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Fazit | Beitrag vom 01.09.2019

Marcel Beyer und Jo Fabian zu den LandtagswahlenWegen der AfD in Aufruhr bleiben

Moderation: Eckhard Roelcke

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Spitzenkandidat der brandenburgischen AfD und einer der Wahlsieger: Andreas Kalbitz. (dpa / picture alliance / Gregor Fischer)
Spitzenkandidat der brandenburgischen AfD und einer der Wahlsieger: Andreas Kalbitz. (dpa / picture alliance / Gregor Fischer)

Die AfD ist bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg jeweils zweitstärkste Kraft geworden. Büchnerpreisträger Marcel Beyer aus Dresden und Jo Fabian, Schauspieldirektor des Staatstheaters Cottbus, blicken auf die Wahlergebnisse.

Am Schauspiel Cottbus wurde am Wahlabend eine "Angstbefreite Zone" ausgerufen. "Wir haben uns gemeinsam mit Cottbuser Publikum und mit Künstlern verschiedener Institutionen und Orten in Cottbus die Wahl angeschaut und darüber diskutiert", erklärt Schauspieldirektor Jo Fabian. Er findet es erleichternd, dass die AfD nicht stärkste Kraft wurde:

Künstlerisches Interesse an einer starken AfD

"Persönlich hätte ich vielleicht sogar ein künstlerisches Interesse daran, dass es zugunsten der AfD in Brandenburg ausgegangen wäre, weil ich befürchte, dass sich das jetzt sehr schnell beruhigt für die nächsten fünf Jahre. Und mit den Prognosen, dass die AfD schon über ihren Zenit wäre, könnte das politisch schon wieder in den falschen Hals kommen. Mir gefällt das eigentlich, dass man da in Bezug auf die Vorstellungen, die die AfD hat, in Aufruhr bleibt."

Das Theater sollte ein Ort der Kommunikation sein, so Fabian. Doch durch das Erstarken der AfD beobachtet er eine "Dialogentfremdung", die zu gegenseitiger Ausgrenzung führe:

"Wir sind darauf angewiesen, dass sich jemand diesem Gespräch stellt. Dass jemand der Kultur an sich oder der Kunst diesen Stellenwert einräumt", sagt Fabian. Doch wenn die Menschen nicht mehr ins Theater kämen, könne dieses auch nicht mehr als Kommunikationsfläche dienen.

Man könne nicht miteinander sprechen, wenn eine Gruppe gar nicht mehr komme. "Da kann man auch traurig drüber sein", sagt Fabian.

Seltsam, dass so gar nichts nützt

Büchnerpreisträger Marcel Beyer, der seit rund 23 Jahren in Dresden lebt, findet, dass die Auseinandersetzung mit der AfD intensiviert werden muss. "Bisher ist es so, dass wir so schockiert sind, was da geschieht - und nicht begreifen, wer eigentlich diese Menschen sind, die zu fast 28 Prozent die AfD wählen."

"Es ist eine seltsame Erfahrung, dass offensichtlich gar nichts nützt", so Beyer: "Man kann auf rechtsradikale Umtriebe in der AfD hinweisen, es gibt Spendenskandale und alles mögliche, wo man als vernünftiger Mensch sagen würde: 'All das spricht dafür, die Partei nicht zu wählen.' Aber es schadet ihr nicht bei den Wählern." Er verstehe nicht, wie man sich bei der AfD aufgehoben fühlen könne, so Beyer.

Das Wahlergebnis stimmt Beyer kämpferisch. "Ich glaube, dass in Sachsen vieles in Bewegung gekommen ist", sagt er.

(nho)

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