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Plus Eins | Beitrag vom 09.07.2021

Mit Covid-19 auf der Intensivstation"Ich hatte das Gefühl zu ersticken"

Moderation: Utz Dräger

Ausschnitt aus der vierteiligen Dokumentation "Charité intensiv: Station 43" mit  Andreas Krennmair, der von einer Intensivkrankenschwester betreut wird. (rbb / DOCDAYS Productions / Carl Gierstorfer)
Ausschnitt aus der vierteiligen Dokumentation "Charité intensiv: Station 43" mit dem Patienten Andreas Krennmair. (rbb / DOCDAYS Productions / Carl Gierstorfer)

Andreas Krennmair lag 20 Tage mit einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus. Lange war nicht klar, wie das ausgeht. Die Bilder von der Intensivstation verfolgen Krennmair bis heute.

Bis heute lassen Andreas Krennmair die Bilder nicht mehr los, die er auf der Intensivstation der Charité sah. Krennmair hatte sich mit Covid-19 infiziert und musste 20 Tage im Krankenhaus verbringen. Wo sich Krennmair infiziert hat, weiß der 37-Jährige nicht. Er weiß nur, dass er vor der Erkrankung nicht leichtsinnig war.

Die Sache ist gefährlich

Krennmair lebt mit seiner Frau in Berlin. Schon früh war dem Softwareentwickler klar, die Sache ist gefährlich. "Wir haben sehr schnell angefangen, Masken zu tragen", sagt Krennmair rückblickend. "Wir sind nicht mehr raus gegangen und haben die Einkäufe auf ein absolutes Minimum beschränkt."

Im Dezember bekam Krennmair eine leichte Grippe, wie er dachte. Zwischen Weihnachten und Neujahr ließ er sich testen und bekam die Nachricht, er habe sich mit Covid-19 infiziert. "Anfangs war ich nicht besorgt, weil ich mich nicht schlecht gefühlt habe. Ich musste nicht kämpfen beim Atmen", erzählt er.

Zur Sicherheit besorgte er sich ein Gerät, um den Blutsauerstoffgehalt zu messen. Bei der ersten Messung war er schockiert, weil es nur 90 Prozent anzeigte – normal seien 97 oder 98 Prozent. Wenige Tage später brach er zusammen, weil ihm vollkommen die Luft wegblieb.

Notaufnahme der Charité

"Ich musste mich hinsetzen, um Luft zu bekommen. Das ging einfach nicht." Der Sauerstoffgehalt im Blut lag bei 62 Prozent. Mit einem Rettungswagen wurde Krennmair in die Charité eingeliefert. Nachdem er in die Notaufnahme gebracht wurde, sprach ihn dort der Dokumentarfilmer Carl Gierstorfer an. 

Ausschnitt aus der vierteiligen Dokumentation "Charité intensiv: Station 43". Jan Kruse, Oberarzt der Station 43 mit Mundschutz. (rbb / DOCDAYS / Carl Gierstorfer)Ausschnitt aus "Charité intensiv: Station 43" (rbb / DOCDAYS / Carl Gierstorfer)Mit der Kamera auf der Intensivstation
Carl Gierstorfer erzählt von Angst und Hilflosigkeit. Es gab Momente, in denen es keine richtigen oder falschen Entscheidungen mehr gibt. Und er gibt zu, dass er die emotionale Dimension seines Projektes völlig unterschätzt hat. "Ich habe auch geweint", erzählt er in Plus Eins. [AUDIO]

Krennmair stimmte den Filmaufnahmen zu. Er fand es eine tolle Idee. "Wenn man nicht selbst in der Situation war, kann man sich nicht vorstellen, was da alles los ist und wie schlimm das wirklich ist." Aus Gierstorfers Material entstand die vierteilige Dokumentation "Charité intensiv".

Lungenembolie und Operation

In der Notaufnahme nahm man zunächst an, er würde hyperventilieren. Doch eine Ärztin äußerte schnell den Verdacht, da sei etwas Schlimmeres. Es stellte sich heraus, das Krennmair eine Lungenembolie hatte.

Der Embolus musste in einer Operation physisch entfernt werden. "Von der Wahrnehmung war das ein Gefühl, das ich so noch nicht hatte. Ich habe Sterne gesehen, alles, was ich sah, ist zu einem Grau verwaschen. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl zu ersticken", so Krennmair.

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