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Interview / Archiv | Beitrag vom 11.07.2016

MentaltrainingMit der guten Stimmung kommt die bessere Leistung

Michael Draksal im Gespräch mit Anke Schaefer und Christopher Ricke

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Der portugiesische Stürmer Eder bejubelt seinen Siegtreffer im EM-Finale gegen Frankreich (picture alliance / dpa / Srdjan Suki)
Der portugiesische Stürmer Eder bejubelt seinen Siegtreffer im EM-Finale gegen Frankreich (picture alliance / dpa / Srdjan Suki)

Matchwinner Eder widmete seinen Siegtreffer für Portugal im EM-Finale seiner Mentaltrainerin. Die Portugiesen hätten an sich geglaubt, sagt Michael Draksal, Vorsitzender der Deutschen Mentaltrainer Akademie.

Der portugiesische Stürmer Eder: "Das ist beeindruckend, was uns gelungen ist. Wir haben viel Kraft in das Spiel gesteckt. Ganz Portugal stand hinter uns. Wir waren der glückliche, aber auch verdiente Gewinner. Ich widme das Tor meiner Mentaltrainerin."

Sein Teamkollege Renato Sanches: "Eder wurde immer kritisiert, und dann trifft er. Das war die bestmögliche Antwort an alle, die nicht an uns geglaubt haben."

Eines ist sicher: Eder hat an sich selbst geglaubt. Sonst hätte er nie ein so schönes Tor schießen können. Er schlägt ein, zwei Haken, läuft fast parallel zum Tor. Dreht plötzlich den Körper und zieht mit Wucht ab. Der Schuss schlägt unten in der Torecke ein, Portugal ist Europameister.

Portugiesen haben an sich geglaubt

Anschließend widmete Eder das Tor seiner Mentaltrainerin. Dass die Portugiesen mental besser drauf waren, hat Michael Draksal im Fernseher beobachtet. Beim Spiel sei alles lange gegen die Portugiesen gelaufen, sagte der Vorsitzende der Deutschen Mentaltrainer Akademie im Deutschlandradio Kultur. Ronaldo musste raus, die Franzosen waren stärker – und dennoch hätten die Portugiesen an sich geglaubt. Während die französischen Kicker mit zunehmender Spieldauer verunsichert wirkten.

Um sich auf einen Wettkampf vorzubereiten, gibt es laut Draksal viele Möglichkeiten. Er nennt das "Methoden-Buffet". "Das Entscheidende ist wirklich die Einstimmung auf die Wettkampfsituation", betont er.

Wer religiös erzogen worden sei und an Gott glaube, dem helfe Beten. Andere hörten Musik, man könne aber auch beispielsweise an seinem Lieblingsduft schnuppern – das löse sofort positive Assoziationen aus.

"Das geht sofort ins limbische System, und man hat sofort dieses Siegerlächeln: Das ist immer das Entscheidende", sagte der Mentaltrainer.

Draksal rät dazu, kurze Konzentrationsübungen in den Allttag zu integrieren - zum Beispiel Zähneputzen auf einem Bein. "Mit der guten Stimmung kommt dann auch die bessere Leistung."

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