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Fazit / Archiv | Beitrag vom 16.04.2015

Matthias Lilienthal"Der eigentliche Event-Schuppen ist das Berliner Ensemble"

Moderation: Susanne Burkhardt

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Peymann schäumt vor Wut, Renner kontert und jetzt mischt sich auch noch Matthias Lilienthal ein. Der künftige Intendant der Kammerspiele in München lobt den von Peymann attackierten Chris Dercon, der als Nachfolger von Castorf an der Volksbühne im Gespräch ist.

Seit das Gerücht im Umlauf ist, Chris Dercon – derzeit Leiter der Londoner Tate Modern – könnte 2017 nach Frank Castorf die Volksbühne übernehmen, tobt eine Debatte in Theaterkreisen. Vor einer Woche wetterte BE-Intendant Claus Peymann, der Berliner Kulturstaatssekretär Tim Renner sei eine "Fehlbesetzung". Er wolle aus der Volksbühne einen "Eventschuppen" machen.  

Matthias Lilienthal, designierter Chef der Münchner Kammerspiele, der in den 90er-Jahren selbst an der Volksbühne mit Frank Castorf zusammengearbeitet hat und zuletzt dem Hebbel am Ufer (HAU) zu großem Erfolg verholfen hat, langweilt diese Debatte. Peymann verkehre in diesem Streit außerdem die Vorzeichen, sagte er im Deutschlandradio Kultur:

"Der eigentliche Event-Schuppen der Berliner Theaterszene ist das Touristentheater Berliner Ensemble unter Claus Peymann, der da - ehrlich gesagt - nur touristische Events macht."

Dercon wäre ein "guter Nachfolger" für Castorf

Lilienthal ging auch auf die Diskussion um Chris Dercon ein, der als Nachfolger von Frank Castorf an der Volksbühne im Gespräch ist. Dercon fände er schon einmal "als Person total lustig", meinte Lilienthal. Er verfüge aber auch über ein "umfangreiches Telefonbuch" und habe zahlreiche Kontakte. Dazu komme Dercons anderer Blickwinkel:

"Diese Durchmischung von Bildender Kunstwelt und Theaterwelt wäre ein super Projekt, wo ich finde, dass es der Stadt Berlin nur gut tun könnte." Insofern wäre er schon ein guter Nachfolger für Castorf: "Ich glaube, was da in Zukunft geschieht, muss sich einfach total von dem unterscheiden, was bisher der Fall war."

Diskussion um Ensemble-Strukturen

Lilienthal ging auch auf die Diskussion um das Festhalten an Ensemble-Strukturen ein. Er verwies darauf, dass sich dieses Modell an der Volksbühne längst aufgelöst habe:

"Die Volksbühne bedient sich durch ein reisendes Ensemble, was in Berlin und Hamburg lebt, und stellt da immer wieder Stück-Ensembles zusammen."

Dercon brauche solche lockeren Strukturen, um "gut arbeiten zu können", betonte Lilienthal. Er wünsche der Stadt Berlin "ein bisschen Neugier auf Unberechenbares":

"Das kann nicht schaden. Und die Stadt sollte sich vielleicht auch einmal daran erinnern, dass Anfang der 90er-Jahre hier alle wesentlichen Häuser neu vergeben wurden. Damals wurde die Schaubühne einem 30-jährigen Regisseur (Thomas Ostermeier, d.Red.) gegeben, der gerade aus dem Studium raus stolperte. (...) Wechsel könnten an ein paar Theatern in Berlin – ehrlich gesagt – nicht so sehr schaden."

 

 

Mehr zum Thema:

Aus den Feuilletons - Peymann kritisiert fast alle
(Deutschlandradio Kultur, Kulturpresseschau, 11.4.2015)

Aus den Feuilletons - Peymann und Renner - Wenn zwei sich streiten
(Deutschlandradio Kultur, Kulturpresseschau, 9.4.2015)

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