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Interview / Archiv | Beitrag vom 11.07.2016

Mathematik"Es braucht mehr Mathe-Unterricht an Schulen"

Günter Ziegler im Gespräch mit Vladimir Balzer und Axel Rahmlow

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Ein Schüler arbeitet mit einem Taschenrechner.  (picture alliance / dpa / dpa-Zentralbild)
Mathematik wird erklärt an Schulen, aber viel zu wenig darüber erzählt, meint Günter Ziegler. (picture alliance / dpa / dpa-Zentralbild)

Günter Ziegler ist Mathematik-Professor an der Freien Universität Berlin und er kritisiert den Unterricht an deutschen Schulen. Facebook, Twitter oder selbstfahrende Autos: Wir sind umgeben von Mathematik. Doch die Schulen vermittelten das den Schülern nicht.

"Mathe polarisiert", sagt Günter Ziegler, Mathematik-Professor an der Freien Universität Berlin, über den Mathematik-Unterricht an deutschen Schulen:

"Weil es schwierig ist, weil es so eindeutig ist, weil es richtig oder falsch ist. Die Frage ist, wie die Lehrer motivieren können."

Zusätzlich zum klassischen Erklären brauche der Unterricht das Erzählen, meint er: Sichtbarmachen wo Mathe drin steckt und was es dort macht. "Mathematik umgibt uns - ein Wetterbericht ist Mathe, ein Fußballspielplan oder ein Busfahrplan ist Mathe, was uns Facebook vorsetzt, ist Mathe", sagt er. "Es braucht mehr Mathe-Unterricht an deutschen Schulen", sagt Ziegler. 

"Der Ausschnitt aus der Welt, den Google oder Facebook uns präsentieren, der wird von Mathematik gesteuert. Wenn ich sehe, mit welchen Methoden man mir meinen Facebook-Feed zuschneidet, dann weiß ich auch, wie ich da hingucken muss."

Auch der selbstfahrende Tesla ist Mathematik

Günter Ziegler wird am Abend einen Vortrag zum Thema Mathematik und Science Fiction an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften halten Auch künstliche Intelligenz wie der selbstfahrende Tesla fällt darunter. Kürzlich war bei einem Unfall eines solchen Testwagens ein Fahrer getötet worden. "Die moralischen Probleme, die daran hängen, wenn Mathematik selber anfängt, Entscheidungen zu treffen, die sind als solche nicht gelöst", gibt Ziegler zu.

"Über diese Probleme können wir aber gar nicht sinnvoll reden, wenn wir nicht verstehen, was Algorithmen aus großen Datenmengen machen können, was es heißt, wenn das System entscheidet."

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