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Fazit / Archiv | Beitrag vom 05.08.2020

Matthias Lilienthal über Theater in Coronazeiten"Sie machen einen heroischen Job"

Moderation: Britta Bürger

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Matthias Lilienthal steht im Malsaal der Münchner Kammerspiele.  (picture alliance / dpa / Peter Kneffel)
In der Coronazeit brauchen die Theater deutliche Unterstützung, sagt Theatermann Matthias Lilienthal. Er leitete bis zum Ende der Spielzeit die Münchner Kammerspiele. (picture alliance / dpa / Peter Kneffel)

Den deutschen Theatern geht es nicht gut. Auf bis zu zwei Drittel ihrer Einnahmen mussten sie in den letzten Monaten verzichten. Ihnen jetzt eine spezielle Förderung zu verweigern, wäre für Theaterintendant Matthias Lilienthal schlicht "eine Unverschämtheit".

Die Coronakrise wirkt sich auch auf deutsche Kultureinrichtungen aus. In den Feuilletons wird darüber diskutiert, ob zusätzliche Fördermittel, um die Folgen der Krise aufzufangen, nicht vielleicht sogar kontraproduktiv seien und zu Trägheit in den Institutionen führen könnte.

"Das ist totaler Quatsch", sagt dazu Matthias Lilienthal, der bis zum Sommer 2020 Intendant der Münchner Kammerspiele war. Er kritisiert solche Äußerungen, etwa von Dieter Haselbach und Pius Knüsel in der Tageszeitung "Die Welt", scharf. "Das ist von Leuten gesagt, die von dem Betrieb einfach keine Ahnung haben. Alle Kulturinstitutionen kämpfen im Moment damit, dass zwei Drittel ihrer Einnahmen wegbrechen. Und sie machen einen heroischen Job, indem sie meistens in der Lage sind, das zu kompensieren."

"Abgeschmackte Kamellen"

Für Lilienthal steht speziell Pius Knüsel schlicht für einen "Neoliberalismus, der, hätte er sich durchgesetzt in Deutschland, zu Zehntausenden von Toten, wenn nicht Hunderttausenden von Toten, in der Coronazeit geführt hätte". Die Äußerungen seien "abgeschmackte Kamellen" und "eine Unverschämtheit". Vor acht Jahren seien Knüsel und Haselbach ihre Thesen nicht losgeworden und würden nun die aktuelle Situation nutzen, um sie wieder in der Öffentlichkeit zu platzieren.

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Für Lilienthal ist vor allem eine Diversität und Internationalität des Theaters wichtig. Dabei sei es gleich, um welche Bühnen es sich handele. Natürlich können und müsse darüber geredet werden, wie die Theater sich für die kommenden zwei Spielzeiten rüsten sollten. Etwa, indem sie auf Theaterferien verzichteten und statt dessen die Monate zwischen April und Oktober für Open Air-Aufführungen nutzten, um die Verluste zumindest teilweise zu kompensieren. Auch eine stärkere Digitalisierung und Angebote im Netz seinen wichtig.

(mkn)

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