pop-Kultur Festivals bietet sich an diesem Mittwoch die Möglichkeit, eine belarussische Band zu entdecken. Die jungen Musiker von Molchat Doma aus Minsk treten im Frannz Club in Berlin auf. 

Maltschát Damá ist ein Trio: Gesang, Bass, Synthesizer. Die Drums kommen von der Maschine. Der Sound von Molchat Doma sei nicht neu und erinnere stark an New-Wave-Bands der frühen 80er-Jahre, sagt Dirk Schneider. Aber wie die drei Musiker mit diesem Sound umgehen, das sei wirklich beeindruckend. Die Texte seien düster und sehr lyrisch.

Proben in alten Fabriken 

Der Bandname Molchat Doma bedeutet übersetzt "Die Häuser schweigen": Die Musiker beziehen sich damit explizit auf die endlosen Plattenbausiedlungen von Minsk. "Wir leben alle in Plattenbauten", erzählt Egor Shkutko, der Sänger von Molchat Doma. "Wir schreiben unsere Musik genau in diesen Häusern. Wir proben in alten Fabriken, die ihre Räume zum Proben zur Verfügung stellen." Dort bekämen sie auch ihre Inspiration.

Egor Shkutko ist 23 Jahre alt und gehört damit einer Generation an, die die Sowjetunion nur noch aus den Geschichtsbüchern kennt. Die Vergangenheit sei aber noch immer präsent, sagt er: "Wir leben in einem Land, in dem die Sowjetunion noch immer besteht. Vor allem der Stil der Gebäude aus dieser Zeit und in gewisser Hinsicht auch die Einwohner, die immer noch diese Zeit leben."

Die jungen Menschen in Weißrussland bewege Verschiedenes, aber vor allem "wie sie in diesem Land überleben sollen", sagt Shkutko. Politik thematisiert er nicht in seinen Texten. Er will die eigene Musik auch nicht als politisches Statement verstanden wissen: Musik und Politik seien zwei verschiedene Kulturen.

Fans in Europa und den USA

Bisher haben Molchat Doma zwei Alben veröffentlicht: Ihre Musik erscheint bei dem Berliner Label Detriti Records. Ein Konzert der Band in der Berliner Berghain-Kantine im April war ausverkauft. Ihr Publikum befinde sich eher außerhalb Weißrusslands, vor allem in anderen Ländern Europas und in den USA, sagt Shkutko. "Schneller und besser wurde unsere Musik hier aufgenommen. Es ist schwer, das zu erklären – oder zu sagen, warum das so ist."

(jfr)

Tonart

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur