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Länderreport / Archiv | Beitrag vom 19.02.2015

Mieterverdrängung in Berlin Trümmerfrauen wieder vor dem Neuanfang?

Von Peter Podjavorsek

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Plakat gegen Verdrängung in Berlin  (picture alliance / dpa / Foto: Wolfram Steinberg)
Immer mehr Menschen sind in Berlin von Verdrängung bedroht. (picture alliance / dpa / Foto: Wolfram Steinberg)

Im Alter von 88 und 86 Jahren sollten Ursula Renau und Ingeborg Koske aus ihren Berliner Wohnungen geworfen werden. Obwohl ihnen beim Einzug zugesichert worden war, dass sie hier ihr Alter verbringen können. Diese Schutzklausel gab es aber nie.

"Sie befinden sich hier im Bannkreis des Abgeordnetenhauses von Berlin. Und Sie machen hier eine Kundgebung, die nicht angemeldet ist. Von daher erteile ich Ihnen einen Platzverweis für Ihre ganze Gruppe."

"Schade, haben wir nichts erreicht.“ / "Wir hatten gehofft, den neuen Bausenator zu sehen."

Dezember 2014, vor dem Abgeordnetenhaus des Berliner Senats. Ein Dutzend Frauen und Männer zwischen Mitte 70 und Ende 80 wollen demonstrieren. Unter ihren Mänteln tragen sie knallorangene T-Shirts. Darauf ihre Forderung, als Buchstabenkette mit großen Lettern: "Rückkauf Hansaufer 5". Doch die Demonstration ist zu Ende, bevor sie überhaupt angefangen hat.

"Und jetzt geh’n wir wieder nachhause. Schade, haben wir nichts erreicht." / "Na ja. Aber für ein Foto hat’s gereicht." / "Und morgen früh ist es in der Zeitung drin..."

Hansaufer 5. Das ist das Wohnhaus der betagten Protestler. 1975 wurde es am Ufer der Spree als Seniorenhaus mit insgesamt 66 Wohnungen errichtet. Einziehen durfte nur, wer ein geringes Einkommen hatte und einen so genannten Wohnberechtigungsschein vorlegen konnte. 2007 verkaufte der Liegenschaftsfond das Gebäude an das Immobilienunternehmen Akelius. Das aus Schweden stammende Unternehmen besitzt über 40.000 Wohnungen in Europa und Nordamerika. Und es zeigt wenig Interesse, das Gebäude als Seniorenhaus weiterzuführen. Der feste Hausmeisterposten wird abgeschafft. Wohnungen, die frei werden, gehen nicht mehr an Rentner, sondern an jüngere Leute. Für die alten Bewohner ändert sich zunächst nicht viel. Bis April 2014. In einem Schreiben kündigt Akelius plötzlich umfassende Sanierungsmaßnahmen an. Außerdem soll die Miete steigen: auf bis zu 22 Euro/qm. Gesalzene Preise, selbst für das boomende Berlin.

Koske: "Das kann ich gar nicht bezahlen. Da muss ich ja Kitt aus den Fenstern fressen, wenn ich leben will. Nee, so geht dat nicht."

Kiesow: "Das ist doch nicht normal! Wir sind hier rein gekommen, um unseren Lebensabend hier zu verbringen. Und mit einem Mal heißt es hier Hü und Hott."

Heise: "Und da sind wir sehr traurig, und so schockiert darüber."

Ingeborg Koske, Herta Kiesow und Gisela Heise sind zwischen 86 und 91 Jahre alt. Die Damen leben seit vielen Jahren am Hansa-Ufer 5.

Zitat: "Hier können Sie in Ruhe alt werden."

Nach dem Zweiten Weltkrieg als Trümmerfrauen mitgeholfen

So warb das Sozialamt Mitte sogar Rentner aus anderen Berliner Bezirken, um in das Seniorenhaus zu ziehen. Im Glauben daran gaben die drei Frauen ihre geräumigen Wohnungen auf und zogen in die kleinen, aber altersgerechten Appartements. Nie hätten sie gedacht, dass sie jetzt, in hohem Alter, erneut ihr Dach über dem Kopf verlieren könnten. Was die drei Frauen besonders empört: Nach dem Zweiten Weltkrieg waren sie es, die als Trümmerfrauen mitgeholfen haben, Berlin wieder aufzubauen.

Kiesow: "Da lagen ja nun die Steinhaufen, und die mussten ja abgetragen werden..."

... erinnert sich Herta Kiesow.

"Und die Steine sollten wieder verwendet werden. Und dann musste der Putz, der noch dran war, abgeklopft werden. Mit dem Hammer. Und bei Kälte im Winter. Wir haben immer getreten mit den Füßen, damit wir warme Füße bekamen. Naja, bis ich dann eines Tages einen Unfall hatte. Ist mir so ein Brocken auf den Fuß gefallen. Und das ist so schlimm geworden, das fing an zu eitern. Ein Arzt wollte mir das Bein abnehmen. Da hat meine Mutter gesagt: das kommt gar nicht in Frage. Und da haben wir immer gesessen. Und ich weiß nicht, ob ihnen das bekannt ist: die Sunlicht-Seife. Und mit der habe ich immer baden müssen. Da habe ich heute noch eine Narbe drauf auf dem Fuß."

Ihre Nachbarin Ingeborg Koske war knapp sechzehn, als der Krieg zu Ende war.

Koske: "So sind wir denn hier angekommen und haben meinen Vater gefunden. Und haben dann festgestellt, dass unser Haus alles ausgebrannt war. Alles weg. Naja, und nun fingen wir dann langsam an mit der Arbeit. Und das Steine klopfen, 72 Pfennig die Stunde. Wenn man das heute sagt, und sich überlegt und sagt: Mensch ist das real. Jeder hat versucht, irgendwo ne Arbeit zu kriegen. Wir mussten doch alles uffbauen. Das meiste waren ja nun die Trümmerfrauen."

Nur Gisela Heise hat es etwas besser getroffen. Ihre Eltern besaßen einen Lastkahn. Und der war nach dem Krieg sehr gefragt, denn LKWs waren fast alle zerstört.

Heise: "Wir haben mit Trümmern zu tun gehabt insofern, als wir sie mit unserem Frachtkran aus Berlin rausgefahren haben. Wir wurden dazu verpflichtet, Anfang 47. Da wurden wir von Pommern nach Berlin, mussten wir dann nach Berlin fahren, um hier die Trümmer rauszufahren. Da waren viele kleine Baggerseen. Wo sie früher Kies draus geschöpft haben. Und die wurden zugemacht. Und das hat natürlich immer richtig viel Arbeit gemacht, wenn wir Trümmer drin hatten. Die Laderäume sauber machen."

Für die knapp 20-Jährige war das schwere Arbeit. Aber immerhin gab es gutes Geld dafür. Anders als bei Herta Kiesow.

Kiesow: "Wie wir nun angefangen haben zu arbeiten, da gab es doch die Lebensmittelkarten. Und da haben wir die Arbeiterkarte bekommen, meine Mutter und ich. Und auf diese Arbeiterkarte, da gab’s auch Weißbrot. Und da haben wir uns dann ein Weißbrot gekauft. Was soll ich Ihnen sagen? Wir haben das ganze Weißbrot den einen Abend aufgegessen. Haben wir uns gesagt: Jetzt ist es egal. Jetzt leisten wir uns das. Wenn ich heute drüber nachdenke, dann sage ich, das ist ja unmöglich gewesen. Aber man war so ausgehungert."

Singen oder Skatspielen im Gemeinschaftsraum

Im Haus am Hansaufer ist im Laufe der Jahre ein fast familiäres Zusammenleben entstanden. Einmal in der Woche treffen sich die Senioren im Gemeinschaftsraum zum Singen oder Skatspielen. Man besucht sich, schaut gegenseitig nach dem Rechten und hilft sich bei Einkäufen oder Behördengängen. Doch wie lange noch? Mieten um 20 €/qm können und wollen die Bewohner nicht bezahlen. Gar nicht zu reden von den Renovierungsarbeiten, dem Lärm und den anderen Unannehmlichkeiten, die damit verbunden sind. Akelius will das Haus einrüsten, um die Fassade zu dämmen und die Fenster zu erneuern. Ein zweiter Aufzug soll eingebaut werden. Die Laubengänge mit Fenstern geschlossen. Oben auf dem Dach soll eine komplett neue Penthouse-Wohnung aufgestockt werden. Diese benötigt einen zusätzlichen Versorgungsstrang quer durch alle Etagen.

