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Interview / Archiv | Beitrag vom 05.06.2018

Mietenexplosion und HeimatverlustWollen wir eine Gemeinschaft von Meistbietenden sein?

Simone Egger im Gespräch mit Dieter Kassel

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Sanierte Altbauten, aufgenommen im Stadtteil Kreuzberg in Berlin am 18.03.2018. (picture-alliance / dpa / Wolfram Steinberg)
Altbauten in Berlin (picture-alliance / dpa / Wolfram Steinberg)

Je globalisierter und mobiler wir leben, desto mehr wird die Wohnung zu einem Stück Heimat, meint die Kulturwissenschaftlerin Simone Egger. Doch die Mietenexplosion in den Städten gefährdet dieses Stück Heimat.

Wohnen ist Heimat, meint die Kulturwissenschaftlerin Simone Egger. In Zeiten der Globalisierung sogar mehr denn je:

"Genau in dieser extremen Bewegung, in dieser Mobilität brauche ich ja irgendwo Punkte, wo ich so mich im Koordinatensystem quasi festmachen kann", so die Autorin des Buches "Heimat: Wir wir unseren Sehnsuchtsort immer wieder neu erfinden". "Ich kann ja nicht nur freischwebend im Orbit sein."

Vor diesem Hintergrund verschiebt sich der Kulturwissenschaftlerin zufolge auch die Diskussion um Wohnungsnot und Mietenexplosion: "In so Städten wie München ging es lange darum, dass man sehr individuell geguckt hat: Kriege ich noch eine Wohnung und welches Kapital kann ich einsetzen, damit ich noch da wohnen kann, wo ich will?"

Zwei Studentinnen betrachten am 18.09.2015 die Wohnungsanzeigen am Schwarzen Brett in der Mensa der Ludwig-Maximilians-Universität in München (Bayern). Foto: Matthias Balk/dpa (zu dpa "WG, Wohnwürfel oder Hotel Mama: So wohnen Studenten in Deutschland" vom 26.09.2015) | Verwendung weltweit (dpa)Wohnungssuche in München (dpa)

Seit auch die Mittelschicht verstärkt von Wohnungsnot betroffen sei, komme das Thema auf einer anderen Ebene aufs Tableau:

"Es geht tatsächlich darum, dass man sich wirklich anhand der Wohnungsfrage auch die Frage stellen muss: in welcher Gesellschaft wollen wir in Zukunft leben?", so Egger. "Geht es nur darum, dass der Meistbietende irgendwo einzieht, und ich habe dann lauter Meistbietende nebeneinander?" Oder gehe es darum, dass eine gesellschaftliche Mischung eine Stadt überhaupt erst lebenswert und zu einer Heimat macht?

"Ich habe neulich eine Wohnungsannonce an so einem Laternenpfahl gelesen. Da stand drauf: Ich, Münchner, suche eine Wohnung. Kein Schufa-Eintrag, kein Instrument, keine Kinder, kein etc. Ich habe mir nur gedacht: Ok, aber was ist jetzt dein Leben? Was bleibt da noch übrig?"

(uko)

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