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Konzert / Archiv | Beitrag vom 27.04.2021

Mitglieder vom Deutschen Symphonie-Orchester BerlinKammermusik in bunter Vielfalt

Moderation: Volker Michael

Der Komponist Robert Schumann steht neben seiner Ehefrau, der Pianistin und Komponistin Clara Schumann, sie sitzt am Klavier, er schaut sie an, sie schaut beiseite und scheint den Klängen nachzulauschen. (imago images / Leemage)
Clara Schumann spielte auf ihren Touren unglaublich viel Kammermusik und komponierte auch solche. (imago images / Leemage)

Ein erlesenes Kammermusik-Programm präsentierten Mitglieder vom Deutschen Symphonie-Orchester Berlin. Werke der Jubilare Astor Piazzolla und Camille Saint-Saëns trafen auf das Oboenquintett von Mozart und das hochromantische Trio Clara Schumanns.

Was tun Orchestermusikerinnen und Musiker am liebsten? Kammermusik spielen, nur haben sie dazu im normalen Konzertalltag nicht so oft die Gelegenheit. Der Dauer-Ausnahmezustand im Musikbereich macht es aber derzeit immer wieder möglich, dass die Mitglieder der Orchester und Chöre, die uns eng verbunden sind, ihrem liebsten Hobby im Rahmen des Berufs nachgehen können.

Besonderes von den Jubilaren

Musikerinnen und Musiker aus dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin spielen gemeinsam mit Gästen Werke von Clara Schumann, Camille Saint-Saëns, Wolfgang Amadeus Mozart und Astor Piazzolla. Die Mischung ist perfekt, was die Besetzungen und auch was die Bekanntheit der Musik angeht. Zwei Jubilare des Jahres 2021 erscheinen im Programm. Zum Schluss gibt es zwei Stücke von Astor Piazzolla, arrangiert für Streichquintett. Piazzolla wurde vor 100 Jahren in Buenos Aires geboren.

Ein Mann mit Bart blickt seitlich am Betrachter vorbei  (IMAGO/Leemage)Der Komponist Camille Saint-Saëns auf einem Stich von 1883 (IMAGO/Leemage)

Ebenso gibt es das Quintett für Klavier und Bläser KV 452 von Wolfgang Amadeus Mozart. Genauso wichtig ist die Rolle des Klaviers im Septett Es-Dur op. 65 von Camille Saint-Saëns. Der französische Komponist ist vor einhundert Jahren während einer Reise in Algerien hochbetagt gestorben. Auch dieses Septett ist originell, ein bisschen ironisch und dann wieder tiefschürfend, so wie auch das berühmteste Stück Saint-Saëns‘, der Karneval der Tiere. 

"Weibisch sentimental"

Wir beginnen aber dieses Kammermusikprogramm mit dem Klaviertrio op. 17 von Clara Schumann, in einer schwierigen Zeit des Ehelebens mit Robert komponiert. Die erfolgreiche Pianistin musste den Familienunterhalt verdienen, zum Komponieren blieb ihr nie genug Zeit.

Und wenn dann ein Stück aus ihrer Feder erklang, suchten natürlich alle den Vergleich mit der Musik ihres Mannes. Ein Glück hatte der noch kein Trio komponiert, als Clara Schumann ihren Gattungsbeitrag leistete. Später fand sie ihre Musik selbst "weibisch sentimental" - wie sie zu diesem Urteil gekommen ist, ist rätselhaft, denn das Trio ist geradezu klassisch unsentimental.

Septett für "die Trompete"

Am 16. Dezember 2021 wird dem 100. Todestag von Camille Saint-Saëns gedacht. Sein Septett für Klavier, Streicher und Trompete komponierte er 1880. Ein sehr originelles und vielfältiges Stück. Äußerlich scheint der Komponist weit zurückzublicken in die Vergangenheit, um sich von der erdrückenden deutsch-österreichisch-dominierten Musikgegenwart zu lösen – von Brahms und Wagner, von Robert Schumann und Liszt.

Und auch stilistisch ist es überraschend, denn der Auftraggeber war eine Musikgesellschaft in Paris, die schlicht "die Trompete" hieß. Und so ist das Blasinstrument in dieses Sextett für Klavier und Streichern inklusive Kontrabass integriert.

Quintett für die Oboe

Mozart hat sein Oboenquintett während einer besonders erfolgreichen Phase seines Lebens komponiert - 1784 in Wien. Einige neuartige Klavierkonzerte schrieb er zur selben Zeit, und immer spielten dabei die Blasinstrumente eine wichtige Rolle. Das lag auch daran, dass er in Wien bedeutende Bläser-Virtuosen kennen gelernt hatte.

Die Oboistin steht mit ihrem Instrument in einer romantischen Waldlandschaft. (Viola Wilmsen / Timm Kölln)Viola Wilmsen spielte zu Beginn Trompete, bevor sie sich für die herrlich lyrische Oboe entschied. (Viola Wilmsen / Timm Kölln)

Allen voran den Klarinettisten Anton Stadler, oder den Oboisten Georg Triebensee, der Leiter der kaiserlichen Harmoniemusik, also der Hofblaskapelle war. Und auch die Gestaltung der drei Sätze ist nicht so gewöhnlich, bekommt doch der langsam-lyrische Mittelsatz ein besonderes Gewicht - es ist von ausnehmend ergreifender Schönheit. In unserer Sendung gibt Solo-Oboistin Viola Wilmsen Auskunft über das besondere Quintett.

Ein Walzer von Piazzolla

Ein einschneidendes Erlebnis hatte Astor Piazzolla in Paris: Zu sich selbst und seinem originären musikalischen Weg fand er erst nach der Begegnung mit Nadja Boulanger. Sie hatte ihm gesagt, dass der Tango sein Stil sei, er müsse keine Sinfonien oder Sonaten schreiben, um wie Ravel oder Bartók zu klingen.

Zwei ursprünglich wirkliche Tango bzw. Walzer-Lieder, mit und ohne Text, erklingen zum Abschluss dieses Kammerkonzerts. Allerdings werden Sie auf das Bandoneon verzichten. Ander Perrino, Solo-Kontrabassist des DSO Berlin, hat sie für Streichquintett bearbeitet - passend zum Jubiläumsjahr Piazzolas, dessen Geburtstag sich am 11. März 2021 zum 100. Mal jährt. 

Großer Sendesaal im Berliner Haus des Rundfunks
Aufzeichnung vom 18. April 2021

Clara Schumann
Klaviertrio g-Moll op. 17

Camille Saint-Saëns
Septett Es-Dur op. 65

Wolfgang Amadeus Mozart
Quintett für Blasinstrumente und Klavier Es-Dur KV 452

Astor Piazzolla
"Chiquillín de Bachín"
"Fuga y Misterio" für Streichquintett, arrangiert von Ander Perrino

Mitglieder und Gäste des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin:
Viola Wilmsen, Oboe
Stephan Mörth, Klarinette
Karoline Zurl, Fagott
Bora Demir, Horn
Raphael Mentzen, Trompete
Olga Polonsky, Byol Kang und Kamila Glass, Violine
Eve Wickert, Viola
Leslie Riva-Ruppert und Mischa Meyer, Violoncello
Ander Perrino, Kontrabass
Anna Kirichenko und Jonathan Aner, Klavier

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