Massiver Stellenabbau angekündigt

Es geht wieder abwärts

06:51 Minuten
Eine Mitarbeiterin hält ein Protestplakat mit durchgestrichenen Pictogrammen bei einer Kundgebung von mehreren Hundert Beschäftigten der Deutschen Erdoel AG (DEA) und Mitglieder der Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie (IG BCE) gegen einen geplanten Stellenabbau vor der Unternehmenszentrale der DEA .
Streichkonzert bei Konzernen: Der Jobabbau zeigt, dass die Unternehmen schlechtere Zeiten erwarten. © dpa / picture alliance/ Christian Charisius
Elisabeth Niejahr im Gespräch mit Korbinian Frenzel · 02.07.2019
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Die Arbeitslosenzahlen sinken, die deutsche Wirtschaft boomt seit Jahren. Da platzen Ankündigungen von massiven Stellenstreichungen herein. Die Zahlen seien besorgniserregend, sagt die Wirtschaftsjournalistin Elisabeth Niejahr.
Seit Jahren boomt der deutsche Arbeitsmarkt, erneut ist die Zahl der Arbeitslosenzahlen gesunken. In diesen positiven Trend platzen Nachrichten von massiven Stelleneinschnitten: Ford will in Europa 12.000 Arbeitsplätze abbauen, BASF weltweit 6000 Stellen, Siemens 3000 und die Deutsche Bank will 20.000 Angestellten kündigen.
Sind das Vorboten der nächsten Krise? "Ein bisschen", antwortet Elisabeth Niejahr. Wie viel Jobs die Digitalisierung insgesamt kosten wird, sei gerade nicht absehbar, aber es liege auf der Hand, dass Jobs wegfallen, wenn Algorithmen die Arbeit übernehmen: "Die Zahlen sind schon besorgniserregend, wenn man bedenkt, dass gleichzeitig Fachkräfte gesucht werden."
Bislang habe es von Seiten der Arbeitsagenturen geheißen, die Unternehmen würden gerade Arbeitnehmer behalten, die sie nicht so dringend bräuchten - einfach weil der Fachkräftemangel so groß sei: "Wenn jetzt diese Rechnung nicht mehr gilt, dann hat sich wirklich was verändert, denn der Fachkräftemangel ist ja gleichzeitig immer noch da."

Deutsche Wirtschaft muss sich für die Zukunft aufstellen

Die deutsche Wirtschaft müsse sich für die Zukunft gut aufstellen, so Niejahr weiter. Die Frage sei, wie robust die deutsche Wirtschaft sei angesichts der weltweiten wirtschaftlichen Verwerfungen: "Wir sind wahnsinnig verwundbar, weil wir so exportorientiert sind."
Branchen wie die Automobilindustrie wird es weniger treffen, ist die Chefreporterin der Wirtschaftswoche überzeugt. Aber mittelständische Unternehmen hätten große Probleme angesichts von US-Zöllen auf EU-Produkte oder im Hinblick auf den bevorstehenden Brexit. Für die Wachstumserwartungen der deutschen Wirtschaft bestünden derzeit große Unsicherheiten.
Die angekündigten Stellenstreichungen treffen vor allem ältere Arbeitnehmer. Sind diese besonders betroffen, weil sie mit den Veränderungen der Arbeitswelt nicht mehr mitkommen?
Zumindest sei das ein Argument, dass man hinter vorgehaltener Hand oft hört, sagt Niejahr. Allerdings hätten die heutigen Arbeitnehmer, die früh verrentet werden, zurzeit die Möglichkeit, als Berater für Unternehmen zu arbeiten oder ihr Knowhow anders einzubringen.
"Es ist nur die Frage, ob man da Lösungen findet, die auch zu den Menschen passen, also nicht nur zum Markt und den Erfordernissen der Unternehmen mit Fachkräftemangel, sondern die das Ganze mit Zufriedenheit, Gelassenheit und einer gewissen Würde ermöglichen. Das sollte das Ziel sein."

Statussymbol Frühverrentung?

Gleichzeitig ist Niejahr überzeugt:
"Es wird zunehmend Statussymbol sein, wie früh man aufhören kann. Es gibt einerseits die Sehnsucht danach, möglichst früh in den Ruhestand zu gehen, es ist die Frage, ob man sich das leisten kann. Es wird in Zukunft nicht nur eine Statusfrage sein, was für ein Auto man fährt oder ob man ein Haus hat, sondern ob man es sich leisten kann, früh aufzuhören zu arbeiten."
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