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Interview / Archiv | Beitrag vom 22.03.2017

Medikamentenrückstände im TrinkwasserEntwarnung durch das Umweltbundesamt

Ingrid Chorus im Gespräch mit Dieter Kassel

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Eine pharmazeutisch-kaufmännische Assistentin stellt Medikamente für die Stationen in der Krankenhausapotheke am Universitätsklinikum Leipzig (Sachsen) bereit. (picture alliance / dpa / Jan Woitas)
Medikamente: Für den kranken Menschen überaus hilfreich, im Trinkwasser sind sie aber schädlich (picture alliance / dpa / Jan Woitas)

Bei Kontrollen unseres Trinkwassers fallen immer häufiger Medikamentenrückstände auf. Für unsere Gesundheit ist das momentan noch kein Problem, sagt Ingrid Chorus vom Umweltbundesamt. Dennoch sei es natürlich sinnvoll, eine Verunreinigung zu vermeiden.

Trinkwasser wird in Deutschland genau kontrolliert. Dabei fallen immer häufiger Rückstände von Medikamenten auf. Das Problem sei aber "nicht riesig", sagte Ingrid Chorus, Abteilungsleiterin Trinkwasserhygiene beim Umweltbundesamt, im Deutschlandradio Kultur. Wenn man "nach den toxikologischen Spielregeln" Grenzwerte für einzelne Medikamente im Trinkwasser festlegen würde, lägen diese um "ein Zehnfaches, Hundertfaches" höher als die Konzentrationen, die derzeit mancherorts gemessen würden.

Dehnübungen nach dem Sport anstatt Schmerzgel

Dennoch gehörten Medikamente grundsätzlich natürlich nicht ins Trinkwasser, sagte Chorus - und forderte die Verbraucher auf, darüber nachzudenken, "was man wirklich braucht". So würden 95 Prozent eines auf die Haut aufgetragenen Schmerzgels unter der Dusche wieder abgewaschen und gelangten so in den Wasserkreislauf. "Das finden wir dann auch in geringen Konzentrationen im Wasser", sagte Chorus. Dehnübungen nach dem Sport wären da vermutlich die bessere Wahl.

Datenbank für Apotheker und Ärzte

Außerdem würden Medikamente trotz aller Aufklärungsbemühungen nach wie vor in der Toilette und im Waschbecken entsorgt, kritisierte die Expertin. Auch eine Datenbank für Ärzte und Apotheker fände Chorus sinnvoll. Bei Blutdrucksenkern belasteten beispielsweise einige Präparate die Umwelt mehr als andere. Als Arzt kann man also mit der Verschreibung von bestimmten Medikamenten dafür sorgen, dass das Trinkwasser sauber bleibt. (ahe)

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