Malerin Rosa Loy

    "Ein Bild braucht Pflege wie ein Garten"

    Ein Portrait der Künstlerin Rosa Loy, sie steht mitten in ihrer Ausstellung "Die Stickerin", die in der Grafikstiftung Neo Rauch 2018 in Aschersleben zu sehen war.
    Nicht so erfolgreich wie ihr Mann, Neo Rauch, aber auch so zufrieden: die Malerin Rosa Loy. © dpa / Klaus-Dietmar Gabbert
    Moderation: Britta Bürger · 14.10.2021
    In ihrem ersten Leben war die Malerin Rosa Loy Gartenbauingenieurin. Heute gärtnert sie nur noch in ihrer Freizeit, hat dafür aber ihr früheres Hobby zum Beruf gemacht: Ihre Bildwelten zählen zu den besonders eigenwilligen Werken der Neuen Leipziger Schule.
    Wie könnte man die Werke von Rosa Loy beschreiben? Vielleicht so: Farbintensiv, aber nicht bunt, märchenhafte und zugleich zeitlose Wesen. Mal fühlt man sich an die Romantik, mal an den sozialistischen Realismus erinnert. Die Leipzigerin malt stets figürlich, fast immer sind ausschließlich Frauen zu erkennen. Warum?
    "Ich bin in der DDR sozialisiert. Wir hatten als Frauen bestimmte Rechte und Pflichten. Diese Situation hat sich nach der Wende grundlegend geändert. Das hat natürlich in mir sehr viele Fragen aufgeworfen. Was war vorher gut, was hat mir gefallen, was hat sich geändert? Das war der Ausgangspunkt, warum ich anfing, Frauen zu malen. Wir können es uns nicht mehr leisten, auf diesen femininen Anteil in der Gesellschaft zu verzichten."

    Von der Gartenbauingenieurin zur Malerin

    Vor einigen Jahren gründete Rosa Loy mit einer Gruppe von Künstlerinnen das MalerinnenNetzWerk Berlin-Leipzig. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass bestimmte Institutionen dieses Netzwerk lieber ausstellen als nur eine Einzelperson. Dieses Bewusstsein, was ist eigentlich Frauenmalerei, was macht das aus, was ist anders daran, das wird in solchen Ausstellungen sichtbar."
    Rosa Loy zählt heute zu einer der wichtigsten Vertreterinnen der sogenannten Neuen Leipziger Schule. Zu der gehört auch ihr Mann, der Maler Neo Rauch. Die beiden arbeiten Tür an Tür in getrennten Ateliers in der Leipziger Baumwollspinnerei.
    "Ihre Leinwände sind Gärten", sagte Rauch einmal über sie. Kein Zufall, denn Ende der 1970er-Jahre ließ sie sich an der Humboldt-Universität zur Gartenbauingenieurin ausbilden. Für Loy ein logischer Schritt, denn der Vater leitete eine Gärtnerei.
    Doch sie wollte auch weg von zu Hause, weg aus Leipzig. Da kam ein Studium in Berlin gerade recht. Mit 23, Anfang der 80er-Jahre, landete Loy wieder in Leipzig.
    Bei der Stadtverwaltung war sie als diplomierte Gartenbauingenieurin für ökologische Fragen zuständig, ein schwieriges Thema in der DDR. Ihre Aufgabe bestand unter anderem darin, auszurechnen, wie hoch die Schornsteine gebaut werden müssten, damit die Rußwolken über die Stadt hinwegziehen. "Das hat mich gar nicht befriedigt". Und so folgte ein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.

    Positive Bilder für unruhige Zeiten

    Rosa Loys Bilder, das fällt auf, zeigen oft Heldinnen. Schöne Frauen, die anpacken, vorwärtsstreben, spielerisch gemeinsame Sache machen.
    "Die Welt muss mindestens 50 Prozent positiv sein, sonst wäre sie schon längst aus den Angeln gegangen. Ich finde, wir haben so viele Nachrichten, die so negativ und reißerisch sind, dass ich mit positiven Bildern auch ein Herz berühren kann. Mir geht es darum, mit schönen Dingen jemanden zu berühren, auch ein bisschen Zauber zu verbreiten, ohne dass es kitschig ist. Das ist eine große Herausforderung."
    Die Künstlerin Rosa Loy und Redakteurin Britta Bürger im Studio.
    Die Künstlerin Rosa Loy und Redakteurin Britta Bürger im Studio.© Deutschlandradio/Frank Ulbricht
    Heute sind die Werke von Rosa Loy vor allem auch in Kalifornien gefragt, zahlreiche Bilder werden in Los Angeles ausgestellt. Doch L.A. statt Leipzig, das passe nicht zu ihr.
    "Wir haben in Mitteldeutschland, in Sachsen, einen wahnsinnig dichten kulturellen Humus. Wir haben eine ganz alte Kultur. Wir haben Musik, Theater, Malerei, Film, Kino. Wir haben so viele Dinge in Leipzig. Das woanders zu finden, ist sehr schwierig. Ich kenne das alles wie meine Westentasche, das ist meine Heimat, das ist meine Scholle. Daraus beziehe ich meine Energie. Ich lebe sehr gern in Leipzig."

    50 Prozent der Familie erfolgreich

    Ihr Mann ist seit Jahren mit seiner Kunst überaus erfolgreich. Hohe Summen werden für seine Bilder bezahlt. Neid empfindet Loy nicht, wenn sie auf seine Karriere blickt.
    "Ich habe mich sehr gefreut für meinen Mann, dass er diesen großen Erfolg hat. Wir haben eine enge Beziehung und leben als Familie. 50 Prozent meiner Familie sind sehr erfolgreich, was kann mir Besseres passieren? Und ich bin erfolgreich, welch ein Glück haben wir."
    Das Ehepaar wurde 2019 sogar für sein gemeinsames Bühnenbild zur Wagneroper "Lohengrin" in Bayreuth ausgezeichnet. Um sich für weitere Projekte inspirieren zu lassen, zieht es Loy, besonders im Herbst, immer wieder in ihren Garten. Malerei und Natur, da gebe es viele Gemeinsamkeiten, so die 61-Jährige.
    "Ein Bild muss genauso gehegt und gepflegt werden wie ein Garten. Mein Garten sagt auch: Also hier bitteschön Unkraut hacken, oder ich brauche Wasser. Und das Bild sagt ab einem gewissen Moment, also hier brauche ich etwas Dunkles, die Komposition funktioniert nicht, hier muss nachgebessert werden. Dort muss was überstrichen werden."
    (ful)

    Die Sendung wurde erstmals am 23. September 2019 ausgestrahlt.

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