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Kompressor | Beitrag vom 20.09.2018

Markenbildung mit SoundWenn Wellen rauschen, schmeckt Fisch gleich besser

Von Marko Pauli

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Ein Display mit den digitalen Einstellmöglichkeiten der Tonmischung. (Matthias Höing/flashed photo)
Mann am Computer: Mischen für eine interessante multisensorische Erfahrung. (Matthias Höing/flashed photo)

Beim Audio Branding werden Marken bestimmte Klänge zugewiesen, das reicht bis ins Restaurant: Der richtige Sound soll das Geschmackserlebnis perfektionieren. In Hamburg werden bei den International Sound Awards bald Preise dafür vergeben.

"How can sound change our sense of taste?"

Klänge können den Geschmackssinn beeinflussen. Audiodraft, eine Audio-Agentur aus Finnland, hat diese wissenschaftlich erwiesene Tatsache genutzt, um Klänge zu komponieren, die genau auf den Genuss eines bestimmten Aperitifs zugeschnitten ist.

Hohe Frequenzen reduzieren die Wahrnehmung von Bitterkeit, heißt es im zugehörigen Video, langsam sich verändernde, geschmeidige Töne verstärken die Empfindung süßen Geschmacks. Dazu der Klang einer warmen Sommerbrise, die den Hörer in eine positive Grundstimmung versetzen soll.

Lecker Essen dank passendem Sound

Auch das Essen in einem Restaurant könne so mehr Geschmack erhalten, sagt Teemu Yli-Hoolo von Audiodraft, zum einen durch einen atmosphärischen Sound, der zum Angebot passt, also zum Beispiel Wellengeräusche in einem Fischrestaurant, aber auch durch die gezielte Beeinflussung von Aromen durch bestimmte Frequenzen. Selbst wenn das Essen und die Getränke auch sonst gut gewesen wären – durch die passenden Klänge schmecke beides noch besser und es ergebe sich eine interessante multisensorische Erfahrung.

Verspricht zumindest die Firma Audiodraft, die für ihre den Geschmacksinn unterstützende Musik in zwei Kategorien der International Sound Awards nominiert ist. Im sechsten Stock eines Hotels an der Reeperbahn präsentieren Nominierte ihre Projekte. Die Szene ist übersichtlich, viele kennen sich hier. Von Produktklang bis zu sozialen Projekten werden in insgesamt neun Kategorien Preise verliehen.

Birgit Elke ist Projektmanagerin der International Sound Awards. Sie sagt: "Wir ehren Projekte aus allen Bereichen, die mit Sound zu tun haben." Mit Klängen könne man Emotionen und Erinnerungen bei den Menschen wachrufen. "Was so ganz unterbewusst oder unbewusst diese Assoziationen hervorruft. Im Visuellen ist es viel mehr im Bewusstsein, Musik und Klang dagegen können viel mehr das Unterbewusstsein ansprechen. So im Grunde verschüttete Erinnerungen wachrufen."

Oder das Kaufverhalten anregen. Eine im Bereich Soundscapes and Ambient Sound nominierte Agentur aus Schweden hat verschiedene Klanglandschaften für ein Kaufhaus in Stockholm kreiert. "Das Shoppingcenter hat verschiedene Klangzonen", erklärt Birgit Elke. "Da wo die Luxusmarken sind, da sind die Klänge sehr edel, die sollen genau dieses Gefühl triggern."

Edler Sound in der Luxus-Abteilung

Was macht edlen Sound aus?

Bestimmte Klänge, die Assoziationen hervorrufen. In dem Fall des Shoppingcenters werden Klänge dazwischen gemischt, zum Beispiel das Anstoßen von Gläsern, Champagnergläser.

Auch die belgische Stadt Gent hat einen eigenen Sound. Zumindest wenn es nach Cedric Engels und Steven Barbé von der Soundagentur Sonhouse geht. Sie hatten den Auftrag, ein Stück zu komponieren, in dem die typischen Merkmale von Genk zu hören sind. Nach neun Monaten Arbeit waren die drei Minuten Song fertig.

"Es musste klingen wie eine Großstadt im Westentaschenformat", sagt Steven Barbé: "Aufstrebend, aber auch individuell, ein bisschen stur und dickköpfig." "Klänge von den Straßen sind auch zu hören", ergänzt Cedric Engels. "Die Straßenbahn, aber auch Schritte auf dem typischen Kopfsteinpflaster. Das Stück ist angelegt wie ein Gang durch die unterschiedlichen Viertel der Stadt."

Zu hören jetzt in offiziellen Warteschleifen, als Signal in der Bibliothek oder im Glockenspiel einer Genker Kirche.

Besserer Sound für die Welt

Die Awards stehen unter dem Motto "Make the world sound better". Für Menschen mit Sehbehinderung klingt die Welt nicht besonders gut, zumindest nicht in den speziellen Signalen, die für sie gedacht sind.

Felix Urban sagt dazu: "Ich finde die Sounddesigns im Hilfsmittelbereich für Blinde und Sehbehinderte sind extrem funktional, wenig ästhetisch, sehr piepsig, rau."

Felix Urban von der FH Dortmund hat gemeinsam mit Studenten und Menschen mit Sehverlust ein neues Sounddesign für eine auf CD erscheinende Blindenzeitschrift entwickelt. Bisher wurde sie einfach eingesprochen, jetzt gibt es verschiedene Signale und Kennungstöne.

"Wir sind dann letztendlich bei den Sounds gelandet, die jeder kennt, bei den Ampeln, das Lokalisierungsgeräusch und das Signalgeräusch, das kennt jeder. Wir haben es künstlerisch transformiert und mit musikalischen Elementen eingearbeitet.

"Wir sehen das als Idee für Inklusion, weil das Geräusch nicht nur die Blinden kennen, das Geräusch kennt jeder, es treffen sich Blinde und sehende Menschen an der Ampel."

Zurück zum edlen Drink und der Beeinflussung des Geschmackssinns durch extra komponierte Musik. Ist das nicht auch ein Luxus-Thema, also nur für diejenigen gedacht, die viel zahlen können und sowieso schon alles haben? Nein, meint Cameron Murphy von der Agentur Audiodraft, einfach nur Musik, die man mag, zum Bier würde dieses auch besser machen.


(für die Website leicht bearbeitet, mf)

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