Koske: "Wenn Sie überlegen: Vier Mann im Haus haben wir hier, die sind über 90. Und Akelius hat es nicht für nötig gehalten, mal zu sagen. Wenn wir rekonstruieren, dann machen wir das so, damit sie nicht so belastet sind. Da haben sie gesagt: Ein Dixi-Klo stellen wir hin. Da ist dann, glaube ich, acht oder zehn Tage, wo wir kein Wasser haben. Und keine Toilettenbenutzung haben. Und das ist ja wohl ein bisschen witzig, oder?"

Heise: "Und dann haben sie geschrieben, wenn die Fenster gemacht werden, dass wir die Sachen wegräumen sollen. Davon war keine Rede, dass wir das gemacht kriegen. Wie die sich das vorgestellt haben. Wir alten Leute sind doch gar nicht in Stande, da irgendetwas wegzuräumen. Und dann sollen wir die Türen offen lassen, damit die ein und aus gehen. Und dann ist da auch die Gefahr, dass einem da etwas gestohlen werden kann. Und dann gibt es eine Ausweichwohnung. Dann sollen wir da rein. Und ich frage mich, wie das gehen soll? Wenn man noch jung genug ist, kann man das machen. Das können wir gar nicht überleben..."

In einer Baulücke neben dem Gebäude plant das Immobilienunternehmen zudem ein komplett neues Wohnhaus. Bei dem gegenwärtigen Wohnungsmangel in Berlin eine sinnvolle Sache. Das Problem: Die Bewohnerinnen, die mit ihren Wohnungen an das künftige Gebäude angrenzen, werden zugebaut.

Kiesow: "Ich wohne gerade an dem Ende, wo der Neubau hinkommen soll. Da ist uns dann alles abgeschnitten. Dann sitzen wir im Dunkeln. Da wird dann zugemauert. Und die Bögen im Laubengang wollte er auch zumauern. Als ich finde, das ist unerhört sowas."

Was tun? Rund die Hälfte der Hausbewohner sind Senioren, zwischen 74 und 97 Jahre alt. Wie sollen sie sich gegen die Pläne des Besitzers wehren? Berlin kennt zahllose Beispiele, wo Mieter aus ihren Wohnungen gedrängt werden und Luxussanierungen Platz machen müssen.

Koske: "Bei uns hat der mit nüscht gerechnet. Also ich muss sagen: Wenn die Rheinländerin nicht hier gewesen wäre, wären wir über die Klinge gesprungen wie die anderen. Das ist wirklich und wahrhaftig. Alle sagen das: Wenn die nicht gewesen wär."

Die Tochter will sich damit nicht abfinden 

Die Rheinländerin, das ist Eva-Maria Kaes. Ihre Mutter ist vor zwei Jahren aus dem Rheinland ans Hansaufer gezogen. Und die Tochter will sich nicht damit abfinden, das ihre Mutter und die anderen Senioren mir nichts, dir nichts aus dem Haus gedrängt werden.

Kaes: "Akelius hat ganz lange gebraucht, bis sie überhaupt ins Gespräch gegangen sind mit den Senioren. Zwei Monate hat es gedauert, bevor das erste Gespräch für die Mietervertretung eingeräumt wurde. Bei dem Gespräch hat Akelius ganz viel versprochen. Alle möglichen Vergünstigungen und Hilfsmittel. Und wir haben das alles aufgeschrieben. Die Seniorenvertretung des Bezirks Mitte war auch dabei. Wir haben ein Gesprächsprotokoll gemacht und an Akelius geschickt und gebeten, dass es bestätigt wird. Oder korrigiert, ergänzt, wie auch immer. Und haben gar keine Antwort darauf gekriegt. Auf Nachfrage erst wurde uns dann gesagt: Wir denken gar nicht daran, dieses Protokoll zu bestätigen. Damit würden wir uns ja festlegen. Und daraufhin haben wir gesagt: So, jetzt müssen wir an die Öffentlichkeit gehen. Das geht nicht."

Gemeinsam mit den Bewohnern wendet sich Eva-Maria Kaes an die Medien und startet Ende Juli 2014 eine Online-Petition. Innerhalb kurzer Zeit erhalten sie fast 65.000 Unterschriften. Viele Unterzeichner lassen kein gutes Haar am Immobilienunternehmen.

Zitate: "Ich bin ebenfalls Mieter bei der Akelius und bin ebenfalls durch so genannte Modernisierung betroffen. Die Akelius ist eine Bande von Verbrechern und Schmarotzern."

"Mir passiert in München mit Akelius genau das gleiche. So kann es nicht weitergehen! Diese inhumane Vorgehensweise ist ein Affront gegen das Volk und auf das höchste asozial."

