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Konzert / Archiv | Beitrag vom 29.07.2015

Mikis Theodorakis zum 90. GeburtstagMensch. Bürger. Komponist.

Themenabend Musik

(picture alliance / dpa / Orestis Panagiotou)
Mikis Theodorakis in seinem Athener Haus im Februar 2015 (picture alliance / dpa / Orestis Panagiotou)

Die Musik half ihm die vielen Verbrechen zu überleben, die seinem Volk angetan wurden. Ob sie ihm auch derzeit hilft, die Malaise Griechenlands zu verstehen? Am Mittwoch wird Mikis Theodorakis 90 Jahre alt - der Legende widmen wir einen Abend.

Er ist zwölf Jahre alt, als er seine ersten Lieder schreibt. Mit Siebzehn wird er von italienischen Besatzungstruppen zum ersten Mal gefoltert. Mit 24 verschleppt man ihn während des Bürgerkrieges auf die berüchtigte Gefangeneninsel Makronissos. Er erleidet erneut schwerste Folterungen.

Mikis Theodorakis überlebt all das – vor allem, wie er später bekennt, dank der Kraft, die er aus der Musik schöpft. Seine Freiheitslieder, seine Vertonungen der Gedichte von Jannis Ritsos, vor allem von dessen „Epitaphios", machen ihn berühmt. Auch sein Oratorium "Canto General" nach Pablo Neruda erlangt große Popularität. In Paris gehört er in den 60er Jahren zur Kompositionsklasse Olivier Messiaens. Doch es ist nicht die Avantgarde, die ihn lockt. Theodorakis sucht seinen eigenen Weg. Und gewinnt damit die Herzen seiner Zuhörer, nicht nur die der Griechen. Einer der ersten Erlasse der griechischen Militärchunta ab 1967 ist das Verbot der „Musik und Lieder des Komponisten Mikis Theodorakis". Der Geächtete kämpft weiter im Untergrund für Demokratie und Kultur. Schließlich flieht er ins Exil, erneut nach Paris.

In seinem politischen Engagement lässt er auch in den Jahrzehnten darauf nicht nach. In Künstlern speziell aus der DDR fand er wichtige Bündnisparner für seine Musik, doch das Fehlen jeglicher Freiheit in diesem sozialistischen Land erschreckte ihn. Als er sich für die griechisch-türkische Aussöhnung einsetzt, weckt dies den Argwohn im eigenen Land. Seine politischen Ansichten und Positionen wechseln, zum Teil über tiefe Gräben hinweg. War er früher Kommunist, trat er später kurz in eine Regierung unter den Konservativen ein. Auch in der gegenwärtigen griechischen Malaise engagiert er sich auf der Seite der sozial Schwachen. Was Theodorakis geblieben ist: Ein tief sitzender und tief reichender Humanismus, auch wenn in späteren Jahren mehr und mehr die Skepsis dazukommt. An diesem Tag, dem 29. Juli 2015, wird Mikis Theodorakis 90 Jahre alt.

 

Themenabend Musik

 

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Mensch. Bürger. Komponist.

 

Mikis Theodorakis zum 90. Geburtstag

Von Georg Beck

 

 

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