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Fazit / Archiv | Beitrag vom 28.08.2017

Martin Roth: "Widerrede""Er wollte Leute aufrütteln"

André Wilkens im Gespräch mit Gabi Wuttke

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Martin Roth  (picture alliance / Felix Hörhager/dpa)
Martin Roth, weltweit geachteter Museumsmann, starb am 6. August 2017 im Alter von 62 Jahren nach schwerer Krankheit. Für Aufsehen hatte seine Entscheidung gesorgt, das Victoria&Albert Museum in London nach fünf Jahren zu verlassen. Anlass war der Brexit. (picture alliance / Felix Hörhager/dpa)

Drei Wochen nach dem Tod des Museumsmachers Martin Roth ist dessen letztes Buch posthum erschienen: "Widerrede" spiegelt Roths Gespräche mit seinen drei Kindern über Politik und Werte. Er habe seinen Schock nach dem Brexit verarbeiten müssen, meint Vorwort-Autor André Wilkens.

Martin Roth, weltweit geachteter Museumsmann und langjähriger Direktor des Victoria&Albert Museums in London, sei "ein Suchender" gewesen, sagt Wilkens: Nach dem Schock über den Brexit, die Wahl Trumps und das Wiedererstarken neonationaler Tendenzen habe er Antworten gesucht:

"Es hat ihn geschockt, dass (…) gerade er, der Sachen vorausgesehen hat, der immer am Puls der Zeit war, (…) dass er das alles nicht gesehen hat und dass es auf einmal kam und vor ihm stand und er kein Gespür dafür hatte und eigentlich ratlos war. Er wollte etwas tun und ist auf seine Familie zurückgegangen: Ich muss das jetzt mal mit jemand diskutieren, ich will das mit meinen Kindern besprechen, ich will eine gewisse Aufklärung für mich und meine Kinder." 

Nicht einfach sitzen und abwarten

Roth habe sich gefragt, ob er seinen Kindern Clara (20), Roman (27) und Mascha (28) das Rüstzeug mitgegeben habe, um "ein Leben meistern zu können, das diese Welt, unsere Gesellschaft" voranbringe: "Es gibt einen Haufen Fragen in dem Buch, es gibt auch ein paar Antworten, aber nicht alle Fragen in dem Buch kriegen eine Antwort. Wie erzieht man überhaupt Kinder zu politischem Engagement, ohne zu indoktrinieren?"

Der Politologe Wilkens ist sich sicher, dass Roth - im Bewusstsein seines nahenden Todes - mit den Gesprächen am Küchentisch etwas bewirken wollte: "Ich glaube, er wollte Leute aufrütteln vor allem und sagen: Diese Zeiten jetzt sind (...) nicht normale Zeiten. Das sind kritische Zeiten, und da kann man nicht einfach sitzen und abwarten. Man kann es auch nicht einfach den Politikern überlassen, man muss selber ran."

Martin, Mascha, Roman und Clara Roth: "Widerrede - Eine Familie diskutiert über Populismus, Werte und politisches Engagement"
Edition Evangelisches Gemeindeblatt Stuttgart
96 Seiten,  9,95 Euro

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