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Profil / Archiv | Beitrag vom 09.04.2013

Mit der Gitarre durch Europa

Der englische Musiker Thos Henley im Porträt

Von Anette Selg

Thos Henley tourt mit seiner Gitarre durch den Kontinent. (Jan-Martin Altgeld)
Thos Henley tourt mit seiner Gitarre durch den Kontinent. (Jan-Martin Altgeld)

Thos Henley, in einem kleinen Dorf in der Nähe von Southampton geboren, verließ nach seinem Regie-Studium England vor vier Jahren - und reist seitdem mit seiner Gitarre durch den Kontinent. Nun erschien die Debüt-CD des 25-Jährigen - mit elf selbst komponierten Songs.

Noch eine Stunde bis zum Konzert. Der 25-Jährige sitzt jetzt mit verknoteten Beinen auf dem Fußboden hinter der Bühne. Thos Henley hat ein freundliches rundes Gesicht, und die blonden Haare stecken unter einer schwarzen Wollmütze.

"Aufgewachsen bin ich mit Genesis, David Bowie und Pink Floyd. Und dann hab ich irgendwann erkannt, dass die Beatles die einzige Band sind, die man wirklich hören muss, und ich bin der Popmusik verfallen. Ich wollte Paul McCartney sein. Paul ist mein Mann. Absolut.

In einem Song wie ‚Golden slumbers‘, der grade einmal eine Minute lang ist, geht seine Stimme von ganz unten bis nach ganz oben und wieder zurück. Dafür liebe ich ihn. Er weiß mehr über Harmonien als jeder andere Popstar."

Vergangene Weihnachten war Thos Henley zum ersten Mal nach vier Jahren wieder in England, hat seine Eltern besucht, seine Freunde. Mit 21, nach seinem Regie-Studium in Winchester, war er von der Insel auf den Kontinent gezogen, mit seiner Gitarre im Gepäck und ein paar Büchern und Klamotten.

Thos Henley ist nach Paris gegangen und dann nach Griechenland, er hat Lieder komponiert und Straßenmusik gemacht. Und wo immer er war, hat sich der Musiker auf die Spuren seines anderen Idols gemacht - des englischen Reiseschriftstellers und Abenteurers Patrick Leigh Fermor.

"Tatsächlich kommt Paul erst an zweiter Stelle, hinter Patrick Leigh Fermor. Er ist mein Held. Für mich war er der faszinierendste Mensch, der je gelebt hat. Ich hatte noch nie von ihm gehört und dann kam ich in diesen kleinen Buchladen in WInchester, wo ich studierte und fand jedes einzelne seiner Bücher und ich hab sie verschlungen."

Thos Henley nimmt einen Schluck aus dem Bierglas, das vor ihm auf dem Boden steht.

"Mit 18 hat er London verlassen und wanderte von Holland - von ganz oben bis nach ganz unten - nach, wie er es nannte, Konstantinopel. Von dort reiste er auf den Berg Athos in Griechenland und dann bis zum Peloponnes. Verliebte sich in eine rumänische Prinzessin und lebte mit ihr in Rumänien, bis der Zweite Weltkrieg ausbrach.

Ich hab‘ dadurch ein Leben für mich entdeckt, zum ersten Mal. Es war wunderbar. Und in Europa sieht man die Dinge, die er sah. Auch wenn er 1934 dort war. Ich hab etwas über den Kölner Dom gelesen und hochgeschaut, und da war er. Ein großartiges Gefühl."

Vor einigen Monaten ist Thos Henley von Griechenland nach Dresden gezogen. Er wohnt dort gemeinsam mit seiner Freundin und einem Musikerkollegen – und ganz in der Nähe seines neuen Labels.

"Ich liebe Europa. Ich finde so viel Romantik in Europas Geschichte, auch heute noch. Romantik bedeutet für mich, dass man ein Land durchquert, über eine Grenze geht, und plötzlich in einem anderen Land ist.

All die verschiedenen Sprachen, die unterschiedliche Historie. Man muss einfach nur in eine kleine Bar in Dresden-Neustadt gehen, wo alle rauchen und es diese kleinen Lampen gibt mit ihrem goldenen Schimmer. Das bedeutet Romantik für mich."

Beim Dresdner Label "Kumpel&Friends" erscheint in diesem Frühjahr Henleys Debüt-CD "In Hearing Taste". Das Album hat er in nur zwei Wochen in einem Pariser Studio aufgenommen und hat dabei fast alle Instrumente selbst eingespielt.

In dem Titelsong singt Henley über eine blaue Tür in den Bergen Griechenlands, zu der er vor einigen Jahren gepilgert ist. Es war die Tür von Patrick Leigh Fermors Haus, doch der Musiker wurde nicht eingelassen. Der über 90-jährige Schriftsteller war damals bereits schwer erkrankt, wie Henley später erfahren hat.

"Und dann, als ich den Song im Studio aufnahm, hörte ich von seinem Tod. Als ich gerade die letzte Strophe beendet hatte. Ein Freund schickte mir eine SMS: Patrick Leigh Fermor ist gestorben. Naja, er war 96! Und ich singe von ihm im Präsens. Und ich hab‘ überlegt ob ich das ändern soll, aber damals war er noch am Leben, und ich hab‘ es gelassen."


"In Hearing Taste" von Thos Henley ist bei Kumpel&Friends in Dresden erschienen.

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