Sonntag, 19.08.2018
 

Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 18.12.2017

Modellversuch an SchulenMit Sandwesten gegen ADHS?

Moderation: Anke Schaefer

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(picture alliance/dpa/Julian Stratenschulte)
Viele Kinder mit Konzentrationsschwäche leiden sehr unter ihrem Problem. Ob Sandwesten - wie an Hamburger Schulen - wirklich helfen, ist umstritten. (picture alliance/dpa/Julian Stratenschulte)

Schwere Sandwesten sollen Schulkindern zu mehr Ruhe und Konzentration verhelfen. Kann das funktionieren - oder stigmatisiert das die Kinder im Unterricht? Wir diskutieren das Thema mit Studiogast Liane Bednarz und mit Angela Ehlers, Bundesvorsitzende des Verbandes Sonderpädagogik.

Mit Sand gegen ADHS: 13 Hamburger Schulen mit Inklusionsklassen testen den Einsatz von kiloschweren Sandwesten im Unterricht. Sie sollen dazu beitragen, Kindern, die unter dem Aufmerksamkeits-und Hyperaktivitätssyndrom ADHS leiden, zu einem besseren Körpergefühl und damit zu besserem Konzentrationsvermögen zu verhelfen. Kluge Idee oder kritikwürdige Stigmatisierung der Kinder und eine pädagogische Bankrotterklärung?

Angela Ehlers, Vorsitzende des Verbandes Sonderpädagogik, meint, diese Art von Westen sei schon an verschiedenen Schulen einige Zeit lang in Gebrauch. Dennoch:

"Es stimmt schon, dass die Kritik berechtigt ist, dass es keine Evaluierung dazu gibt, keine Langzeitstudien und keine wirkliche Evidenzstudie dazu, wie diese Westen wirken."

Alles, was Ruhe bringt, ist geeignet

Auf der anderen Seite könne man jedoch nicht sagen, dass die Kinder zu etwas gezwungen würden - jedes Kind könne freiwillig entscheiden, ob es eine mit Sand gefüllte Weste tragen wolle  - so wie Kinder zum Beispiel auch Kopfhörer oder Sitzbälle nutzen könnten, wenn sie dies wollten. Da eine starke körperliche Unruhe oder Bewegung schwierig mit konzentriertem Betrachten oder Lesen vereinbar sei, seien Methoden geeignet, die den Kindern ihren Körper bewusst machten. Die Sandwesten gehörten dazu.

Man solle sich davor hüten, in diesem Zusammenhang sofort "von einer Bankrotterklärung der Inklusion zu sprechen".

Die Juristin und Publizistin Liane Bednarz  (picture alliance / dpa / Horst Galuschka)Die Juristin und Publizistin Liane Bednarz (picture alliance / dpa / Horst Galuschka)

Die Publizistin Liane Bednarz dagegen befürchtet, dass sich die Kinder - trotz Freiwilligkeit bei den Sandwesten - vielleicht doch einem Gruppendruck ausgesetzt fühlen, die Westen zu tragen.

"Ich weiß nicht, ob die Kinder, gerade wenn sie klein sind, die Entscheidungsreife haben, zu beurteilen, ob sie das jetzt anziehen sollen oder nicht."

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