"I live in an Akelius building in Toronto Canada and know first-hand how aggressive this company is."

"Akelius ist einer der Investoren, die über Leichen gehen."

"Herr Akelius sollte sich was schämen!"

"Akelius: Abzocker! Blutsauger!"

Akelius will solche Anschuldigungen nicht auf sich sitzen lassen. Der auf den Bahamas lebende Inhaber Roger Akelius antwortet auf eine schriftliche Anfrage per E-Mail.

Zitat: "Akelius hat niemals und wird niemals jemanden zwingen, ein Haus wegen steigender Mieten zu verlassen. Unser Team handelt und arbeitet human. Die Kampagnendame behauptet, dass Akelius ältere Frau mit Luxussanierungen hinauswerfen will. Das ist völlig fasch. Ich weiß, dass andere Immobilienunternehmen aus ökonomischen Gründen alle Wohnungen in einem Haus durchrenovieren und den Mietern höhere Mieten aufbürden. Akelius tut so etwas nicht. Akelius renoviert nur leere Wohnungen. Das heißt, keiner der aktuellen Mieter wird eine höhere Miete bekommen. Ich bin stolz, dass Akelius den Mietern in Berlin hilft, in ihren Wohnungen zu bleiben, mit hohen Komfort und gleichbleibenden Mieten."

Modernisierung sei einfach notwendig

Pär Hakemann, Geschäftsführer des Berliner Büros, betont, dass es einfach notwendig sei, ein 40 Jahre altes Gebäude Instand zu halten und zu modernisieren. Und gemäß deutschem Mietrecht sei es erlaubt, jährlich elf Prozent der Modernisierungskosten auf die Mieter umzulegen. Hakeman gesteht aber auch ein, Fehler im Umgang mit den Bewohnern gemacht zu haben.

Hakemann: "Da sind wir leider nicht deutlich genug geworden. Und wir haben in mündlichen Gesprächen und auch in der öffentlichen Mieterversammlung klargestellt, dass wir Umzugshilfe anbieten. Wir haben auch helfende Hände in Bezug auf Fensterplätze leerräumen etc. Weil wir verstehen natürlich auch, dass Rentner, insbesondere neunzigjährige ältere Damen, nicht alles selbst machen können. Das hätten wir selbstverständlich anbieten müssen. Und das haben wir am Ende klargestellt. Und da tut es uns einfach Leid, dass wir das nicht von Anfang an klar und deutlich gesagt haben."

Auch bezüglich der Mieterhöhungen versucht das Unternehmen, den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Hakemann: "Wir haben nicht deutlich genug gemacht, dass soziale Härtefälle berücksichtigt werden. Dass z.B. Rentner mit einer begrenzten Rente diese soziale Härtefallregelung in Anspruch nehmen kann. Wir müssen auch feststellen, dass die Modernisierungserhöhungen auch für andere Mieter zu hoch gewesen sind. Deswegen haben wir auch die Modernisierungserhöhungen gekappt und das werden wir auch künftig mit allen anderen Modernisierungsmaßnahmen machen."

Statt 22 Euro/qm zahlen die Mieter nur eine moderate Erhöhung. Allerdings nur für den Moment. Denn von den geplanten Baumaßnahmen will das Unternehmen nicht abrücken. Die Senioren versuchen deshalb, auch politisch Druck zu machen. Denn die Politik ist es, die ihnen die ganze Misere überhaupt eingebrockt hat. Nicht nur, dass ihnen beim Einzug versprochen worden war, hier alt werden zu können. Auch beim Verkauf des Hauses 2007 behauptete das Bezirksamt in einem Schreiben:

Zitat: "Allerdings können wir Ihnen schon jetzt versichern, dass der Bestandsschutz Ihrer Mietverträge gesetzlich geregelt ist. Es besteht an dieser Stelle kein Anlass zur Sorge."

Jetzt zeigt sich: Diesen Bestandsschutz gab es nie. Der Liegenschaftsfonds hat im Vertrag keinerlei Schutzklauseln für die Senioren aufgenommen.

Koske: "Dass ihm die Politik die Möglichkeit dazu gibt, das zu machen. Das ist die Schweinerei. Und die stehen jetzt da und sagen: Ja, da steht ja nichts im Kaufvertrag. Na klar, wenn da nichts im Kaufvertrag drin steht, sagt Akelius: Dankeschön, es war mir ein Vergnügen. Ist doch logo."

