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Studio 9 - Der Tag mit ... | Beitrag vom 06.11.2020

Marc Brost über die US-Wahl"Immer weniger Republikaner folgen Trump"

Moderation: Korbinian Frenzel

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Donald Trump im Presseraum des Weißen Hauses am 5. November 2020 (picture alliance / AP / Evan Vucci)
Er folgt seinem Drehbuch: Donald Trump im Presseraum des Weißen Hauses am 5. November 2020 (picture alliance / AP / Evan Vucci)

Donald Trump ist auf der Verliererstraße: Bald könnten die US-Medien Joe Biden zum Sieger der Präsidentenwahl ausrufen. Doch Trump wiederholt nur Verschwörungstheorien. "Zeit"-Redakteur Marc Brost ist nicht überrascht von der Reaktion des Noch-Präsidenten.

Donald Trump liegt jetzt auch in Pennsylvania hinten, spricht aber weiterhin nur von "Wahlbetrug" und will bis vor das Höchste Gericht der USA ziehen, um zum Sieger erklärt zu werden. Marc Brost, Politikredakteur der "Zeit", hat diese Strategie erwartet: "Trump folgt seinem Drehbuch, aber nur wenige folgen ihm."

Prognosen nicht bestätigt

Fox News habe sich von ihm distanziert, die Übertragung seiner Pressekonferenz sei in mehreren TV-Sendern abgebrochen worden. "Das ist interessant und sollte erst mal ein Grund zum Optimismus sein." Bisher hätten sich auch düstere Prognosen über einen Gewaltausbruch im Gefolge der Wahl nicht bestätigt.

Das Bild zeigt die amerikanische Flagge, Dossier zur US-Wahl 2020 (picture alliance / Wolfram Steinberg)

Allerdings: Der populistische "Trumpismus" werde auch ohne einen Präsidenten Trump weiter bestehen. Das bedeute: "das Setzen und Hoffen auf einen kurzfristigen Erfolg, das Laute statt das Leise, Konfrontation statt Kooperation". Das sei in den USA in extremer Form beobachten.

Die amerikanische Demokratie stünde vor einer unglaublichen Belastungsprobe, sagt Brost voraus, selbst wenn es einen sanften Übergang der Macht zu Joe Biden geben sollte. Eine Regierung unter einem demokratischen Präsidenten werde ein "Enttäuschungsmanagement" betreiben müssen.

Denn Biden sei von Erwartungen sowohl von links als auch von rechts überfrachtet. Er werde zwar als "onkelhafter Versöhner" persifliert, aber angesichts der Komplexität des Wahlergebnisses und der vielen Gräben in der Bevölkerung werde Biden immer irgendwem auf die Füße treten müssen, der ihn eigentlich gewählt hat.

(cre)

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