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Tonart | Beitrag vom 12.03.2019

Mecklenburg-VorpommernNeue Hymne braucht das Land

Von Andre Zantow

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Der Leuchtturm von Hiddensee in einer grünen, hügeligen Landschaft mit Wolken am Himmel. (imago / blickwinkel / F. Herrmann)
Leuchturm auf Hiddensee (imago / blickwinkel / F. Herrmann)

Mecklenburg-Vorpommern hatte bislang zwei Hymnen, jeweils eine für den jeweiligen Landesteil. Aber die sind historisch belastet und nicht mehr zeitgemäß. Deshalb suchte der Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern eine neue Landeshymne über das Internet.

Der Aufruf des Heimatverbandes Mecklenburg-Vorpommern erreichte über 150 Musikerinnen und Musiker. Darunter Profis wie Amateure. Sie komponierten und produzierten eigene Songs - vier davon wurden ausgewählt und gehen in die letzte Runde.

Bis zum 25. März 2019 kann jeder auf den Seiten des Verbandes unter der Rubrik "So klingt Mecklenburg-Vorpommern" abstimmen. Am 10. April wird der Sieger in Stralsund bekannt gegeben.

Alte Hymnen ausgekehrt

Cornelia Nenz ist die Vorsitzende des Heimatverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Sie störte, dass jeder Landesteil jeweils eine Hymne hat. Dabei benennt sie das Pommernlied "Wenn in stiller Stunde" und das Mecklenburger Lied "Wo die grünen Wiesen leuchten". Beide hätten so ihre Makel, wie Nenz formuliert:

"Das Mecklenburger Lied stammt von dem Komponisten Nielebock, der ein Marschmusik-Komponist der Nazis gewesen ist. Und da wird ja auch nur der Landstrich Mecklenburg besungen. Und außerdem ist der Text auch obsolet."

Und auch das Pommernlied von Adolf Pompe sei nicht mehr zeitgemäß, es sei schließlich schon 1850 komponiert worden.

"Das kann man eigentlich auch nicht mehr singen, weil natürlich das Gebiet von Pommern zu einem großen Teil in Polen liegt." 

Also zwei Landesteil-Hymnen, deren Texte und Geschichten gegen ihre weitere Verwendung sprechen.

Blick ins Heute

Nun soll ein neues Lied das ganze Bundesland zusammen bringen. Mecklenburg und Vorpommern haben dabei immer noch große Unterschiede, was die Arbeitslosenquote angeht, das politische Wahlverhalten und die Abwanderung. Nenz möchte, dass sich die Menschen im Bundesland zusammengehörig fühlen. Daher unterstützt sie diese Aktion.

"Es wird ja eben auch häufig gesagt für das ganze Land: 'Mecklenburg'. Wir selber haben in DDR-Zeiten auch nur 'Mecklenburg' verwendet. Und das Wort 'Vorpommern' wurde auch nicht so verwendet. Das war auch einer Rücksichtname auf den polnischen Nachbarn geschuldet."

Rezept für die richtige Hymne

"Ganz viele Hymnen", so Cornelia Nenz, "haben so martialische Ausdrücke: 'Wir kämpfen für' und 'Wir stehen fest'."

Sie möchte eine größere Leichtigkeit, ein "aufgeklärtes Heimatgefühl". Das bedeute für sie: "dass wir uns nicht abgrenzen und abschotten, sondern, dass wir offen sind für alle Menschen, die hier Heimat haben und die hier Heimat suchen."

Jede der ausgewählten Hymnen stellt die Besonderheiten des Landes in den Mittelpunkt. An erster Stelle wird die Natur der Landstriche betont. Ein besungener Reiseführer. "Das Land der tausend Seen" wird im ersten Lied heraufbeschworen: "Sanfte Hügel, Kiefernwälder, weite Auen und Alleen".

Diesem Prinzip folgt auch Lied Nummer zwei, denn Natur-Beschreibungen scheinen Pflicht für eine Heimat-Hymne. Außerdem sollten möglichst positiv Städtenamen eingebaut sein.

Lied Nummer drei stellt fest: "Schön ist es in Rostock, schön ist es in Stralsund, Neubrandenburg und in Schwerin."

Und auch das funktioniert immer: Tiere. An einem kommt das Land nicht vorbei, an den Kranichen. 

Kraniche am Abendhimmel in Mecklenburg-Vorpommern. (picture alliance / dpa / Stefan Sauer)Kraniche in Mecklenburg-Vorpommern. (picture alliance / dpa / Stefan Sauer)

Tiere, Städte, Bäume, Seen – so wie im Erdkunde-Lehrbuch. All das erzählt nichts über das moderne und aufgeklärte Heimatgefühl, das die neue Hymne vermitteln soll. Wo ist die weltoffene Haltung?

Lied Nummer vier in der Auswahl: "Uns Mäkelbörg Vörpommern". Plattdütsch – oder genauer Niederdeutsch. Eine Sprache, die eher von der Generation 60 Plus genutzt wird – eine Zielgruppe, die sich auch in den anderen Liedern wiederfindet, für meine Ohren.

Ist damit das Teilen des Siegersongs auf den Handys der unter 30-jährigen gesichert? Cornelia Nenz hofft einfach, dass sich eins der Lieder durchsetzt:

"Und wenn es nicht so ist, dann haben wir doch einen Anstoß gegeben, sich damit zu beschäftigen. Und das ist auch eine gute Ausbeute."

(cdr)

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