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Interview / Archiv | Beitrag vom 16.09.2014

Maroder Tschernobyl-Sarkophag"Wettlauf mit der Zeit"

Atomexperte Tobias Münchmeyer: Man kann die Ukraine nicht allein lassen

Moderation: Vladimir Balzer und Axel Rahmlow

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Construction of the "Shelter" - a new, environmentally-friendly sarcophagus (picture-alliance / dpa / Alexei Furman)
Für die Fertigstellung der neuen Schutzhülle der Atomruine in Tschernobyl fehlt das Geld (picture-alliance / dpa / Alexei Furman)

Die äußere Reaktorhülle in Tschernobyl droht zu zerbröseln, für die dritte Hülle des Sarkophags droht der Baustopp, denn die Ukraine hat kein Geld. Die internationale Gemeinschaft muss der Ukraine helfen, sagt Tobias Münchmeyer von Greenpeace.

Neben dem aktuellen Konflikt mit Russland habe die Ukraine ein drängendes: Tschernobyl. Mitte Oktober soll bei einer Sitzung der G-7-Gruppe für Nuklearsicherheit eine Lösung für die Finanzierung für die dritte Hülle des Sarkophags gegeben werden.

Während die USA, Deutschland, Kanada, Italien und die EU-Kommission wohl mehr Geld geben wollen, halten sich Japan, Frankreich und Großbritannien bedeckt. Im Gespräch ist eine Summe von 615 Millionen Euro, die fehlt.

Im Deutschlandradio Kultur erinnerte der Atomexperte Tobias Münchmeyer daran, dass nach dem GAU im Tschernobyl 1986 "mehrere Hunderttausend russische Soldaten" an der ersten Schutzhülle gearbeitet hatten und teilweise ihr Leben ließen. Doch diese sei als "Provisorium" gedacht gewesen.

In den kommenden Jahren sei "der Aufbau dieser zweiten Schutzhülle ein Wettlauf mit der Zeit. Der ist also ganz, ganz wichtig. Die radioaktiven Stoffe, die dort verblieben sind, und das sind viele, das sind riesige Mengen."

Sollte der Sarkophag zerbrechen würden sie frei. Der Bau sei zur Hälfte oder zwei Dritteln fortgeschritten.

"Man sieht also am Standort diese gigantischen Stahlbögen, die dort in komplizierten Verfahren aufgerichtet wurden – und die werden dann auf Schienen über den existierenden Sarkophag praktisch herüber geschoben."

Direkt über dem Sarkophag könne man nicht bauen, weil die Strahlung zu hoch sei, sagte Münchmeyer. Auch 28 Jahre nach dem Atomunglück seien diese Arbeiten "eine ganz ganz heikle und gefährliche und schwierige Aufgabe".

Münchmeyer vertrat die Auffassung, "dass da die internationale Gemeinschaft helfen muss. Sie hat sich 1997 dazu entschlossen. Sie hat sich auch dafür feiern lassen – für diese internationale Solidarität, da diesem armen Land der Ukraine da unter die Arme zu greifen."  Man könne die Ukraine - gerade in dieser politischen Situation - nicht auf halbem oder Zweidrittel-Weg stehen lassen.

Mehr zum Thema:

Tschechien - Widerstand gegen Atommüll-Endlager (Deutschlandfunk, Informationen am Morgen, 16.09.2014)
Nuklearunfälle - Katastrophenschutzpläne auf dem Prüfstand (Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 28.07.2014)
Tschernobyl - Wanderung durch eine Geisterwelt

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