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Konzert / Archiv | Beitrag vom 05.04.2019

Max Rostal Wettbewerb in BerlinDen Soloauftritt samt Dirigat meistern

Moderation: Ulrike Klobes

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Der junge Bratscher ist mit seinem Instrument im Porträt zu sehen. (Tobias Reifland)
Für Tobias Reifland ist der Wettbewerb optimal verlaufen: Er erhielt den ersten Preis. (Tobias Reifland)

Wie spielt man als junger Musiker in einem Orchester ohne Dirigent? Es ist eine der Herausforderungen, denen sich Finalisten des Max Rostahl Wettbewerbs Geige und Bratsche in Berlin stellen mussten. Tobias Reifland gewann den ersten Preis im Fach Viola.

Deutschlandfunk Kultur ist regelmäßig Gast bei unterschiedlichen Wettbewerben, in denen sich junge Talente vorstellen. Wer gewinnt, kann sich über zusätzliche Konzerte, Aufnahmezusagen oder finanzielle Unterstützung freuen. Zuletzt fand in der Universität der Künste Berlin der Internationale Max Rostahl Wettbewerb für Geige und Bratsche statt. Während bei den Geigen drei zweite Preise vergeben wurden, konnte sich in der anderen Kategorie der junge Bratscher Tobias Reifland als erster Preisträger durchsetzen. Er ist mit dem klassischen Violakonzert von Anton Hoffmeister zu hören. 

Namensgeber ist Geheimtipp-Geiger

"Kostenlosen Unterricht für begabte Kinder" inserierte 1910 eine Tageszeitung in Teschen. Vater Johann Rostal schickte seinen ältesten Sohn. Doch am Ende war es der jüngere, der fünfjährige Max, der sich auf einer winzigen Geige den Gratis-Unterricht erspielte. Max Rostal war einer der wichtigsten Violinpädagogen des 20. Jahrhunderts. Mit nur 26 Jahren kam er an die Staatliche Akademische Hochschule für Musik in Berlin. Die Nationalsozialisten zwangen ihn 1933 zur Emigration. Rostal ging nach London und kehrte später nach Bern und Köln zurück. Seine lebenslange Passion war das Unterrichten junger Musiker. Dass er auch ein ausgezeichneter Solist war, ist bis heute ein "Geheimtipp". Der Internationale Max Rostal Wettbewerb rückt den Geiger und Bratscher, den Pädagogen und leidenschaftlichen Künstler seit 2009 ins Rampenlicht.

Der Bratscher steht mit seinem Instrumen im Zuschauerraum eines historsichen Konzertsaales. (Sagyoon Lee)Auch für den Drittplatzierten Bratscher Sagyoon Lee war es eine schöne Erfahrung, beim Spiel auch das Ensemble zu leiten. (Sagyoon Lee)

Alle drei Jahre findet dieser in Berlin an der Universität der Künste statt und richtet sich an Geiger wie Bratscher. Zur Zeit haben die Geigerin Nora Chastain und der Bratscher Hartmut Rohde die künstlerische Leitung inne. Hartmut Rohde wird auch zu Gast in der Sendung sein. 

Konzentration auf das eigene Spiel

Rohde ist sehr zufrieden mit dem Verlauf des Wettbewerbes: "Der diesjährige Internationale Max Rostal Wettbewerb hatte einen großen internationalen Zulauf. Unter den zugelassenen Künstlern konnte die Jury wunderbare und zum Teil sehr junge Künstler auszeichnen. Gefragt sind stilistische Vielfalt und eine persönliche individuelle Ausstrahlung."

Der Bratscher mit seinem Instrument, das er an die Schulter lehnt. (www.hartmut-rohde.de / JosepMolina.net)Hartmut Rohde, Bratscher mit Herzblut und Professor in der Universität der Künste Berlin. (www.hartmut-rohde.de / JosepMolina.net)

Eine Besonderheit gab es in diesem Jahr: Die Finalisten mussten sich der Herausforderung stellen, mit der Hamburger Camerata zu spielen - ohne Dirigenten. Damit musste die Konzentration für das eigene Spiel und das Leiten des Orchesters reichen. "Hier war Führungsqualität und eigenständiges Arbeiten mit dem Orchester gefragt", so Rohde. Die Jury und das Publikum konnten in den Konzerten verfolgen, welch große Herausforderung das für die Wettbewerbsteilnehmer darstellte, wenn es plötzlich keinen Dirigenten mehr gibt, der die jungen Musiker durch die Werke "trägt", so Rohde. "Hier musste das musikalische Atmen und der Klang viel bewusster, fast kammermusikalisch, auf das Orchester übertragen werden."

Zum Schluss zieht Rode das Fazit: "Man darf gespannt sein, wie sich die diesjährigen Preisträger, aber auch manch anderer Teilnehmer persönlich weiter entwickeln wird. Die Jury ist sich sicher, dass viele der Namen eine wichtige und herausragende Position im späteren Musikleben übernehmen können."

Ein Gespräch mit dem künstlerischen Leitungsteam führte Carola Malter:

(cdr)

Die Aufzeichnung der Konzerte erfolgte am 30. und 31. März 2019 im Konzertsaal der Universität der Künste Berlin

Franz Anton Hoffmeister
Violakonzert D-Dur

Tobias Reifland, Viola
Hamburger Camerata

Arvo Pärt
Fratres für Violine, Streichorchester und Schlagzeug

Wolfgang Amadeus Mozart
Violinkonzert Nr. 5 A-Dur KV 219
1. Satz: Allegro aperto

Johanna Pichlmair, Violine
Hamburger Camerata

Wolfgang Amadeus Mozart
Violinkonzert Nr. 5 A-Dur KV 219
3. Satz: Rondo.Tempo di Minuetto

Arvo Pärt
Fratres für Violine, Streichorchester und Schlagzeug

Kyumin Park, Violine
Hamburger Camerata

Wolfgang Amadeus Mozart
Violinkonzert Nr. 5 A-Dur KV 219

Daniel Cho, Violine
Hamburger Camerata

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