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Konzert / Archiv | Beitrag vom 17.04.2019

"Matthäus-Passion" von Johann TheileLeidensgeschichte in frühbarockem Gewand

Moderation: Bettina Schmidt

Gekreuzigter Christus, Palma de Mallorca, Spanien (dpa / picture alliance / imageBROKER / Ulrich Fuchs )
Die Leiden Jesu hat auch Johann Theile in seiner "Matthäus-Passion" verarbeitet. (dpa / picture alliance / imageBROKER / Ulrich Fuchs )

In der Karwoche präsentieren wir die "Matthäus-Passion". Aber mal nicht die von Bach, sondern die von Johann Theile. Er veröffentlichte seine Passion rund 60 Jahre vor Bach − als ehemaliger Schüler von Heinrich Schütz, dem er nach Lübeck gefolgt war.

Die Karwoche, die in der Osternacht mündet, ist in der Christenheit das wichtigste Hochfest des liturgischen Jahres. Für diese Zeit ist seit dem Mittelalter die Tradition der Passionsspiele verbürgt; außerhalb und innerhalb der Kirchenmauern. Eine Tradition, die in einigen Orten bis heute gepflegt wird. 

Kalwaria Zebrzydowska heißt die polnische Stadt, in der die berühmten Passionsspiele stattfinden. 14. April 2017 (imago / ZUMA Press / Artur Widak)Passionsspiele nach mittelalterlichen Regeln werden heute noch gegeben, zum Beispiel in Kalwaria Zebrzydowska am 14. April 2017. (imago / ZUMA Press / Artur Widak)

Da in der Woche ab Palmsonntag das Leiden, Sterben und die Auferstehung Christi im Leben der christlichen Menschen einen großen Raum einnimmt, wird diese Woche auch als "stille Woche" bezeichnet. 

In diesem Zeitraum war Musik nur dann gestattet, wenn sie von jener schmerzlichen Kreuzigungsgeschichte erzählte. Die Musik musste in den Anfängen der Tradition sehr leise und überaus verhalten sein, nur wenige Instrumente waren neben den Sängern geduldet.Auch heutzutage kann man in der Karwoche landauf, landab in unzähligen Kirchen die Passionsgeschichte hören, zumeist eine der beiden Passionen von Johann Sebastian Bach. Doch in diesem Konzert ist es das Werk von Johann Theile, das 60 Jahre zuvor entstanden ist.

Musik statt Jurisprudenz

Johann Theile studierte vorerst Jura. Dazu besuchte er die Universitäten in Jena und Leipzig. Aber die Musik begleitete ihn schon damals: Er verstand sich sehr gut auf das Gambenspiel und war Mitglied des Leipziger collegium musicum, das regelmäßig in der Stadt musizierte. Zu guter Letzt gab er die Jurisprudenz auf und folgte seiner musikalischen Ader. Er ging nach Weißenfels, um dort bei dem alten Heinrich Schütz zu studieren. Bei ihm erwarb er sein kompositorisches Rüstzeug. Sein Weg führte ihn dann als Musiker und Kapellmeister von kleineren Fürstenhöfen nach Stettin und Lübeck, wo er als Organist beschäftigt wurde. Später wirkte er vor allem in Hamburg. Noch in Lübeck veröffentlichte er im Jahr 1673 seine "Matthäus-Passion", zusammen mit einigen weiteren Messgesängen.

Zwei wichtige Rollen: der Evangelist und Jesus

Das Werk ist, ganz wie gefordert in der Zeit, bescheiden instrumental besetzt: Es besteht aus zwei Violinen und drei Gamben, aus einer Chitarrone (einem langhalsigen Lauteninstrument) und der Orgel. Doch er vermag mit diesem schmalen Instrumentarium eine große Klangfülle zu erreichen. 

Es gibt zwei wichtige Rollen. Die erste ist die des erzählenden Evangelisten, die Theile mit einem Tenor besetzt. Die zweite Partie gehört einem Bass-Solisten, der Jesus verkörpert. Der Chor übernimmt dann die Rollen des Volkes und der Kriegsknechte. Daneben agieren mehrere kleine Rollen, wie die Magd, Petrus, Pilatus oder dessen Frau. 

(cdr)

Aufzeichnung des Konzertes am 27. Januar 2019 in der St. Trinitatis-Kirche Wolfenbüttel

Johann Theile
"Matthäus-Passion"

Ensemble Weser-Renaissance
Leitung: Manfred Cordes

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