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Fazit / Archiv | Beitrag vom 05.10.2011

"Mit vollem Selbstbewusstsein"

Als Gastland der Frankfurter Buchmesse lädt Island zu einer literarischen Spurensuche ein

Halldor Gudmundsson zu Gast auf dem Blauen Sofa

Island ist Gastland der Frankfurter Buchmesse 2011. (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)
Island ist Gastland der Frankfurter Buchmesse 2011. (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)

Auf dem Höhepunkt der Banken- und Finanzkrise wäre Island 2009 fast bankrott gegangen. Arbeitslosigkeit und Schulden machen dem Inselstaat seitdem zu schaffen. Doch der Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse war nie in Frage gestellt, sagt Halldor Gudmundsson, der isländische Projektleiter, kurz vor Messebeginn.

So drastisch, wie es viele Isländer befürchtet hatten, ist es nach der Krise nicht nicht gekommen, doch die Arbeitslosigkeit befindet sich auf dem höchsten Stand seit 30 Jahren, und viele Isländer leiden unter eine drückenden Schuldenlast. Auf der Frankfurter Buchmesse aber soll davon nicht die Rede sein, denn Island möchte sich vor allem als Land der Literatur und einer Jahrhunderte alten Schriftkultur präsentieren. Halldor Gudmundsson:

"Im 13. Jahrhundert schrieben die Gelehrten im ganzen Norden auf Latein. Da wurde diese großartige Literatur, die Edda und die anderen Sagen, in der Muttersprache verfasst, in der Sprache, die damals die nordische Sprache war und im ganzen Norden, außer in Finnland, gesprochen wurde. Dass diese Literatur nur auf Isländisch aufgeschrieben wurde, und dann sogar in Manuskripten zum Beispiel nach Norwegen exportiert wurde, zeigt, dass wir hier mit gewissem Recht von einem Ursprung sprechen können."

So bestanden für die Projektleitung und auch für die isländische Regierung niemals Zweifel daran, den Gastauftritt in Frankfurt trotz Krise zu realisieren:

"Es gab niemals eine ernsthafte Diskussion darüber, dass das hier gestrichen werden soll. Ich glaube, die Leute haben es noch wichtiger als vorher genommen","

sagt Gudmundsson. Den Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse wolle man nun "mit vollem Selbstbewusstsein durchziehen", denn:

""Ob wir nun mehr oder weniger Einwohner haben: Wir müssen uns natürlich wie ein selbstständiges Land aufführen. Und das heißt natürlich auch, dass wir auf unsere Kultur stolz sind, und auf unsere Literatur, und die Literatur ist die einzige richtige Tradition, die wir haben."

Auch Juergen Boos, Messedirektor der Frankfurter Buchmesse, glaubt an die starke Anziehungskraft der isländischen Literatur und an die engen Bindungen, die zwischen der isländischen und der deutschen Literatur bestehen. Genauso sieht Boos aber auch die wirtschaftliche Bedeutung, die der Auftritt Islands in Frankfurt haben wird:

"Der Gastland-Auftritt hat ja nicht nur diese kulturelle Dimension, er ist auch wirtschaftlich wichtig für das jeweilige Land, aber auch für die deutschen Verleger: diese Kontakte und diese Übersetzungsförderung, die dahinter steht."


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