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Interview / Archiv | Beitrag vom 18.04.2019

Medizinhistoriker Eberhard Wolff Die Impf-Debatte ist so alt wie das Impfen

Eberhard Wolff im Gespräch mit Liane von Billerbeck

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Ein drei Monate altes Baby erhält eine orale Impfung. (imago / Westend 61)
Ein Baby erhält eine orale Impfung: Kritiker des Impfens sehen das als unnatürlichen Eingriff an, berichtet der Historiker Eberhard Wolff. (imago / Westend 61)

Die Skepsis gegenüber dem Impfen ist nicht neu, sagt der Medizinhistoriker Eberhard Wolff. Es habe in der Geschichte schon immer Konjunkturen der gesellschaftlichen Medizin-Kritik gegeben.

Die Debatte über eine mögliche Impfpflicht reißt nicht ab. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beklagt einen dramatischen Anstieg der weltweiten Masern-Erkrankungen. Anfang Mai will der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) einen Gesetzentwurf zur Impfpflicht gegen Masern in Schulen und Kitas vorlegen. 

Eine Frau hält hinter einer Milchglasscheibe eine Spritze an den Oberarm eine anderen Frau. (picture alliance / ZB)Rund um das Thema Impfung gibt es immer wieder aufgeregte Debatten. (picture alliance / ZB)

"Die Skepsis gegenüber der Impfung ist so alt wie die Impfung", sagt der Kulturwissenschaftler und Medizinhistoriker Eberhard Wolff im Deutschlandfunk Kultur. Auch im 18. Jahrhundert habe es bereits Debatten um frühe Formen von Impfung gegen Pocken gegeben. Es handele sich um einen Eingriff in den Körper und deshalb habe es immer wieder Skepsis gegeben, weil das als unnatürlich angesehen worden sei, sagt der Wissenschaftler an der Universität Zürich. Die Begründungen seien dann im Lauf der Zeit sehr unterschiedlich.

Kein Widerstand gegen Schluckimpfung

In der Geschichte der Medizin habe es immer wieder Phasen der gesellschaftlichen Medizin-Kritik gegeben. "Das ist ein häufiges Auf und Ab", sagte Wolff. In den 1960er-Jahren sei die Schluckimpfung relativ problemlos eingeführt worden, weil es möglicherweise damals so etwas wie eine Art Zufriedenheit mit technischer Entwicklung gegeben habe. Die Medizin habe damals noch einen guten Ruf gehabt. "In den 70er- und dann 80er-Jahren ist das dann gekippt." Es habe Kritik an der Ärzteschaft in Deutschland gegeben. Wolff erinnerte an eine Serie im Wochenmagazin "Der Spiegel" über "Die Halbgötter im Weiß". Dann habe sich die Medizin-Kritik ausgeweitet: "Das sind auch Konjunkturen."

(gem)

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