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Interview | Beitrag vom 14.07.2020

Marsmissionen 2020Auf der Suche nach Leben auf dem Roten Planeten

Daniela Tirsch im Gespräch mit Dieter Kassel

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Ein Foto des Marsrovers Curiosity auf dem Mars.  (imago stock&people)
Selfie vom Mars: Curiosity bekommt bald Gesellschaft. Ende Juli wollen die USA den Rover "Mars 2020" auf die Reise schicken. (imago stock&people)

2020 wollen neben den USA auch China und die Vereinigten Arabischen Emirate den Mars besuchen. Wirklich neue Erkenntnisse erwartet die Planetengeologin Daniela Tirsch nur von der NASA-Mission: Denn diese suche nach Leben auf dem Planeten.

Viel Verkehr herrscht im Weltraum zurzeit, vor allem Richtung Mars: 2020 starten die USA, China und die Vereinigten Arabischen Emirate neue Marsmissionen.

Al-Amal ("Hoffnung"), die erste arabische Marsmission, sollte eigentlich am Dienstagabend von Japan aus die lange Reise antreten. Doch wegen schlechten Wetters wurde der Termin verschoben.

Ohnehin dienten die arabische wie die auch die anstehende chinesische Marsmission wohl eher Demonstrationszwecken, meint Daniela Tirsch, Planetengeologin am Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum. Man wolle zeigen, dass man in der Lage sei, zum Mars zu fliegen.

Wetterzyklen, Wasserstoff, Staubstürme

Wissenschaftliches Ziel der arabischen Mission sei es, die Marsatmosphäre zu untersuchen, allerdings aus einem mit 20.000 - 40.000 Kilometern recht hohen Orbit:

"Sie werden Sachen erforschen, die wir auch schon erforscht haben: saisonale und tägliche Wetterzyklen zum Beispiel, sie wollen den Verlust von Wasserstoff in die Atmosphäre oder ins All untersuchen. Sie wollen Staubstürme analysieren."

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Die Mission sei Ausdruck eines wirtschaftlichen Strukturwandels in den Vereinigten Arabischen Emiraten: weg von Öl und Gas, hin zu mehr Technologie.

Auch von der in Kürze startenden chinesischen Marsmission Tianwen-1 ist offenbar wissenschaftlich nicht unbedingt Aufregendes zu erwarten. Mit einem Satelliten, einem Rover und einem Van wollten die Chinesen in einer sicheren, aber "relativ langweiligen Region" auf dem Mars landen, sagt Tirsch:

"Die schauen sich am Anfang die Marsatmosphäre an und das Magnetfeld und später dann die Oberfläche um die Landestelle, Wasser, Mineralvorkommen und Gesteinszusammensetzung, was wir normalerweise auch machen."

Auf der Suche nach Leben

Sehr spannend hingegen findet die Planetengeologin das US-amerikanische Projekt. "Mars 2020" wird einen Rover losschicken, der ähnlich konstruiert ist wie Curiosity. Der kurvte schon 2012 auf dem Mars herum und erfreute Weltraumfans immer wieder mit spektakulären Bildern.

Die neue Mission "wird nach Spuren von Leben suchen, was natürlich eine der allerwichtigsten Fragen ist, die wir auf dem Mars beantworten wollen. Gab es mal Leben auf dem Mars? Aber das Besondere an der Mission ist, dass sie Proben sammelt, die später – und zwar viel später – einmal zur Erde gebracht werden sollen."

Denn man wisse heute, so Tirsch, dass es vor mehr als dreieinhalb Milliarden Jahren Umweltbedingungen auf dem Mars gegeben habe, bei denen Leben möglich gewesen wäre. "Wir wissen aber nicht, ob sich tatsächlich Leben entwickelt hat."

Gegenwärtiges Leben auf dem Mars vorzufinden, hält Tirsch dagegen für äußerst unwahrscheinlich: "Heute ist er kalt, öde, trocken. Und deswegen gehen wir eher davon aus, dass wir fossile Biosignaturen finden. Wenn überhaupt."

(uko)

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