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Konzert | Beitrag vom 27.06.2020

Mitglieder der Staatskapelle Weimar auf Schloss EttersburgRomantischer Schönklang auf dem Schloss

Moderation: Stefan Lang

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Das gelbe Barockschloss auf einem Hügel mit großer Freitreppe, die von alten Bäumen umgeben ist. (imago images / Karina Hessland)
Auf Schloss Ettersburg hat schon Johann Sebastian Bach musiziert. (imago images / Karina Hessland)

Sie waren Verfechter des schönen Klangs, fern aller experimentellen Musik der jungen Generation. Mendelssohn Bartholdy war Erfinder der schönsten Melodien, ein Vorbild für Max Bruch. Und auch Ernst von Dohnányi mochte nur atmosphärische Musik komponieren.

Dieses Konzertprogramm hat sich ganz der spätromantischen Klangfülle verschrieben. Ausgangspunkt war die Leidenschaft der Pianistin Sofia Gülbadamova für die Musik des ungarischen Komponisten Ernst von Dohnányi. 

Die Pianistin sitzt an einem Flügel vor rotem Vorhang. Dabei hat sie einen Arm auf das Notenpult gestütz. (Sofja Gülbadamova / Marius Doltu)Sofja Gülbadamova hat auch die Klavierkonzerte von Ernst von Dohnányi mit Deutschlandfunk Kultur eingespielt. (Sofja Gülbadamova / Marius Doltu)

Dohnányi, ein brillanter Pianist, wurde 1877 geboren und zählt zusammen mit den Kollegen Bartók und Kodály zum großen Dreigestirn der ungarischen Musik. Er hatte an der Ungarischen Musikakademie studiert, lehrte schließlich am Institut selbst. Große Reisen unternahm er als Beethoven-Interpret und Dirigent. Seine Werke wurden in seiner Zeit gern gespielt. Einige seiner 1905 entstanden Charakterstücke eröffnen den Abend. In diesen hat Dohnányi persönliche Erinnerungen eingewoben und gezielt Anklänge von Komponistenkollegen gesucht.

Wald und Liebe besungen

Den Abend führt Sayaka Shigeshima fort - sie ist seit 2012 Mitglied im Weimarer Opernensemble. Auch sie suchte sich für den heutigen Abend Musik eines unbekannten Romantikers aus: Lieder von Gustav Jenner, Zeitgenosse von Richard Strauss, der ebenfalls das romantische Idiom voll und ganz ausschöpfte. Er suchte sich zumeist hoch sehnsuchtsvolle Texte aus, die in der Natur verhaftet sind: der Wald wird besungen, die Nachtigall wird belauscht oder der Geliebten nachgehangen. 

Der Cellist der Weimarer Staatskapelle Alexandre Castro-Balbi hat Werke ausgesucht, in denen sein Instrument singen kann. Felix Mendelssohn Bartholdy kannte sich mit dem Cello aus - sein Bruder Paul hatte dieses Instrument für sich gewählt. Felix komponierte etliches für das größere Streichinstrument, auch einige "Lieder ohne Worte".

Porträt des Cellisten, der sein Instrument an die Schulter gelehnt hat. (Alexandre Castro-Balbi / Mariya Nesterovska)Alexandre Castro-Balbi studierte erst in Parin, dann in Weimar, und blieb. (Alexandre Castro-Balbi / Mariya Nesterovska)

Max Bruch war Verfechter des Schönen. Harmonische Experimente verfolgte er mit strenger Skepsis: "Der ärgste Mist wird gepriesen und das Gute wird einfach ignoriert. Sie schwimmen alle in einem Meer von ästhetischer Begriffsverwirrung – haben weder Melodie, noch Form, noch Schönheitssinn…". Seine Canzone belegt, wie sehr Max Bruch den Wohlklang in der Musik suchte.

Liebe verklärt

Ein komponierter Sonnenuntergang ist Ottorino Respighis "Il tramonto", eine Art Kantate, die auf den Text des Briten Percy Shelly zurückgeht. Hier taucht der Zuhörer ganz ins dramatische Sujet ein, denn hier wird der Liebestod zweier Liebender beschrieben. Respighi tastet in seiner Musik die verschiedenen Gefühlslagen ab: zart-leise Töne werden angeschlagen, bis hin zu großen leidenschaftlichen Ausbrüchen.

Irre Besetzung

Zuletzt noch einmal Musik von Ernst von Dohnányi. Er komponierte 1935 ein Sextett für eine ungewöhnliche Instrumentenkonstellation: ein Streichtrio wird von Klavier, Klarinette und Horn flankiert. Das Werk könnte man als komponierte Amerika-Reise hören. Dohnányi hatte die Nordamerika oft besucht, ließ sich schließlich auch in den Vereinigten Staaten, in Tallahassee/Florida, nieder.

Alte Fotographie des Komponisten, der in die Kamera schaut. (imago images / United Archives International)Ernst von Dohnányi im Jahr 1923. (imago images / United Archives International)

Er erinnert sich in der Musik an die Heimat Ungarn mit volkstümlichen Gesten – wie es die Kollegen Brahms und Liszt einst auch getan haben. Und doch werden frech immer wieder humoristische, ja amerikanische Momente darin verschränkt. Gerade im letzte Satz, einem giocoso, blitzen regelrechte Broadway-Passagen durch.

Live aus dem Gewehrsaal des Schlosses Ettersburg in Weimar

Ernst von Dohnányi
"Winterreigen" für Klavier op. 13:
Widmung, Freund Victor’s Mazurka und Morgengrauen

Gustav Jenner
Aus den Liedern op. 2 und op. 7:
Stille Sicherheit
Der Wald ist kahl
Die Nachtigall
An meiner Seite saßest du
Nur wer die Sehnsucht kennt
Es träumte mir
Die Nacht mit ihrem Frieden

Felix Mendelssohn Bartholdy
Lied ohne Worte op. 109 für Violoncello und Klavier

Max Bruch
Canzone für Violoncello und Klavier op. 55

Ottorino Respighi
"Il Tramonto" für Mezzosopran und Streicher
(Texte: Percy Shelley)

Ernst von Dohnányi
Sextett C-Dur op. 37

Sayaka Shigeshima, Mezzosopran
Sofja Gülbadamova, Klavier

Musiker der Staatskapelle Weimar:
Ursula Dehler, Violine
Barbara Seifert, Violine
Astrid Schütte, Violine
Almut Bormann, Viola
Jakob Tuchscheerer, Viola
Alexandre Castro-Balbi, Violoncello
Astrid Müller, Violoncello
Jan Doormann, Klarinette
Mees Vos, Horn

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