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Interview | Beitrag vom 25.01.2021

Marcus Ewald zum Corona-Krisenmanagement"Wir müssen die Bürger wie Erwachsene behandeln"

Moderation: Ute Welty

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Bundeskanzlerin Angela Merkel und Helge Braun anlässlich der gemeinsamen Sitzung von Bundeskanzlerin Merkel mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer im Berliner Bundeskanzleramt. (imago / snapshot / F. Boillot)
Wenn die Politik die Bürger im Ungewissen lässt, bröckelt der Zusammenhalt, warnt der Krisenmanager Marcus Ewald. (imago / snapshot / F. Boillot)

Keine Strategie zur Pandemiebewältigung und keine Transparenz: Die Bürger hätten das Recht, mögliche Szenarien der weiteren Entwicklung zu erfahren, statt alle zwei Wochen aufs Neue vertröstet zu werden, kritisiert der Krisenmanager Marcus Ewald.

Mit einer Mischung aus Mitleid und dem guten Gefühl, es besser gemacht zu haben, schauen Europäer in der Coronakrise auf die USA mit ihren vielen Toten und erschreckend hohen Infektionszahlen. Doch mit welchem Recht eigentlich?

Kein gutes Zeugnis für Europa

Der Strategieberater Marcus Ewald jedenfalls stellt Europa bei der Bewältigung der Pandemie kein besseres Zeugnis aus als den USA - obwohl die USA "ein völlig dysfunktionales Management unter Trump hatten und wir ein funktionierendes", wie er betont.

Aber es fehle an einer Strategie der Pandemiebekämpfung - und daran, diese gegenüber der Bevölkerung zu kommunizieren, meint der Geschäftsführer der Krisenmanagementberatung Ewald und Rössing. 

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)Zunächst müsse man anerkennen, dass wir uns in einer Ausnahmelage befinden, möglicherweise sogar in einem gerade entstehenden Katastrophenfall. Die Menschen hätten ein Recht darauf, auch das Worst-Case-Szenario zu kennen, um sich darauf vorbereiten zu können.

"Wenn wir die Leute weiterhin im Unwissen lassen, wie es jetzt gerade ist, dann werden Standards erodiert, dann wird der Zusammenhalt bröckeln", so Ewald.

Oder kann es im Umgang mit einer so wenig vertrauten Situation wie der Coronapandemie gar keine vernünftige Strategie geben? Darüber haben wir mit dem Strategieberater Hergen Wöbken gesprochen. Das Interview hier zum Nachhören: 

Man müsse ehrlich mit den Menschen sein und die unterschiedlichen Szenarien und deren Konsequenzen klar kommunizieren, zum Beispiel was mögliche Virusmutationen und das Tempo der Impfstofflieferungen angeht:

"Wir müssen die Bürgerinnen und Bürger wie Erwachsene behandeln, nicht immer wieder alle zwei Wochen neu vertrösten. Ich glaube ganz ehrlich, dass viele Leute sich das auch anschauen können und die richtigen Schlüsse daraus ziehen."

Mit Illusionen kommt man in der Krise nicht weit

Als Beispiel nennt Ewald Theaterunternehmer in seinem Freundeskreis: "Die haben jetzt komplett auf online umgestellt – alle Shows, die sie haben. Verkaufen gut Tickets – und warum? Weil ich ihnen im Gespräch gesagt habe – sagen musste -, dass es dieses Jahr vermutlich nichts mehr wird mit Auftritten. Und dann haben sie sich eben geschüttelt und haben die Konsequenzen gezogen. Und diese Ehrlichkeit, die brauchen wir."

Vor diesem Hintergrund verspricht sich Ewald auch nicht viel von "NoCovid"- oder "ZeroCovid"-Initiativen: Im Prinzip seien das in sich sinnvolle Strategien, weil sie die Corona-Inzidenz drückten, "aber sie vermitteln den falschen Eindruck, dass, wenn man sich anstrengt, danach alles gut wird. Und ich glaube, das geht jetzt gerade nicht. Wir müssen wirklich damit leben, dass es jetzt erstmal noch lange schlimm bleibt."

(uko)

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