Nachruf auf Mario Adorf

Abschied von einer Schauspiellegende

Ein Porträt eines älteren Mannes mit grauen Haaren.
Mario Adorf starb im Alter von 95 Jahren in Paris © picture alliance / dpa / Karl-Josef Hildenbrand
Von Bernd Sobolla |
Der Schauspieler Mario Adorf ist tot. Er starb im Alter von 95 Jahren in seiner Wohnung in Paris. Berühmt wurde er vor allem mit seinen Schurkenrollen. Doch dem Schauspieler, der fast jeden deutschen Filmpreis gewann, war kein Genre fremd.
Die Rolle als Serienmörder Bruno in „Nachts, wenn der Teufel kam“ (1957) war Mario Adorfs erster großer Auftritt – und sein Durchbruch.
Da war er gerade 27 Jahre alt. 1930 in Zürich geboren, wuchs Mario Adorf als unehelicher Sohn in Mayen auf, einer kleinen Stadt in der Eifel. Seine Mutter, eine Röntgenassistentin, stammte aus dem Elsass; sein Vater war Arzt in Süditalien. Er traf ihn nur ein einziges Mal, konnte aber nicht mit ihm reden, da er damals noch kein Italienisch sprach.
Noch am Grab des Vaters bedauerte Mario Adorf das: „Wenn wir uns jetzt gesehen hätten, also Jahre später, dann hätte man miteinander reden können. Das ist es. Die Chance war vertan, eben ein Verhältnis von zwei erwachsenen Menschen zumindest nicht mehr aufzubauen.“

Boxen und Schauspiel: Mario Adorfs Anfänge

Ab 1950 studierte Mario Adorf Philosophie, Psychologie, Kriminologie, Literatur, Musik und Theaterwissenschaften. Außerdem betätigte er sich nebenbei beim Boxen.
Anschließend absolvierte er eine Schauspielausbildung an der Münchner Otto-Falckenberg-Schule. Dann spielte Adorf bis 1962 Theater an den Münchner Kammerspielen.

Durchbruch als Schurke: "Winnetou" und "Nachts, wenn der Teufel kam"

In der Filmwelt war er nach seinem Durchbruch zunächst auf Schurkenrollen abonniert, zum Beispiel in „Winnetou“ oder „Die Herren mit der weißen Weste“.
Erfolge feierte er aber auch im internationalen Kino, vor allem in Italien drehte Mario Adorf viel, unter anderem war er in „Die Ermordung Matteottis“ als Duce Mussolini zu sehen. Immer wieder spielte er in französischen, spanischen, amerikanischen und sogar russischen Filmen - alles Sprachen, in denen er sich fließend ausdrücken konnte.

Von der "Blechtrommel" bis "Lola": Adorf im Neuen Deutschen Film

Dramen, Komödien, Krimis – Mario Adorf war kein Genre fremd. Mitte der 1970er-Jahre entdeckten ihn die Regisseure des Neuen Deutschen Films. Volker Schlöndorff engagierte Mario Adorf für „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ und für die „Blechtrommel“. Und 1981 glänzte Mario Adorf in Rainer Werner Fassbinders „Lola“. Darin spielt er einen Baulöwen, der seine Geschäfte mit der gesamten Kleinstadt-Oberschicht in einem Bordell der Wirtschaftswunderjahre tätigt.
Spätestens jetzt war er, der Schauspieler, der Jean Gabin, Hans Christian Blech und Spencer Tracy zu seinen Vorbildern zählte, ein nationaler Star. Es gab kaum einen deutschen Filmpreis, den er nicht irgendwann erhalten hätte. Dennoch sah sich Mario Adorf anders:

„Ein Star war für mich immer jemand, der durch seinen Namen, durch seine Ausstrahlung, durch seine Position, durch sein Dasein am großen internationalen Himmel sozusagen Kinokassen auch gefüllt hat. Und der letzte deutsche Star, glaube ich, der das geschafft hat, ist O. W. Fischer, ist gestorben. Seitdem kann man eigentlich nicht sagen, dass wir also Stars haben. Das andere sind alles populäre Schauspieler, aber doch keine Stars. Das ist auch wieder nicht nur negativ, sondern der Film muss gut sein, damit die Leute auch reingehen.“

Späte Erfolge als Buchautor und Zusammenarbeit mit Dieter Wedel

Neben seiner Schauspieltätigkeit schrieb Mario Adorf seit 1983 auch rund 30 Bücher, häufig mit autobiografischem Inhalt. Vor allem aber seine Zusammenarbeit mit TV-Star-Regisseur Dieter Wedel machte ihn zum beliebtesten Schauspieler Deutschlands.
Als Patriarch jeder Art wurde Adorf zur Idealbesetzung für Wedel. So bei „Der große Bellheim“, „Der Schattenmann“ oder 2002 in der Gesellschaftssatire „Die Affäre Semmeling“, die in der Hamburger Politszene spielt. Als Bausenator kann er ebenso Leute umschmeicheln, wie die Ellenbogen ausfahren. Charmant und durchsetzungsfähig, vorausblickend und ohne Schwäche für Nostalgie. Eine Paraderolle für Mario Adorf.
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