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Konzert / Archiv | Beitrag vom 09.08.2020

Markus Groh and friends Bebersee Festival on tour zum Zweiten

Moderation: Volker Michael

Die Geigerin ist im Profil zu sehen, ihre Geige lehnt dabei an ihrem Oberkörper. (Alina Pogostkina / Nikolaj Lund)
Die Geigerin Alina Pogostkina war mit dabei beim Bebersee-Festival on tour in unserem Konzert-Studio Jesus-Christus-Kirche (Alina Pogostkina / Nikolaj Lund)

Eigentlich spielen sie alljährlich in einem Hangar in der Schorfheide. Dieses Jahr gaben die Musikerinnen und Musiker des Bebersee Festivals Radio-Konzerte in der Jesus-Christus-Kirche Berlin. Der zweite Abend bietet intime Werke der Romantik.

Mit einem weiteren Spontankonzert konnten wir den Künstlerinnen und Künstlern des Bebersee Festivals ein Podium bieten, um ihr Publikum über Radio und Internet zu erreichen. Am 4. Juli spielten sie in unserem Konzertstudio Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem Werke von Johannes Brahms, Antonín Dvořák, Robert Schumann und Felix Mendelssohn Bartholdy. Zumeist sind es Stücke dieser Kammermusiklieblinge, die nicht so oft zu hören sind.

Überraschendes von Lieblingen

Festivalleiter und -gründer Markus Groh und seine künstlerische Beraterin Franziska Hölscher spielen nicht nur selbst, sondern sie konnten für diesen zweiten Abend mehrere bekannte Musiker der jungen Generation gewinnen - die Geigerin Alina Pogostkina, den Bratscher Gregor Sigl und den Cellisten Claudio Bohorquez.

Der Pianist Markus Groh (Dan Williams & Kalare Studio)Der Pianist Markus Groh (Dan Williams & Kalare Studio)

Den ersten Abend haben wir am 3. Juli live übetragen. Dort reichte das musikalische Spektrum von Joseph Haydn über Dmitri Schostakowitsch bis Alfred Schnittke. Ein großes Werk von Antonín Dvořák war auch schon dabei, sein zweites Klavierquartett. Nun gibt es das nicht weniger reizvolle, aber selten gespielte Terzett op. 74 des tschechischen Meisters. Ein hochdramatisches Stück Trio-Musik, das enormen Tiefgang erreicht, obwohl ein wirklich tiefes Instrument, zum Beispiel ein Cello, fehlt.

Lieder mit instrumentalem Wort

Nicht weniger innovativ oder tiefgründig sind Robert Schumanns "kleinteilige" Fantasiestücke op. 73, die eigentlich für Klarinette und Klavier geschrieben wurden. Hier erklingen sie in der Fassung für Cello und Klavier. Ebenfalls anders als "originaliter" vorgesehen sind zwei Lieder für Stimme und Klavier von Felix Mendelssohn Bartholdy zu hören. Im Bebersee-on-tour-Programm übernimmt die Bratsche die führende Ober- oder Gesangsstimme. Original für Cello und Klavier schrieb Mendelssohn Bartholdy sein "Lied ohne Worte op. 109", gewidmet einer jungen französischen Cellistin, die am Leipziger Gewandhaus gastiert und den Komponisten und Kapellmeister zum Schreiben angeregt hatte. Ein besonders reizvolles Stück der von ihm kreierten Gattung "Lied ohne Worte" ist dabei entstanden.

Ein Flügel in einer Kirche, im Hintergrund ist eine Orgel sichtbar. (deutschlandradio / Cornelia de Reese)Aus der Jesus Christus Kirche Berlin sendet Deutschlandfunk Kultur so oft wie möglich live. (deutschlandradio / Cornelia de Reese)

Ein Renner des Kammermusikrepertoires steht am Ende dieses zweiten Bebersee-Abends - das Klaviertrio H-Dur op. 8 von Johannes Brahms. Es zeigt musterhaft die skrupulöse Art des Komponierens des Hamburger Meisters. Eigentlich ist es ein "geschwätziges" Frühwerk (so der Komponist selbst), doch er unterzog es viele Jahre später (35 Jahre, um genau zu sein) einer Komplettrevision. So veränderte das Jugendwerk, das unter dem Einfluss Robert Schumanns entstanden und veröffentlicht worden war, vollständig sein Gesicht. Und zeigt dennoch die geniale melodiöse Erfindungsgabe des Musikers, die er später doch selbst so kritisch beurteilt und geringgeschätzt hat.

Jesus-Christus-Kirche Berlin-Dahlem
Aufzeichnung vom 4. Juli 2020

Das Bebersee Festival on tour

Johannes Brahms
Violinsonate Nr. 2 A-Dur op. 100

Antonín Dvořák
Terzett für zwei Violinen und Viola C-Dur op. 74

Robert Schumann
Fantasiestücke für Violoncello und Klavier op. 73

Felix Mendelssohn Bartholdy
"Lied ohne Worte" für Violoncello und Klavier op. 109
Zwei Lieder in Bearbeitung für Viola und Klavier

Johannes Brahms
Klaviertrio Nr. 1 H-Dur op. 8

Alina Pogostkina, Violine
Franziska Hölscher, Violine
Gregor Sigl, Viola
Claudio Bohórquez, Violoncello
Markus Groh, Klavier

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