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Stunde 1 Labor | Beitrag vom 22.09.2019

Maxim-Gorki-Schauspieler Dimitrij SchaadÜber den Wutbürger-Monolog und die Liebe zu dieser Form

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Dimitrij Schaad (picture-alliance / dpa / Klaus-Dietmar Gabbert)
Wenn er nicht auf der Bühne steht, bekomme er "Entzugserscheinungen wie ein Heroin-Junkie", sagt Schauspieler Dimitrij Schaad. trotzdem macht er derzeit Pause vom Ensemble-Dasein. (picture-alliance / dpa / Klaus-Dietmar Gabbert)

Nach sechs Jahren am Berliner Maxim-Gorki-Theater macht der Schauspieler Dimitrij Schaad ein "Theater-Sabbatical". Im "Labor" verrät er, warum er aber weiter Monologe erarbeitet, den Begriff "Heimat" schwierig findet und nach neuen Formen für die Theaterarbeit sucht.

Ab dieser Spielzeit gehört er nicht mehr zum festen Ensemble des Maxim-Gorki-Theaters: Dimitrij Schaad, einer der prägenden Schauspieler des von Shermin Langhoff und Jens Hillje geleiteten Hauses in Berlin. Schaad gönnt sich eine Pause vom Ensemble-Dasein, da er sich "ein bisschen an den Rand der Erschöpfung gespielt" habe, wie der 34-Jährige sagt. Daher mache er ein "Theater-Sabbatical".

Höchstes Theaterglück

Zudem suche er neue Impulse. Einen Wechsel zum Film schließe er aber aus, sagt Schaad: "Ich wünschte, ich könnte vom Theater ablassen, aber ich kann es nicht. Ich spiele unglaublich gerne Vorstellungen, weil es das unvorstellbar schönste Gefühl ist." Wenn er nicht auf der Bühne stehe, bekomme er "Entzugserscheinungen wie ein Heroin-Junkie".

Im "Labor"-Gespräch erzählt Dimitrij Schad davon, wie er mit seinen Kollegen am Maxim-Gorki-Theater höchstes Theaterglück erlebte, als sie gemeinsam darstellerisches und erzählerisches Neuland betraten. "Wir sind gestartet mit der Überzeugung, dass alle gegen uns sind." Aus dieser Freiheit heraus, seien viele gute Arbeiten entstanden .

Postmigrantisches Theater "mainstreamtauglich"

Im Rückblick auf seine sechsjährige Ensemble-Tätigkeit am Gorki stellt der Künstler fest, dass andere Theater anfangen "die Oberfläche" des postmigrantischen Theaterkonzepts des Hauses zu kopieren.

Er beobachte, dass sich Ensembles "den Quotentürken oder Quotenschwarzen" leisten, aber es eigentlich nicht ernst meinen. "Wie es eine Zeitlang sehr "in" war, Produktionen mit Geflüchten zu machen, die nicht dazu dienten, dass diese Menschen tatsächlich eine Stimme bekommen." Stattdessen habe man sie "ausgequetscht und als Konzeptionsmaterial missbraucht. 

Dennoch sei es schön zu erleben, dass die Arbeit des Gorki inzwischen "mainstreamtauglich" sei.

Der Wutbürger-Monolog

Schaad erläutert, wie sein Wutbürger-Monolog in der Produktion "Third Generation - Next Generation" in der Regie von Yael Ronen entstand, nämlich auch aus einem Frust über eine "manipulative Erinnerungskultur" in Deutschland.

Dabei beschreibt er, welche Vorzüge und Grenzen das Spiel mit Authentisch-Erlebtem haben kann. Und warum er, nach einem Monolog des Kollegen Jens Harzer weinen musste – gleichzeitig seine Liebe für diese "geile" Textform entdeckte.

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