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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 27.11.2019

Marc Brost zur neuen EU-KommissionRaus aus der Statistenrolle

Moderation: Korbinian Frenzel

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Die neue EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hält eine Rede vor dem EU-Parlament in Straßburg. (picture alliance/Philipp von Ditfurth/dpa)
Sie kann nun starten: Das EU-Parlament in Straßburg hat die Kommission unter Ursula von der Leyen am Mittwoch gewählt. (picture alliance/Philipp von Ditfurth/dpa)

Einen Neustart für Europa verspricht die EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen. Das kann aus Sicht des "Zeit"-Journalisten Marc Brost nur gelingen, wenn die EU-Regierungschefs ihre Egoismen herunterschrauben. Die Herausforderungen seien enorm.

Zukunftsunsicherheit, Verzagtheit, Angst: Dieses "Grundsetting" erkennt Marc Brost bei allen Themen, die die frisch gewählte EU-Kommission unter Ursula von der Leyen anpacken müsse. Dazu zählen nach Ansicht des Politikchefs der "Zeit" vor allem der Klimawandel, die Digitalisierung und die alternden Gesellschaften des Westens. Von der Kommission müsse das Signal ausgehen, dass sie die Sorgen der Menschen ernst nehme - und sich darum in harter Arbeit kümmere. Es sei zudem notwendig, "in diesem globalen Feld zwischen China und Amerika auf Augenhöhe mitzuspielen".

Marc Brost im Porträt (imago / Future Image)Der "Zeit"-Politikchef Marc Brost (imago / Future Image)

Bisher sieht Brost die EU in keiner selbstbewussten Position. Auf wichtigen internationalen Gipfeln seien neben den EU-Regierungschefs auch die Spitzen der Kommission und der Ratspräsidentschaft vertreten: 

"Man fragt sich immer: Wer sind denn jetzt diese beiden Typen aus Brüssel? Was spielen die denn wirklich für eine Rolle? Das wirkt so ein bisschen wie die Statisten am Rande des eigentlichen Gipfels. Aus dieser Rolle muss Europa herauskommen, was wiederum bedingt, dass die nationalen Regierungschefs ihre Egoismen und auch ihre Ansprüche herunterschrauben müssen."

Bei Krisen muss Brüssel gefragt sein

Es komme nun darauf an, bei einem der vielen Zukunftsthemen einen "europäischen Anspruch" und damit die "europäische Umsetzung" zu markieren. Wichtige Tests seien dabei immer Krisen. In der Flüchtlingskrise habe Europa nicht einheitlich agiert. In der Finanzkrise habe es zwei wichtige Telefonnummern gegeben: die von Deutschland und Frankreich. "Von der Leyen müsste es schaffen, dass in der nächsten Krise, egal welches Thema das ist, die Telefonnummer in Brüssel liegt - mit einer großen Selbstverständlichkeit", so Brost. 

Das vollständige Gespräch mit Marc Brost hören Sie hier:

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