Mutlu: "Ich danke sehr herzlich, dass ich heute hier da sein darf. Und mit Ihnen gemeinsam ein Brainstorming, wie man auf neudeutsch sagt, führen kann..."

Die Bewohner haben Özcan Mutlu von Bündnis 90/Die Grünen ins Haus eingeladen. Der Bundestagsabgeordnete ist für diesen Fall zwar nicht zuständig, möchte sich aber dafür einsetzen.

Mutlu: "Dass der Bezirk seinerzeit, auch der Senat, keinerlei Auflagen dem Investor beziehungsweise dem Verkäufer auferlegt hat. Dass man froh war, dass man die Seniorenhäuser los ist... Und den Grundbedarf dann eben nicht mehr selber erfüllen muss als Bezirk, oder als Senat. Das ist sehr bedauerlich. Und es ist auch sehr bedauerlich, dass im Nachhinein das rauskommt. Dass keiner sich Gedanken drüber gemacht hat: Wie können wir die Bewohnerinnen des Seniorenwohnhauses, die unter ganz anderen... Ich schüttle jetzt hier den Kopf. Weil offensichtlich hat man sich Gedanken gemacht. Weil man hat die alten Herrschaften belogen... Das wollte ich gerade sagen. Dass man sich keinerlei Gedanken drüber gemacht hat, obwohl die Bewohnerinnen dieses Hauses unter ganz anderen Voraussetzungen hier eingezogen sind. Man hat ihnen ja was ganz anderes versprochen. Und nun ist es jetzt Aufgabe der Politik, und deswegen bin ich jetzt auch hier. Als Abgeordneter des Bezirks. Und werde mich selbstverständlich dafür einsetzen, dass man mit dem Investor... dass man dem klar macht, dass das, so wie er sich das vorstellt, nicht geht."

An Verkauf kein Interesse

Die Bewohner möchten, dass das Haus taxiert und zurückgekauft wird, zum Beispiel von einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft. Außer Absichtserklärungen – auch vom neuen regierenden Bürgermeister Michael Müller – ist von Seiten der Politik bislang aber nichts passiert. Hinzu kommt: Akelius hat an einem Verkauf bislang kein Interesse.

Hakemann: "Wir spekulieren nicht. Wir spekulieren auch nicht zum Thema Kauf Hansaufer. Wir sind ein langfristiger Bestandshalter. Wir haben nicht die Absicht, Häuser in Berlin zu veräußern. Auch nicht das Hansaufer."

Nach den Protesten der Bewohner hat das Unternehmen inzwischen alle geplanten Baumaßnahmen für drei bis fünf Jahre zurückgestellt. Frei werdende Wohnungen werden unrenoviert vermietet. Was das Unternehmen mit der neuen Strategie bezwecken will? Will es möglicherweise nur weiteren Imageschaden vermeiden und abwarten werden, dass die Wogen sich glätten? Die Bewohner jedenfalls ahnen nichts Gutes.

Koske: "In fünf Jahren. Ich weiß nicht, wie viele von uns dann noch da sind. Die paar, die dann noch übrig geblieben sind. Ich weiß nur, dass wir jetzt noch 35 alte Mieter sind. Und ich wette darum, wenn sie nach drei Jahren gucken, dann sind das keine 35, sondern vielleicht noch 25. Oder noch weniger. Dann gucken wir uns längst die Radieschen von unten an. Und dann: ab durch die Mitte."

Heise: "Ich traue der Sache nicht. Ich traue der Sache nicht. Der will uns wahrscheinlich erst mal ein bisschen beruhigen."

Klein beigeben werden die alten Damen jedenfalls nicht. Wo sollten sie auch hin? Eine neue, bezahlbare Wohnung zu finden, ist auf dem angespannten Berliner Wohnungsmarkt derzeit fast unmöglich. Andere Sozialwohnungen für Senioren gibt es ebenfalls nicht. Zumindest keine, in die die Frauen ziehen könnten.

Koske: "Mitte hat nicht eine Sozialwohnung mehr. Die haben sie alle verkauft. Hier ist ne Kollegin im Haus. Die ist zu, ich weiß nicht, welchem Bezirk hingegangen, als das hier anfing, und wollte nun in einem anderen Bezirk betreutes Wohnen haben. Da haben die zu ihr gesagt: Mitte hat alles verkauft. Wir nicht. Und das was wir haben, müssen wir für unsere Leute halten. Und nicht für Mitte."

Heise: "Wir kämpfen weiter."

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