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Im Gespräch | Beitrag vom 03.03.2021

Modedesignerin Ute LindnerExklusiv statt Exquisit

Moderation: Britta Bürger

Porträtaufnahme der Modedesignerin Ute Lindner (Jana Lyons)
Ute Lindner macht Mode für einen treuen Kundenkreis und pflegt zudem das Andenken an das Modedesign der DDR. (Jana Lyons)

Ihre Karriere schien vorgezeichnet: Ute Lindner sollte bei Exquisit, dem Edel-Label der DDR, Kleider entwerfen. Dann kamen die Wende und die Härten der Selbständigkeit. Heute macht Ute Lindner Mode für einen exklusiven Kundenkreis.

Sehr privilegiert waren sie damals, "wir Modeleute der DDR", erinnert sich die Modedesignerin Ute Lindner. Schon als Studentin durfte sie unter Verschluss gehaltene Modezeitschriften aus dem Westen einsehen. Die Modemacher der DDR sollten auf dem neusten Stand sein, wünschte die Führung.

In den 80er-Jahren gehörte Ute Lindner zu einer kleinen, handverlesenen Schar von Studierenden, die an der Kunsthochschule Weißensee Modedesign lernten. Ihr Ziel: Bei Exquisit, der Edelmarke der DDR, Kleider entwerfen. Modedesigner, das sei ein exotischer Beruf in der DDR gewesen, aber "ein sehr angesehener".

Chiffon-Kleid von der Dorfschneiderin

Der Weg in diese besondere Welt war für Ute Lindner kein leichter. Aufgewachsen ist sie auf dem Dorf in Brandenburg – eine wenig inspirierende Umgebung. Doch Mutter und Oma waren modebewusst: Zur Jugendweihe gab es ein wunderschönes Chiffon-Kleid für Ute aus der Werkstatt der Dorfschneiderin.

Ute Lindner wollte schon als Kind Mode zum Beruf machen, wusste aber nicht wie. Also begann sie ein Dolmetscherstudium in Ostberlin: Französisch und Spanisch, "nichtsozialistische Sprachen". Schnell wurde ihr klar, dass sie damit "in die Gefilde der Staatssicherheit" geraten würde. IM zu werden war nicht ihr Ding, sie brach das Studium ab.

Mission Mode

Es folgte Maloche als Akkordnäherin in einer Textilfabrik, aber schließlich schaffte Ute Lindner es doch auf die Kunsthochschule. Langlebige, tragbare Mode zu schaffen, "das war unsere Mission in der DDR". Und dazu durfte Lindner sogar einige Monate in der Modemetropole Paris lernen.

Dann kam die Wende, Exquisit wurde abgewickelt und Ute Lindner musste auf Jobsuche. Mit ihrem DDR-Diplom fand sie keine Anstellung. Also Selbständigkeit. Sie nahm Kredite auf, eröffnete Läden, in denen sie ihre Kollektion anbot. Doch Stress und wachsende Schulden setzten ihr zu, sie zog sich aufs Land zurück.

Atelier im Grünen

Heute hat Ute Lindner ein Atelier in ihrem Privathaus in Panketal vor den Toren Berlins. Dort entwirft sie ihre Kollektionen, für die sie einen treuen Kundenstamm gefunden hat, exklusiv in Kleinserien. Ute Lindner fühlt sich wohl, ist angekommen.

Und sie pflegt das Andenken an das Modedesign der DDR: 2019 organisierte sie in Berlin eine Ausstellung mit dem Titel: "Zwischen Schein und Sein. Ostdeutsche Modegrafik 1960–1990". Kürzlich ist dazu ein Buch herausgekommen, das Vorwort schrieb ein Großer der Zunft: Wolfgang Joop.

(pag)

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