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Elektronische Welten / Archiv | Beitrag vom 10.06.2014

MobilitätHightech im Fahrradschloss

GPS-, Bluetooth- und USB-Technik sollen besser vor Diebstahl schützen

Von Elmar Krämer

(picture-alliance / dpa / Daniel Karmann)
Sicherer durch Hightech? Fahrräder vor dem Campus-Gelände der Universität Bayreuth (picture-alliance / dpa / Daniel Karmann)

Es informiert seinen Besitzer, wenn ein Dieb an ihm sägt und schlägt Alarm, wenn es aufgebrochen werden soll. Zwei Tüftler haben ein Fahrradschloss entwickelt, das mit GPS- und USB-Technik mehr Sicherheit bieten soll. Der Preis hat sich allerdings gewaschen.

Franz Salzmann: "Das Schlimmste für mich war immer, dass ich gedacht habe: Vor meinem Haus haben sie mir mein Fahrrad gestohlen, hätt ich es doch nur gehört, hätt ich es gewusst, hätte ich reagieren können. Ich glaube das ist es. Man wird sein Fahrrad nie zu 100 Prozent schützen können, das ist leider so. Diebe sind extrem unangenehm und kreativ, aber wir können unser Bestes tun, dass wir es verhindern."                                                                                 

2012 sitzen Franz Salzmann und Daniel Zajarias-Fainsod in Oxford beim Kaffee zusammen, der eine ist BWLer, der anderer Ingenieur, und beiden wurde kurz zuvor ein Fahrrad gestohlen.

Oxford ist wie Berlin, Amsterdam und die meisten anderen Groß- und Universitätsstädte ein Pflaster, in dem der Fahrradverkehr zunimmt und damit auch die Diebstahlszahlen. Die beiden Studenten überlegen also, was sie dagegen tun können. Auf dem Tisch liegen ihre Smartphones – da muss es doch eine Möglichkeit geben, beides zu koppeln: Technik und Tretmühle:                                

Salzmann: "Wenn jemand sich am Schloss zu schaffen macht, das aufsägt, das Fahrrad wegtragen will, das ganze vereist oder abschweißen möchte, in jedem Fall ein ganz lauter Alarm losgeht und das Schloss eine SMS an dein Handy schickt, dass du schnell reagieren kannst."                    

Der Gedanke, moderne Technik zur Fahrradsicherung einzusetzen, lässt die beiden nicht mehr los. Zwei Jahre ist es jetzt her, seit sie anfingen, ihr "Lock8" zu entwickeln. Jetzt ist es am Fahrrad von Franz Salzmann befestigt. Ein schwarzer dreieckiger Kasten mit zwei runden Öffnungen, in die die unterschiedlich langen Schlosskabel in den Kasten eingeführt werden. Der Kasten ist das Herzstück des Systems.           

Verbunden via GPS, Bluetooth und Internet

Salzmann: "Das montierst Du über vier Schrauben. Du hast eine Klammer, die Du am Hinterrahmen festmachst. Auf dieser Klammer hast Du eine Rutsche. Auf diese Rutsche schiebst Du die Box, die die Elektronik beinhaltet, die Lock-8-Box, und die sperrt sich elektronisch über einen Servo, der mit dem Handy bedient wird, ab. Das heißt, am Ende sind die Schauben verdeckt, du kannst nicht mehr auf die Schraubenköpfe zugreifen und kannst das Schloss nur noch über Dein Handy auf- und zusperren."

Der Tüftler ist sichtlich stolz auf den kleinen Kasten, spricht von einem "connected device" mit der technischen Komplexität eines iPhones. Denn der Kasten verbindet das Schloss nicht nur mit dem Internet, dem GPS und auch in geschlossenen Räumen über Bluetooth mit dem Handy, sondern er beinhaltet auch viel Technik, die direkt den Dieben das Leben schwer machen soll:  

Salzmann: "Wir haben drinnen einen Vibrationsdetektor. Das heißt, wenn man draufschlägt, wenn man daran sägt, dann geht durch den Vibrationsdetektor der Alarm an. Wir haben einen Bewegungsmelder, das heißt, wenn Du es bewegst, dann geht auch der Alarm an. Wir haben einen Temperatursensor – wenn es vereist wird oder die Klammer abgeschweißt, dann geht ebenfalls der Alarm an. Das Kabel ist verdrahtet. Wenn du es durchschneidest, dann geht ebenfalls der Alarm an." 

Alarmmiteilung mit Freunden teilen

 Auf dem Handy und der entsprechenden App erfolgt dann ein Alarm und das Display zeigt auf einer Straßenkarte den Standort des Fahrrads an – und gegebenenfalls lässt sich auch verfolgen, welche Strecke der Dieb mit dem Fahrrad zurücklegt, falls er es tatsächlich geschafft hat, dass Schloss zu öffnen. Der Alarm kann auch an eine "Community" weitergeleitet werden, wie Franz Salzmann sagt:              

Salzmann: "Meine Alarmmitteilung kann ich auch mit Freunden teilen. Das kann ich voreinstellen, sodass andere auch die Alarmmitteilung bekommen. Wenn ich gerade nicht am Arbeitsplatz bin, mein Fahrrad aber vor dem Büro geparkt ist, kann ich meinen Kollegen den Alarm weiterleiten, sodass immer jemand, der in der Nähe des Fahrrads ist auch die Alarmmitteilung bekommen kann." 

Bei einem internationalen Start-up-Wettbewerb werden die beiden Tüftler für ihr "Lock 8" im Jahre 2013 ausgezeichnet – Interessenten und Investoren gehen auf sie zu. Mittlerweile ist das Schloss marktreif und wird in Serie produziert. 250 Euro kostet das Hightechschloss. Das ist natürlich sehr teuer. Darauf angesprochen verweist der Erfinder auf den zweiten Einsatzbereich des Geräts:                                

Salzmann: "Mit der App mit der man das Schloss auf- und zumacht, kann man nämlich auch seinen elektronischen Fahrradschlüssel privat oder über Facebook oder unsere App verleihen, das heißt, ich kann Geld verdienen, indem ich mein Fahrrad vermiete. Das heißt, ich kann E-Bikes, ich kann City-Bikes, Mountain-Bikes alle vernetzen und in diese sogenannte Sharing-Economy einfließen lassen. Und hier entwickeln wir wirklich tagtäglich neue Ideen und die Grenzen der Kreativität sind hier endlos."     

Gerät lädt sich selbst wieder auf

 Auch die Frage der Stromversorgung konnten die beiden Tüftler lösen: Über Induktionsstrom lädt sich das Gerät bei der Fahrt selbst wieder auf. Und auch, wenn der Akku des Handys einmal leer ist, ist es möglich, das Schloss zu öffnen – mit einem mitgelieferten USB-Schlüssel.

Klingt nach der eierlegenden Wollmilchsau der Fahrradsicherungstechnik und die Augen von Franz Salzmann fangen an zu leuchten, wenn er über die Zukunft und Einsatzmöglichkeiten für sein "Lock 8" nachdenkt. Nur zum Radfahren kommt er derzeit kaum:                  
 
"Ich pendle echt viel zwischen Oxford, Wien und Berlin."                                   

Und das macht sich dann doch mit dem Flugzeug besser.                       

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