"Mehr Schranken für die Banken!"

Protest gegen das globale Finanzsystem vor dem Berliner Reichstag. © picture alliance / dpa / Hannibal Hanschke
29.10.2011
Ein Euro-Krisengipfel jagt den nächsten. Immer mehr Menschen unterstützen die Occupy-Bewegung, die "Mehr Schranken für die Banken!" fordert. Der Autor Harald Schumann und der Fondsmanager Georg von Wallwitz erörtern, wie ein neues Finanzsystem aussehen soll.
Was muss sich realistischerweise ändern? Wie soll ein neues Finanzsystem aussehen?

"Die Schuldenkrise dokumentiert mit brutaler Deutlichkeit, dass die Regierungen bei der vielfach versprochenen Reform des Finanzsystems kläglich versagt haben","

sagt der Wirtschaftsjournalist Harald Schumann.

Die Regierungen aller EU-Staaten hätten zugelassen, dass die großen Geldkonzerne noch größer wurden und nun eine "implizite Staatsgarantie" genießen. Der Autor mehrerer globalisierungskritischer Bücher konstatiert:

""Der Rettungsschirm rettet nicht den Euro, er ist ein Gläubigerschutzprogramm."

Was müsste geändert werden?

"Da zitiere ich Angela Merkel: ´Keine Bank darf mehr so groß sein, dass sie Staaten erpressen kann´."

Banken dürften auch keine Geschäfte mehr mit hochspekulativen Derivaten machen dürfen,

"das ist das Erste, was verboten werden müsste."

Sie seien mitverantwortlich für die Explosion der Rohstoffpreise. Außerdem müssten Wege gefunden werden, dass Banken, die sich verspekulieren, auch Pleite gehen können, und dass nicht der Steuerzahler zur Kasse gebeten wird.

"Das Bankensystem der Zukunft ist das der Vergangenheit","

sagt der Fondsmanager Georg von Wallwitz. Die Banken sollten sich auf ihr Ursprungsgeschäft besinnen.

""Das Geld aus dem Sparstrumpf der Sparer mit einem Häuslebauer zusammen zu bringen, das ist der Sinn von Banken. Deswegen müssen sie auch gerettet werden, sonst läuft die Wirtschaft nicht mehr. Die Banken haben eine Versorgergarantie wie die Stromversorger, die kann man auch nicht pleite gehen lassen."

Es müsse sich aber Grundlegendes im System ändern:

"Bei uns wäre es auch sinnvoll, wenn man den Investmentbereich von dem Geschäftsbereich trennen würde. Das Zweite, was bei uns abgeschafft gehört, sind die Landesbanken. In der Form, wie es sie jetzt gibt, sind sie sind der lebende Beweis, dass auch Staatsbanken in der Lage sind, in erheblichem Maß Geld zu vernichten."

In seinem Buch "Odysseus und der Wiesel - Eine fröhliche Einführung in die Finanzmärkte", skizziert der Philosoph die Geschichte und die Mechanismen des Finanzsystems, von der Erfindung der Aktiengesellschaft bis zu den modernen Wirtschaftstheorien des 20. Jahrhunderts.
Sein Resümee:

"Es ist eine Welt von Ego und Lust, in der weder Bildung noch Charakter gut bezahlt werden."

"Mehr Schranken für die Banken!" - Wie soll ein neues Finanzsystem aussehen?
Darüber diskutiert Dieter Kassel heute von 9 Uhr 05 bis 11 Uhr gemeinsam mit Harald Schumann und Georg von Wallwitz. Hörerinnen und Hörer können sich beteiligen unter der Telefonnummer 00800 - 2254 2254 oder per E-Mail unter gespraech@dradio.de.

Informationen im Internet:
Über Georg von Wallwitz
Artikel von Harald Schumann