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Fazit | Beitrag vom 05.07.2019

Milton Nascimento beim Wassermusik-FestivalReverenz des Publikums an einen großen Alten

Thorsten Bednarz im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

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Milton Nascimento trägt eine Brille und eine Mütze und singt auf einer Bühne in ein Mikrofon. (Van Campos / Fotoarena / imago-images)
Milton Nascimento bei einem Auftritt im Frühjahr 2019 in São Paulo. Ob er nach dem Auftritt beim Wassermusik-Festival noch einmal in Deutschland spielt, ist sehr fraglich. (Van Campos / Fotoarena / imago-images)

Der brasilianische Musiker Milton Nascimento ist im Rahmen des Wassermusik-Festivals in Berlin aufgetreten. Unser Kritiker Thorsten Bednarz hat - schweren Herzens - eine Legende erlebt, die wegen ihres hohen Alters nicht mehr auf die Bühne gehöre.

Dass Milton Nascimento sich in den letzten Jahren so rar gemacht hat, liege hauptsächlich an seinem Alter, sagt unser Kritiker Thorsten Bednarz. "Außerdem ist seine Gesundheit nicht mehr die Beste. Vor ein paar Jahren musste er einige Konzerte in Brasilien absagen und Gerüchte machten die Runde, er sei an Parkinson erkrankt. Auch heute Abend hat man ihn zu seinem Hocker auf der Bühne geleitet, und er blieb dort über das ganze Konzert hinweg sehr unbeweglich sitzen." 

Prägende Alben der Musica Popular Brasileira

Im Gepäck habe Nascimento heute auch seine berühmten Alben Clube Da Esquina (1 & 2) dabei gehabt. "Man kann wohl sagen, dass mit diesen Alben ein neues Genre der brasilianischen Musik entstand, auch wenn die sogenannte Musica Popular Brasileira eher Gilberto Gil und Caetano Veloso zugeschrieben wird. Aber als diese beiden noch im Londoner Zwangsexil psychedelische Musik und Artrock hörten, da erschien in Brasilien schon das erste Album des Clube da Esquina mit seiner Mischung aus Samba, indigener Musik, spanischen und arabischen Einflüssen, aber auch von den Beatles und vom amerikanischen Jazz.

Und bis heute sagen viele Brasilianer: Wenn Du die echte Musica Popular Brasilieira hören willst, dann musst Du nach Minas Gerais fahren. Und unterschwellig meinen sie damit: Fahre nach Belo Horizonte und höre Milton Nascimento!"

Erschöpft und stimmlich indisponiert

Die Band sei bei dem Konzert bestens eingespielt gewesen. "Man tourt mit diesem Programm immer mal wieder, aber ich weiß wirklich nicht, warum Milton Nascimento sich das noch antut oder warum sein Management ihm das antut. Er ist ein alter gesundheitlich schwer beeinträchtigter Mann und er gehört nicht mehr auf eine Bühne. Er tippelte sehr mühsam zu seinem Hocker und dann bewegte sich nichts mehr. Und auch stimmlich stand er neben sich. Schon nach 20 Minuten musste sein Gitarrist ihn stimmlich stützen und zehn Minuten später noch einmal. Dann verließ er die Bühne für ein paar Songs, um sich zu erholen."

Die Band habe das alles sehr gut aufgefangen und das Publikum habe euphorisch mitgesungen, so Bednarz. "Dadurch wurde das Konzert in einem Rahmen gehalten, dass man nicht völlig desillusioniert war. Jedem wird wohl klar gewesen sein, dass dies sein letztes Konzert in Deutschland gewesen sein wird. So hat das Publikum einem der ganz Großen der brasilianischen Musik seine Reverenz erwiesen, und das stimmte dann wieder etwas versöhnlich."

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