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Fazit / Archiv | Beitrag vom 10.09.2018

Medienkritik von Verfassungsschutz-Chef Maaßen"Deutungsschlacht in Echtzeit"

Richard Gutjahr im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Teilnehmer einer Kundgebung rechter Gruppen halten Plakate hoch. (picture alliance/Henning Kaiser/dpa)
Nach den Ereignissen in Chemnitz gab es deutschlandweit Demonstrationen, hier in Köln. (picture alliance/Henning Kaiser/dpa)

In Chemnitz sollen die Medien wieder einiges falsch gemacht haben - verbreitete Videos könnten gefälscht sein, mutmaßte Verfassungsschutz-Chef Maaßen. Das tut er nun offenbar nicht mehr. Behörden könnten von Journalisten lernen, sagt der Blogger Richard Gutjahr.

Journalisten müssen heute quasi in Echtzeit berichten, bemängelt der Journalist und Blogger Richard Gutjahr. Durch das Internet habe sich die Berichterstattung rasant beschleunigt, sagte er im Deutschlandfunk Kultur. Journalisten seien dadurch oft Getriebene.

Dennoch kann Gutjahr die Medienschelte in Bezug auf die Berichterstattung über die rechtsextremen Übergriffe in Chemnitz nicht nachvollziehen. Denn: Was gefälschte Videos und dubiose Internetquellen angeht, hätten die Medien in den vergangenen Jahren viel dazugelernt.

Journalisten haben dazugelernt, Behörden nicht

Spätestens seit Donald Trump seien Journalisten sehr gut gerüstet und durchschauten Fälschungen von Videomaterial und Internetquellen viel schneller als noch vor fünf Jahren, sagte Gutjahr. Ganz im Gegensatz zu den Behörden: "Mein Eindruck ist, dass die eine oder andere Institution und Behörde diesen Lernprozess noch vor sich hat."

Noch nicht einmal der Verfassungsschutz sei gefeit vor Fehlinterpretationen, so Gutjahr: "Wenn Herr Maaßen am Freitag gewusst hätte, was er heute weiß, dann hätte er sich zu der Aussage, die er in der Bild-Zeitung gemacht, nicht hinreißen lassen."

Die Medienschelte in Bezug auf die Vorfälle in Chemnitz sei zudem "super politisiert", kritisierte Gutjahr: "Letzten Endes geht es gar nicht mehr um Fakten, jeder möchte lediglich seine eigene Meinung bestätigt sehen. Was wir hier erleben, ist eine Deutungsschlacht, die in Echtzeit ausgelebt wird."

Kulturpresseschau

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