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Im Gespräch | Beitrag vom 22.02.2021

Metal-Sänger Marcus Bischoff"Ich nenne es schreien"

Moderation: Tim Wiese

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Marcus Bischoff, Sänger der Band "Heaven Shall Burn" auf der Bühne, mit einem Mikrofon in der Hand, das er in Richtung des Publikums hält.   (picture alliance / Photoshot / Peter Troest)
Ob als Musiker oder als Pfleger, in beiden Welten sei ihm eines wichtig: "Im Endeffekt geht es darum, dass ich mit Menschen zu tun habe." (picture alliance / Photoshot / Peter Troest)

Marcus Bischoff lebt zwei Leben in einem: als Pfleger auf der Intensivstation des Krankenhauses in Saalfeld versorgt er Patienten im Wachkoma, als Sänger der Heavy-Metal-Band Heaven Shall Burn versetzt er seine Fans weltweit in Ekstase.

"Das ist schon etwas surreal", beschreibt Marcus Bischoff seinen Wandel zwischen seinem Alltag als Krankenpfleger und den Auftritten mit seiner Band.

An einem Abend wird der Sänger von 15.000 Fans gefeiert, am nächsten Morgen steht er wieder am Krankenbett auf der Intensivstation.

"Man geht mit geschwollener Brust runter von der Bühne, ist megastolz und könnte sich sonst etwas einbilden. Und am nächsten Tag in der Früh gehe ich um sechs Uhr auf Arbeit. Mein Chef hatte mit mir Dienst. Und er hat auch gesagt, hier gibt es keine Sonderrechte für Musiker. Das ist auch gut so. Für mich ist das Schöne daran, ich werde da sofort wieder geerdet."

Weit weg vom Mainstream

Im März 2020 brachte Marcus Bischoff mit seiner Metal-Band Heaven Shall Burn eine neue Platte heraus, über Wochen stand sie auf Platz eins in den deutschen Albumcharts. Obwohl der harte Sound weit entfernt von Mainstream ist, zählt die Band aus dem thüringischen Saalfeld mittlerweile zu den erfolgreichsten in Deutschland.

Porträt von Marcus Bischoff, Sänger der Metalcore-Band "Heaven Shall Burn". (Candy Welz)Machte aufgrund von Corona Doppelschichten auf der Intensivstation: Marcus Bischoff, Sänger der Metalcore-Band "Heaven Shall Burn". (Candy Welz)

Eine geplante Tour zum neuen Album, mit ausverkauften Konzerten, musste natürlich ausfallen. Stattdessen veröffentlichte Marcus Bischoff vor einem Jahr ein Video. Für seine Fans hatte er eine klare Botschaft. "Scheiß drauf. Jetzt gibt es Wichtigeres als das Album zu promoten." Der Sänger und Pfleger war dabei in seinem Krankenhaus in Saalfeld zu sehen.

"Es sind damals auch die ersten Fälle in unserem Nachbarlandkreis ausgebrochen, die dann auch zu uns gebracht worden sind. Ich konnte das dann auch live miterleben, dass das ein ernstes Geschehen ist. Da war sofort klar, es gibt jetzt wirklich Wichtigeres. Das sollte sich auch bewahrheiten."

"Ich war nur auf meinen Beruf fixiert"

Statt auf ausverkauften Konzerten zu spielen, machte Marcus Bischoff Doppelschichten auf der Intensivstation. Das sei aber in Ordnung gewesen.

"Ich war in dem Moment wirklich nur auf meinen Beruf fixiert, auf meine, das klingt jetzt übertrieben, Passion."

Marcus Bischoff und seine Bandkollegen, darunter ein Ergotherapeut, ein Lehrer und ein Altenpfleger, könnten von ihrer Musik leben. Aber das wollen sie nicht.

"Unsere Familien sind uns wichtig. Und natürlich auch diese Freiheit, wenn man nicht auf eine Bühne geht, weil man damit Geld verdienen muss. Das hat uns vielleicht geholfen, dass wir jetzt dort stehen wo wir sind."

Heaven Shall Burn, so Marcus Bischoff, sei auf keinen Fall mit einer satanistischen Band zu verwechseln. "Es geht auch nicht gegen Christen. Sondern es geht einfach gegen falsche Trugbilder. Man sollte seine eigene Meinung haben. Darum geht es eigentlich, dass man nicht blindlings irgendwas glaubt, was irgendeiner sagt. Sondern man sollte es hinterfragen."

"Das waren krasse Zeiten"

Solche Aussagen haben sicher auch mit seinen Erfahrungen nach der Wiedervereinigung zu tun. Marcus Bischoff und seine Bandkollegen erlebten in den 1990er-Jahren fast täglich Auseinandersetzungen mit Neonazis.

"Schon vor der Schule standen Schlägertypen, Rechtsradikale. Die haben uns verfolgt, haben versucht unseren Jugendclub zu stören. Das waren schon krasse Zeiten. Die wünsche ich mir auch nie wieder. Aber das ist ja ein großes Problem der heutigen Zeit. Wenn ich sehe, welche Akzeptanz dafür wieder da ist. Das macht mir schon wieder Angst."

Auch deshalb, so der Sänger und Krankenpfleger, wolle die Band in ihren Songs aktuelle Themen ansprechen.

Von Gesang würde Marcus Bischoff übrigens nicht sprechen, "ich nenne es schreien", sagt der 41-Jährige.

Aber, ob als grölender Metalmusiker oder als Pfleger auf der Intensivstation, in beiden Welten sei ihm eines besonders wichtig: "Im Endeffekt geht es ja immer auch darum, dass ich mit Menschen zu tun habe. Und es geht um Respekt vor den Menschen auf meiner Arbeit. Und es geht um Respekt für die Menschen, die vor der Bühne stehen."

(ful)

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