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Interview | Beitrag vom 14.07.2020

Mehr Unfälle durch stehende AutosDie parkende Gefahr

Gerd Rüller im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Ein Fahrradfahrer schafft es gerade noch um eine sich öffnende Autotür herum. (picture alliance/APA/Barbara Gindl)
Klassisches "Dooring": Plötzlich öffnet sich eine Autotür – und bringt den Fahrradfahrer in Gefahr. (picture alliance/APA/Barbara Gindl)

Aufgerissene Türen, eingeschränkte Sicht: Einer neuen Studie zufolge sind parkende Autos ein größeres Sicherheitsproblem als bisher angenommen. Gerd Rüller, Verkehrsplaner in Münster, sagt, wie seine Stadt mit dem Problem umgeht.

Während offiziell nur fünf Prozent aller Unfälle, bei denen Fußgänger und Radfahrer verletzt werden, im Zusammenhang mit parkenden Autos stehen, sind es einer neuen Studie der "Unfallforschung der Versicherer" (UDV) zufolge 18 Prozent. Für die Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer besonders gefährlich ist dabei das sogenannte "Dooring", also wenn ein Radler über eine sich plötzlich öffnende Autotür stürzt.

"Gravierendes Problem in einer alternden Gesellschaft"

Eine weitere große Gefahr sind laut Siegfried Brockmann vom UDV "die Sichtbehinderungen, die gerade auch für Fußgänger auch in einer alternden Gesellschaft ein ganz gravierendes Problem sind – beispielsweise auch mit Parkflächen, die viel zu nah an Fußgängerüberwegen ausgewiesen sind; weil auch dort brauche ich lange Sichtachsen."

Neben der Verknappung von Parkplätzen fordert Brockmann als Konsequenz aus der Studie, im Bereich von Kreuzungen Falschparker rigoros abzuschleppen sowie mehr sichere Überwege für Fußgänger zu schaffen. Denn es handele sich bei zwei Drittel der Verkehrstoten innerorts um Fußgänger und Radfahrer.

Was macht die Stadt Münster anders?

Wie könnte es also besser gehen? Die Stadt Münster versucht es und wirbt für sich schon länger als "Fahrradstadt". 700.000 Fahrten pro Tag würden in Münster gezählt – bei 300.000 Einwohnern, sagt Gerd Rüller, Abteilungsleiter im Bereich "Planung Verkehrsinfrastruktur" der Stadt.

"Jeder Einwohner in Münster ist mehr als zwei Mal am Tag mit dem Fahrrad unterwegs. Deswegen sind unsere Anlagen auch zu großen Teilen verkehrssicher." Eine absolute Sicherheit gebe es jedoch nicht, ergänzt Rüller.

Auch in Münster gebe es noch Radwege, die nicht breit genug seien. Eine wichtige Maßnahme sei jedoch schon umgesetzt worden: die separate Ampelschaltung von rechtsabbiegenden Autos und Lastwagen gegenüber den geradeaus fahrenden Fahrradfahrern. Da habe es in der Vergangenheit eine "schwierige Unfallsituation" gegeben, "die wir aktuell – Gott sei Dank – auf Null senken konnten".

Kurzfristig gingen die Umbauten von breiteren Straßen zwar auf Kosten der Autos und der Pendler. Langfristig könne indes nur die Verkehrswende das Problem lösen.

(sed)

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