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Kompressor | Beitrag vom 25.01.2019

Mitbegründer über 20 Jahre CTM-Festival in BerlinVon Scheitern und Beharrlichkeit

Jan Rohlf im Gespräch mit Gesa Ufer

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Duo 700 Bliss sind die Künstlerinnen Moor Mother und DJ Haram aus den USA. Sie treten beim CTM-Festival 2019 in Berlin auf.  (700 Bliss)
Duo 700 Bliss sind die Künstlerinnen Moor Mother und DJ Haram aus den USA. (700 Bliss)

"Persistence", Beharrlichkeit, lautet das Motto des Berliner CTM-Festivals für abenteuerliche Musik und Kunst. Mitbegründer Jan Rohlf erklärt, was sich in diesem Jahr lohnt - wie das Künstlerinnen-Duo 700 Bliss aus den USA.

Was vor 20 Jahren als kleiner experimenteller Musik-Teil der Berliner Transmediale begann, ist inzwischen das wichtigste Festival für elektronische und experimentelle Musik Deutschlands - auch dank der Persistence, der Ausdauer, Hartnäckigkeit und Beharrlichkeit der Macher wie des Mitbegründers Jan Rohlf:

"Wir mögen es, Begriffe, die einem vertraut erscheinen, ein bisschen ins Kippen zu bringen. Und wenn man ein bisschen genauer über Beharrlichkeit nachdenkt, dann wird schnell klar, dass man das auch nicht nur positiv betrachten kann."

Die Arbeit für das Festival umschreibt er so: "Fortlaufendes Experimentieren, Ausprobieren, Denken in Hypothesen, wieder Verwerfen, Scheitern, wieder neu Anfangen, Beharren auf Veränderung."

Porträt der brasilianischen Musikerin Linn da Quebrada. (picture-alliance/ Mike Wolff / Tagesspiegel)Die brasilianische Musikerin Linn da Quebrada. (picture-alliance/ Mike Wolff / Tagesspiegel)

Mutige Stimme aus Brasilien: Linn da Quebrada

Das Programm steht für Offenheit, Diversität, Abenteuerlust und das Experimentieren. Eignet sich diese Musik als akustisches Rüstzeug für die Revolution? Beispielhaft für die Verbindung von Kunst, Politik und Ästhetik ist die in diesem Jahr auftretende brasilianische Künstlerin Linn da Quebradadie schon bei der letztjährigen Berlinale im Dokumentarfilm "Bixa Travesty" für Furore sorgte.

"Sie ist Rapperin, Poetin, Performerin", sagt Rohlf, "eine starke mutige Stimme in Brasilien für die Rechte der Queer- und Trans-Community, schwarzen Menschen, People of Colour, vor allem dafür, sich so zu zeigen, wie man sein will und dafür immer die Stimme zu erheben."

Sie habe sich bewusst für das Genre Funk carioca entschieden, dass eigentlich von Machismo und Sexismus geprägt ist, erklärt Rohlf:

"Das ist ein Genre, das ist ganz populär vor allem in den Favelas. Und sie hat sich genau dieses Genre angeeignet und um 180 Grad umgedreht und macht das zu ihrem Medium für ihre Themen und für die queere Community und das ist eine großartige, kraftvolle Geste, die überzeugt."

Schlittschuhlaufen im Berghain

Das CTM-Festival findet in Berlin an verschiedenen Orten wie dem Heimathafen Neukölln, dem Bethanien in Kreuzberg und dem Berghain in Mitte statt. Dort gibt es auch eine Eisbahn, wo man nach erlesener CTM-Musik Schlittschuhlaufen kann. Aus dem Programm empfiehlt Rohlf unter anderen die Künstlerinnen DJ Haram und Moor Mother aus den USA, die als Duo "700 Bliss" auftreten, und den Londoner Künstler Actress, der im Duett mit einer Künstlichen Intelligenz namens Young Paint avantgardistische Clubmusik aufführt.

Die Clubnächte tragen enigmatische Titel wie  "As if we had a Future", "... could share", "... were free". Dazu erklärt Jan Rohlf:

"Das mit den Titeln, das ist so ein Spiel. Wenn man sie hintereinander reiht ergeben sie eine Art Gedicht. Und es ist diese Frage: Woran glauben wir? Wozu brauchen wir Imagination? Ist das ein Motor, den wir haben müssen, egal wie düster die Zukunft gerade aussehen mag? Das ist offen."

(cosa)

Das CTM-Festival findet in Berlin vom 25.1. - 2.2.2019 statt. 

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